Die Stadt Trossingen kann ihre Bürger mit Trinkwasser versorgen, obwohl sie es nicht selbst fördert. Der Preis bleibt im nächsten Jahr gleich. Allerdings erfuhren die Mitglieder des Gemeinderates, dass nächstes Jahr eine Neukalkulation erfolgt, sodass mit einer Gebührenerhöhung ab 2026 zu rechnen ist.
Sowohl der Eigenbetrieb Wasserversorgung wie auch der Eigenbetrieb Abwasserentsorgung arbeiten ohne Gewinnerzielungsabsichten.
Beide führen getrennte Netze, in der Abrechnung gibt es aber eine gewisse Abhängigkeit: Die Abwassergebühr der Bürger und Betriebe wird unter anderem anhand der bezogenen Trinkwassermenge berechnet.
Ein weiterer Faktor bei der Berechnung der Abwassergebühr ist die versiegelte Fläche auf den Grundstücken der Gebührenschuldner, hier zählt der Quadratmeter.
Verschiedene Quellen
Die Trossinger trinken Wasser aus dem Bodensee und aus der Keckquelle, die im Neckartalweg im Nachbarort Deißlingen liegt. Geliefert wird das Trinkwasser aus den hiesigen Quellen vom Zweckverband Baarwasserversorgung Trossingen, der zusammen mit der Stadt Villingen-Schwenningen und der Gemeinde Deißlingen den Zweckverband Keckquelle bildet.
Alle Abnehmer von Keckquellenwasser mischen es mit anderen Wassern, weil die Keckquelle sehr reich an Mineralien ist. Das ist zwar gut für die Gesundheit, doch verkalken Geschirr, Küchengeräte und Waschmaschinen schneller. Das Bodenseewasser mit einem Härtegrad neun wirkt da ausgleichend.
Der Zweckverband Baarwasserversorgung Trossingen mischt im Wasserhochbehälter Weigheim das Wasser aus dem Bodensee und der Deißlinger Quelle. Das Mischwasser liegt im mittleren Härtebereich zwei. „Unsere Gebühren sind relativ niedrig im Vergleich zu anderen Kommunen“, so Bürgermeisterin Susanne Irion. Sie sind so günstig, dass sie unterhalb der Schwelle für eine Investitionsförderung durch das Land liegen. „Alle Investitionen werden durch Kredite finanziert, wir dürfen ja keine Gewinne machen, deshalb ist auch kein Geld da“, so die Bürgermeisterin.
Letzte Erhöhung 2023
Zum letzten Mal wurden die Gebühren für das Trinkwasser am 1. Januar 2023 angepasst, davor waren sie zehn Jahre lang gleich. Die Trossinger zahlen netto 3,30 Euro für den Kubikmeter, mit Mehrwertsteuer sind es dann 3,53 Euro. Hinzu kommt noch die Zählergebühr (von zum Beispiel 41,73 Euro für den kleinsten Zähler). Für 0,353 Cent erhält man in Trossingen also einen Liter eines hervorragenden Wassers. Würde man die gleiche Menge an Mineralwasser aus dem Laden beziehen, währe man mindestens das Hundertfache dieses Betrages los. Ein Kubikmeter Wasser entspricht etwa dem Inhalt von fünf Badewannen. Zum Kubikmeterpreis für das Leitungswasser von 3,53 Euro kommt dann aber noch die Abwassergebühr hinzu. Das Abwasser wird von der Stadt mit 2,56 Euro berechnet, Mehrwertsteuer wird darauf nicht erhoben. Sind zusammen dann 6,09 Euro pro 1000 Kubikmeter Wasser.
Weil nicht nur das Schmutzwasser aus dem Haushalt entsorgt werden muss, sondern auch ein Teil des Regenwassers, der auf das Grundstück fällt, ist auch noch eine Niederschlagswassergebühr fällig, die anhand der versiegelten Fläche berechnet wird. Wobei eine Dachfläche oder ein asphaltierter Hof mit einem höheren Faktor berechnet wird als eine Einfahrt, die mit Schotter oder Rasengittersteinen belegt ist. Wer Grundstücksflächen neu versiegelt, muss dies deshalb der Stadt melden. Wer dagegen eine Zisterne baut und das Regenwasser seines Daches sammelt, sollte dies ebenfalls melden, weil er dann weniger zahlt.
Gereinigt wird das Trossinger Abwasser in der eigenen Kläranlage Ost in der Talhauser Straße sowie zu einem kleineren Teil in der Kläranlage des Abwasserzweckverbandes oberer Neckar in Deißlingen. Wie Georg Mohr von den Stadtwerken berichtete, plant man im kommenden Jahr mit einem Trinkwasserbedarf von 797 000 Kubikmetern und einer Abwassermenge von 732 000 Kubikmetern. Die Betriebskosten liegen um 100 000 Euro höher als im Vorjahr, weshalb es 2026 zu einer Gebührenerhöhung kommen wird.
Muschel macht Probleme
Die Stadt bezieht das Wasser für 1,33 Euro pro Kubikmeter vom Zweckverband Baarwasserversorgung, im Vorjahr waren es noch 1,31 Euro. Auch das Bodenseewasser wird teurer werden, denn die vor zehn Jahren eingeschleppte Quagga-Muschel verstopft Filter und Rohre. Aus diesem Grund und um die Wassergewinnung allgemein abzusichern, plant die Bodenseewasserversorgung Investitionen von 4,6 Milliarden Euro. Unter anderem soll ein weiteres Wasserwerk mit neuer Entnahmeleitung entstehen. Bürgermeisterin Susanne Irion deutete an: „Wir überlegen uns, ob künftig mehr Wasser aus der Keckquelle beziehen“. Allerdings würde das weitere Investitionen nach sich ziehen: „Wir müssten dann aber eine Entkalkung vornehmen“. Die Bürgermeisterin sieht in der verstärkten Nutzung des Deißlinger Wassers einen Vorteil: „Das wäre auch redundant“ – man würde sich damit für den Fall eines Ausfalls der Bodenseewasserversorgung eine Absicherung schaffen.
Im Gemeinderat fragte Gerhard Brummer (OGL), ob denn Veränderungen bei der Flächenversiegelung kontrolliert werden. Bürgermeisterin Susanne Irion bejahte dies. Alle paar Jahre erhalte man Bilder aus einer Drohnenbefliegung. Jürgen Vosseler (CDU) hakte nach und wollte wissen, welche Maßnahmen die Stadt ergreife, wenn jemand Flächen versiegele, schließlich gebe es einschlägige Vorschriften. Die Bürgermeisterin erläuterte, dass zwischen Naturschutz und Kommunalabgabenrecht zu trennen sei. Wer Grundstücksflächen versiegle, müsse mit einer höheren Niederschlagsgebühr rechnen. Unabhängig davon gibt es noch das Verbot von Schottergärten in der Landesbauordnung und dem Landesnaturschutzgesetz.
Einstimmig billigte der Gemeinderat den Wirtschaftsplan für 2025, der bei der Abwasserentsorgung einen Verlust von 187 700 Euro vorsieht und bei der Trinkwasserversorgung von 78 200 Euro. Im Abwasserkanalnetz sind nächstes Jahr größere Sanierungen in der Theodor-Heuss-Straße, Litschlestraße, Türnenstraße und Zeppelinstraße vorgesehen. Für den Eigenbetrieb Wasser- und Abwasser entstehen der Stadt Personalkosten für einen Klärmeister (er ist auch für die Trinkwasserversorgung tätig), drei Klärwärter, eine Stelle in der technischen Verwaltung und eine Aushilfe.