Wie umgehen mit auftauchenden Waschbären? Nach Sichtungen in Mühlheim gibt eine Anwohnerin aus dem Neckartal – genauer aus Aistaig – Tipps zum Umgang mit den „Bärchen“.
Es sind quasi „alte Bekannte“, die drolligen Tiere mit grauem Fell und den schwarzen Augenringen im Gesicht – Waschbären.
Die aus Nordamerika stammenden Allesfresser leben seit den 1960er-Jahren in Baden-Württemberg – und vermehren sich. In den vergangenen zehn Jahren habe ihre Population „spürbar zugenommen und damit begonnen, den menschlichen Lebensraum als ihren eigenen zu erobern“, erklärt Andrea Schmider vom Landratsamt Rottweil: Inzwischen seien die Waschbären hier heimisch geworden.
Über 203 000 tote Waschbären
Damit hat sie Recht. Denn gesichtet wurden zwei Exemplare auf einem nächtlichen Video in einem Mühlheimer Garten. Ihr Anliegen: An das Futter der aufgestellten Vogelhäuschen zu gelangen. Im März waren einige der meist nachtaktiven Raubtiere in Oberndorf an der Boller Steige gesichtet worden, auch in Aistaig wurden Artgenossen entdeckt.
Jungtiere dürfen ganzjährig, ausgewachsene Tier von 1. Juli bis 15. Februar gejagt werden. 2023 sind in Deutschland laut Wild-Jagdbericht mehr als 203 000 Waschbären getötet worden.
Treffen auf Terrasse
Laut Schmider habe es im Forstamt einige Anfragen gegeben – „ meist von Haus- und Gartenbesitzern, die Waschbären im Garten haben“, erläutert sie. Doch wie sehen das die Gartenbesitzer – entbrennt nun der Kampf zwischen Mensch und Tier?
Jemand, der die „Pelztiere von nebenan“ schon seit Jahren kennt, ist Beate Hollaender. „Sie kommen abends gelegentlich auf unsere Terrasse, wo sie sich friedlich mit unserem Kater treffen“, beschreibt die Aistaigerin das das Zusammenleben.
Impfung für Haustiere
Mittlerweile gebe es den gegenseitigen Kontakt schon seit acht Jahren! „In all diesen Jahren hatten wir keinerlei Probleme mit den ‚Bärchen‘“, betont sie. Weder hätten sie etwas zerstört noch sich aggressiv verhalten. „Wir erleben sie eher als zurückhaltende, neugierige Mitbewohner, die weder Schaden anrichten noch den Alltag stören“, kommt Hollaender auf die gut funktionierende Koexistenz zu sprechen.
Und hat aus dieser Erfahrung heraus auch mehrere Punkte für ein harmonisches Zusammenleben parat. Entscheidend sei, dass man die eigenen Haustiere impfe und auch vorbeugend gegen Parasiten behandele – für den Fall, dass in der Umgebung Wildtiere unterwegs seien.
Abschuss eher kontraproduktiv
Den „Futterentzug“, den das Landratsamt nahelegt, kann sie nur unterstützen. „Wir empfehlen, den Kompost abzudecken, Gelbe Säcke erst morgens an die Straße zu stellen und Fallobst einzusammeln“, rät Pressesprecherin Schmider. Auch Katzenfutter, das draußen stehe, sei für Waschbären höchst verlockend. „Außerdem ist es im Winter hilfreich, Meisenknödel so anzubringen, dass Waschbären sie nicht erreichen.“
Hollaender kann das nur vollauf bestätigen. „Biotonnen sollten gut verschlossen und nicht offen zugänglich sein, damit kein Futteranreiz entsteht“, stellt sie klar.
Die ersten Sichtungen vor Jahren habe sie damals gemeldet, erinnert sie sich. „Die Waschbären wurden abgeschossen“, beschreibt sie knapp die Folgen. Und das hatte Konsequenzen: „Ein Jahr später hatten wir eine sehr viel größere Population“, erläutert sie. Doch seitdem man nicht mehr eingreife, halte sich die Anzahl der „Bärchen“ in der Umgebung konstant.