Sparsame Haushaltsgeräte sind in der Anschaffung oft teuer. Doch lohnt sich der höhere Kaufpreis, weil sie eine bessere Energieeffizienzklasse haben und auf lange Sicht weniger Strom verbrauchen? Daten zu Tausenden Produkten geben die Antwort – sie fällt nicht bei allen Gerätetypen gleich aus.
Vor dem Kauf eines Kühlschranks oder einer Waschmaschine recherchieren viele Menschen: Was kann das Gerät, wie teuer ist es? Auch das rote, gelbe oder grüne Energieeffizienzlabel sticht ins Auge. Es zeigt an, wie viel Strom ein Gerät verbraucht. Was es nicht zeigt: ob ein sparsames Gerät dank seiner Energieeffizienzklasse über die Lebensdauer günstiger ist als der billige Stromfresser.
Das Portal Testberichte.de hat für Tausende Haushaltsgeräte den durchschnittlichen Kaufpreis und den Stromverbrauch erfasst. Daraus haben wir die Gesamtkosten über eine Lebensdauer von 15 Jahren errechnet. So wird klar, bei welchem Gerätetyp welche Energieeffizienzklasse (EEK) wirtschaftlich ist. Verborgene Stromkosten werden so erstmals vergleichbar. Wir rechnen in Anlehnung an eine für das Bundeswirtschaftsministerium erstellte Analyse mit einem Strompreis von 40 Cent je Kilowattstunde.
Tiefkühler
Bei Gefriertruhen, Gefrierschränken und Gefrierboxen erfüllt keines der Geräte die Anforderungen der Energieeffizienzklassen A und B. Ein verhältnismäßig effizienter C-Tiefkühler kostet im Schnitt 768 Euro, eine G-Gefriertruhe 609 Euro Kaufpreis. Wegen des hohen Stromverbrauchs sind die Gesamtkosten dieser vermeintlich günstigen Gefriertruhe jedoch höher als bei allen anderen Energieeffizienzklassen. Über 15 Jahre frisst die wenig effiziente Gefriertruhe Strom im Wert von 2904 Euro, die C-Gefriertruhe hingegen nur 837 Euro.
Empfehlung: Möglichst effiziente Geräte (mindestens Klasse D) kaufen.
Kühl-Gefrierkombis
Auch eine Kühl-Gefrierkombination verbraucht relativ viel Strom, weshalb effiziente Geräte sich auf lange Sicht lohnen. Geräte in den Klassen A und B kosten in der Anschaffung durchschnittlich 1300 bis 1500 Euro. In 15 Jahren kommen rund 700 Euro Stromkosten dazu – bei den günstigen, aber ineffizienten Kühl-Gefrierkombinationen der Klassen F und G sind es 2000 Euro und mehr. Das macht den Vorteil der günstigeren Anschaffungskosten mehr als wett. In unserer Berechnung sind Geräte der Klasse C insgesamt am günstigsten, bieten aber womöglich auch weniger Funktionen. Hilfreich ist auch die Unterscheidung verschiedener Gerätearten. Klassische Kühlgefrierkombis mit separatem Kühl- und Gefrierabteil sind zwar nicht so schick oder opulent wie zweitürige Side-by-Side-Modelle. Dafür ist der Kaufpreis niedriger, und sie verbrauchen zudem durchweg weniger Strom.
Empfehlung: Mindestens Geräte der Energieeffizienzklasse C kaufen. Auch teurere Geräte lohnen sich dank der besseren Funktionen.
Waschmaschinen
Bei Waschmaschinen gilt die Faustregel: Bis zu 50 Prozent Aufpreis gegenüber dem günstigsten Gerät lohnen sich auf lange Sicht wegen des geringeren Stromverbrauchs. Die Gesamtkosten inklusive Strom sind gleich und das Gerät meist auch noch besser. Beispiel: Eine Maschine der Energieeffizienklasse A kostet im Schnitt 830 Euro, ein Gerät der Klasse F 475 Euro. Die Stromkosten der günstigen F-Waschmaschine sind über 15 Jahre jedoch fast doppelt so hoch wie die der effizientesten Klasse. Wer kann, sollte also etwas höhere Anschaffungskosten in Kauf nehmen. In der Klasse A streuen die Preise ziemlich stark. Bei den teuersten Geräten macht der niedrigere Verbrauch die hohen Anschaffungskosten nicht wett.
Empfehlung: Geräte der Klassen B und C sind insgesamt am günstigsten. Auch günstige Klasse-A-Geräte sind einen Blick wert.
Waschtrockner
Hier zeigt sich der größte Unterschied von Kaufpreis und Gesamtkosten. Effiziente Geräte gibt es nur wenige, und sie sind teuer: der einzige Waschtrockner der Energieeffizienzklasse A in der Datenbank kostet in der Anschaffung um die 2000 Euro, in Klasse F kostet ein durchschnittliches Gerät nur ein Drittel davon (659 Euro). Was man nicht sieht, sind die hohen Stromkosten: Fast 3000 Euro kommen bei günstigen, aber ineffizienten Geräten über 15 Jahre im Schnitt zusammen. Bei dem Klasse-A-Gerät sind es nur rund 1000 Euro.
Empfehlung: Geräte der Energieeffizienzklasse C liegen preislich im Mittelfeld. Damit macht man nichts falsch. Bei den Klassen D und E variieren die Preise stark, deshalb sollten Kaufinteressenten hier genau hinsehen. Alternative: der gute alte Wäscheständer.
Geschirrspüler
Bei Geschirrspülern sind die Anschaffungskosten eines Geräts der Effizienzklasse A mit durchschnittlich 1113 Euro dreimal so hoch wie die eines G-Geräts (339 Euro). Die Stromkosten von rund 30 Euro fallen hier eher wenig ins Gewicht. Wichtig ist allerdings das Fassungsvermögen. Kleine Tischgeräte verbrauchen relativ viel Strom.
Empfehlung: Geräte der Klassen F und G sind finanziell deutlich günstiger, halten aber womöglich nicht fünfzehn Jahre lang wie in unserer Rechnung angenommen.
Die meisten Kaufentscheidungen seien vom aktuellen Kontostand abhängig, sagt Tina Götsch vom Verband der regionalen Energie- und Klimaschutzagenturen Baden-Württemberg. Deshalb nähmen manche Verbraucher auf lange Sicht höhere Kosten in Kauf. Wer könne, solle aber lieber zum etwas teureren Gerät greifen. Unsere Auswertung zeigt, dass das insgesamt vielfach sogar günstiger ist, dazu kommt die meist bessere Qualität.
„Es gibt unserer Erfahrung nach eine eindeutige Korrelation zwischen höherem Preis und einer längeren Haltbarkeit der Geräte“, sagt Niels Genzmer, Sprecher von Testberichte.de: „Wer bei Haushaltsgroßgeräten billig kauft, kauft zweimal.“ In Energieeffizienzklasse C fänden sich immer auch relativ günstige Geräte, mit etwas Glück könne man auch in den Klassen A und B ein Schnäppchen machen.
Das sind die Energieeffizienzklassen A bis G laut BMWI
- Waschmaschine: Energieeffizienzklasse A bis G – Kriterien: Stromverbrauch, Wasserverbrauch, maximale Beladung im Eco-Modus, Geräuschemission, Dauer eines Waschgangs im Eco-Modus, Schleuderwirkungsklasse
- Waschtrockner: Energieeffizienzklasse A bis G – Kriterien: Energieverbrauch, maximale Beladung, Geräuschemission, Wasserverbrauch, Schleuderwirkungsklasse, Dauer eines Wasch- oder Trockengangs
- Kühl- oder Gefrierschrank: Energieeffizienzklasse A bis G – Kriterien: Stromverbrauch, Kühl- bzw. Gefriervolumen, Geräuschemission
- Geschirrspüler/Spülmaschine: Energieeffizienzklasse A bis G – Kriterien: Stromverbrauch, Wasserverbrauch, Standardbeladung, Geräuschemission, Dauer eines Trockengangs im Eco-Modus
- Fernseher und Monitore: Energieeffizienzklasse A bis G – Kriterien Stromverbrauch im aktiven Modus, sichtbare Bildschirmdiagonale, Auflösung
- Elektrische Lampen und Leuchten: Energieeffizienzklasse A bis G (ausgelaufen zum 1. März 2022: Energieeffizienzklasse A++ bis E)
- Elektrobacköfen: Energieeffizienzklasse A+++ bis D – Kriterien: Größe des Garraumes, durchschnittlicher Energieverbrauch pro Zyklus (Umluft oder konventionelle Beheizung)
- Dunstabzugshauben: Energieeffizienzklasse A++ bis D – Kriterien: jährlicher Stromverbrauch in kWh, Fettabscheidegrad, Geräuschentwicklung
- Heizgerät: Energieeffizienzklasse A+++ bis D – Kriterien: Energieeinsatz, Heizleistung, Geräuschentwicklung
- Warmwasserbereiter und -speicher Verbundanlage: Energieeffizienzklasse A+++ bis G, (Solar-) Warmwasserbereiter A bis G, Warmwasserspeicher A+ bis G – Kriterien: jährlicher Stromverbrauch, Geräuschentwicklung, Eignung für den ausschließlichen Betrieb zu Schwachlastzeiten
- Wohnraumlüftungsgeräte / Raumklimageräte: Energieeffizienzklasse A+++ bis G – Kriterien: Kühl- und Heizleistung, Geräuschentwicklung, Stromverbrauch bei 60 Minuten Volllastbetrieb
Größere Haushalte sparen leichter
Grundsätzlich, sagt Niels Genzmer, gebe es ein großes Interesse an sehr effizienten Geräten: „Über 50 Prozent unserer Nutzer schauen sich Geräte mit der Energieeffizienzklasse A an, hier ist das Interesse am größten.“
In den Nutzerdaten sieht er aber auch ein Preisbewusstsein: Bei Waschmaschinen betrachte die Mehrheit der Nutzer Geräte mit Anschaffungskosten zwischen 400 und 700 Euro.
Was die Energieeffizienzklasse aussagt
Standard
Die Energielabel werden seit den 1990er Jahren verpflichtend von Herstellern vergeben, wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt. Die Einordnung von Geräten in die Energieeffizienzklassen (EEK) erfolgt europaweit einheitlich anhand des Standard-Stromverbrauchs. Bei der Berechnung werden verschiedene Produktmerkmale berücksichtigt, etwa die Größe eines Geräts. Im zweiten Schritt ermittelt der Hersteller den jährlichen Stromverbrauch, der mit dem Standard in der jeweiligen Produktkategorie verglichen wird.
Eco-Programm
Die Angaben auf dem Energieeffizienzlabel bei Geschirrspülern und Waschmaschinen beziehen sich auf die Eco-Programme. Wer nicht diese, sondern andere Programme verwendet, nutzt die Stromsparpotenziale nicht aus. Kurzprogramme ziehen besonders viel Energie.