Autor und Journalist Uwe Ritzer warnt vor den Folgen des Handels mit Wasser. Foto: Fotostudio-Rainer-Lentz

Der Journalist Uwe Ritzer hat sein Buch „Der Ausverkauf“ in Freiburg vorgestellt. Er stellt sich darin gegen das Vorgehen von Konzernen auf Kosten der Umwelt.

Ökologische Themen im Priesterseminar: Der vielfach ausgezeichnete Journalist und Autor Uwe Ritzer („Die Affäre Mollath“) stellte im Collegium Borromaeum in Freiburg auf Einladung der Katholischen Akademie sein neues Buch „Der Ausverkauf“ vor. Darin geht er der Frage nach, wie Wasser, Boden und Rohstoffe zunehmend zum Spielball von Konzernen werden und warum Klimaschutz nicht auf den Schultern Einzelner lasten darf. „Ich bin kein Aktivist, ich bin Journalist“, sagt Ritzer. „Aber im Kern geht es bei all dem um Gerechtigkeit.“

 

In seinem Buch beschreibt er, wie Konzerne aus der Ausbeutung von Lebensgrundlagen Profit schlagen. Wasser, Boden und Rohstoffe würden immer stärker ökonomisiert. „Wasser ist ein Allgemeingut“, betont Ritzer. „Doch es wird zulasten der Bevölkerung, kleiner Betriebe und der Umwelt ausgebeutet.“ Während in Süddeutschland Grundwasserstände sinken, sichern sich internationale Unternehmen Förderrechte und Gewinne. Wasser, so Ritzer, sei längst ein Spekulationsobjekt geworden.

Politik müsse aktiv werden

Dort sei vor allem die Politik gefragt. Zwar müsse jeder Einzelne Verantwortung übernehmen, doch die Vorstellung, private Konsumentscheidungen könnten den Klimawandel aufhalten, sei falsch. „Seit dem vermurksten Heizungsgesetz hat sich das Gefühl verbreitet, dass Klimapolitik vor allem Verzicht bedeutet. Das ist fatal“, sagt Ritzer. Statt moralischer Appelle fordert Ritzer strukturelle Veränderungen. Während Privatleute über Duschzeiten nachdenken, würden Wasserrechte, Landflächen und Rohstoffe in gigantischem Umfang verschoben.

Im neuen Buch von Uwe Ritzer dreht sich alles um den Rohstoff Wasser. Foto: Penguin Verlag

Der Autor nennt als Beispiele die Überlegungen bayerischer Politiker, Wasser aus dem Bodensee zur Versorgung Nordbayerns zu nutzen, oder die Konflikte um industrielle Wasserentnahmen für die Tesla-Fabrik in Brandenburg.

Ritzer prangert auch den verlauf von Boden an

Auch beim Thema Boden zeichnet Ritzer ein kritisches Bild. Flächen würden zunehmend zum Renditeobjekt globaler Investoren. Ein Beispiel: Der Kauf von 2400 Hektar Wald in Südthüringen durch die Schweizer Post AG für rund 70 Millionen Euro, ein Vielfaches des tatsächlichen Werts. „Damit frisieren Unternehmen ihre Ökobilanz, sichern sich die Rendite, die man mit Waldbesitz erwirtschaftet, und verdrängen lokale Interessenten“, sagt Ritzer. Wenn Boden zur Kapitalanlage werde, gehe es nicht mehr um Nachhaltigkeit, sondern um reine Gewinnmaximierung.

In seinem Vortrag spannte Ritzer den Bogen bis zur globalen Rohstoffwirtschaft. In der Schweiz, so seine Recherchen, sitzen einige der mächtigsten Rohstoffhändler der Welt. Ihre Flotten umfassen mehr Schiffe als die US-Marine, ihr Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt im Nachbarland übersteigt den von Banken oder Tourismus.

Ritzer nennt im Buch zehn Handlungsfelder

In Freiburg beließ Uwe Ritzer es jedoch nicht bei Kritik und düsteren Szenarien. Er benennt in seinem Buch vielmehr zehn Handlungsfelder, in denen Politik und Gesellschaft aktiv werden sollten und von einer fairen Wasserpreispolitik über den Schutz landwirtschaftlicher Flächen bis zur Reform der Bodenspekulation reichen. Positiv hebt er Initiativen wie „Kulturland“ hervor, die Geld für Bauern sammeln, um ökologische Landwirtschaft zu fördern.

Eine gerechtere Verteilung von Kosten und Nutzen sei zentral: „Wir müssen zu Gerechtigkeit kommen, und das wird nur über Geld funktionieren.“ Wasser müsse für Großverbraucher teurer werden, nicht für Haushalte, die ohnehin sparsam sind. Denn die ökologische Wende, so Ritzer, gelinge nur, wenn sie politisch mehrheitsfähig bleibe.

Uwe Ritzer: Der Ausverkauf – Wasser, Boden, Rohstoffe. Penguin Verlag, 240 Seiten, 23 Euro.