Die Kleinbären sind längst im Kreis Calw verbreitet, wühlen in Gärten oder klettern gar aufs Dach. Der Wildtierbeauftragte gibt Tipps für den Schutz vor den Raubtieren. Und das ist nicht so einfach wie gedacht.
Waschbären wirken possierlich und erwecken einen harmlosen Eindruck. Doch die kleinen Raubtiere können schnell zum Störenfried werden, wenn sie Gartenbeete durchgraben oder in Mülltonnen wühlen.
Im Kreis Calw sind die Tiere mit der auffällig schwarzen, maskenartigen Zeichnung im Gesicht längst auf dem Vormarsch. Wir haben den Wildtierbeauftragten des Kreises, Mario Fürstenberg, gefragt, wie viele Waschbären durch den Kreis schlendern, wo sie sich bevorzugt aufhalten und wie man sich vor ihnen schützen sollte.
Nachwuchs bei der Kapfenhardter Mühle Der Experte schätzt, dass es aktuell fünf bis zehn Tiere im Kreisgebiet gibt. Aber: „Die Tendenz der weiteren Ausbreitung ist deutlich erkennbar.“ So hat es 2023 auch ersten Nachwuchs bei der Kapfenhardter Mühle gegeben.
Die Tiere, die ursprünglich aus Mittel- und Nordamerika stammen, „halten sich gern in Wassernähe auf“ – gerade die Nagold ist daher bei ihnen beliebt, erklärt der Fachmann. Doch die Erfahrungen Fürstenbergs zeigen, dass Waschbären auch nicht davor zurückschrecken, mitten in Ortschaften zu verweilen.
Seine ersten Fälle, bei denen der Wildtierbeauftragte zu Beratungen bei Bürgern war, waren im Bereich Calw und Hirsau. Und: „In den letzten zwei bis drei Jahren gab es weitere Meldungen beziehungsweise Beobachtungen aus Bad Liebenzell (Hindenburgstraße, mitten im Ort), Dennjächt, Unterreichenbach Kapfenhardter Mühle) und auch aus Oberlengenhardt.“
Vogelfütterungen geplündert Überwiegend gesichtet wird der Kleinbär in Gärten. Denn: „Der Waschbär liebt (reifes) Obst und wird auch auf Streuobstwiesen fündig.“ Da er ein sehr guter Kletterer ist, hat er auch im Kreis Calw schon mehrfach in Bäumen aufgehängte Vogelfütterungen zerstört und geplündert, erzählt Fürstenberg. „Immer wieder gräbt er auch in Gartenbeeten nach Knollen und/oder Schnecken und Würmern.“ Im Stadtzentrum von Bad Liebenzell, in der Hindenburgstraße, ist eines der Raubtiere im November 2022 sogar über ein aufgestelltes Baugerüst bis auf das Dach des Wohnhauses und später auf den Balkon geklettert. Der Wildtierbeauftragte konnte den Waschbär glücklicherweise am Tag drauf lebend fangen.
Einsatz von Lebendfallen Doch was kann man tun, dass Waschbären Haus und Garten möglichst meiden?
„Ein Schutz vor nächtlichen Waschbär-Besuchen ist sehr schwierig, er überwindet spielend Mauern, Gerüste und Zäune.“ Man sollte aber dafür sorgen, kein Obst unter den Bäumen zu belassen. Da der Kleinbär in der Nacht aktiv ist, ist es zudem wichtig, dass keine offenen Katzen- und Igelfutterstellen gefüllt sind.
Kehrt immer wieder zurück
Vergrämen – also die Tiere dauerhaft vertreiben – funktioniere nur sehr bedingt und so bleibt laut Fürstenberg als letzte Möglichkeit der Einsatz von Lebendfallen auf Privatgrundstücken.
Das Tier vom eigenen Garten fernzuhalten, ist demnach gar nicht so einfach: Auch „eine Zäunung von Blumenbeeten ist für den Waschbär kein Hindernis. Findet er in Gärten Futter/Nahrung, so kehrt er immer wieder zurück.“
Komplizierte Abläufe lernen Denn Waschbären lernen schnell und können sich komplizierte Handlungsabläufe merken: So greifen sie aus geöffneten Mülltonnen mit den Vorderpfoten ganz gezielt ihre Leckerbissen heraus.
Und sogar eingehängte Schlösser, zum Beispiel an Gartenlauben oder Holzschuppen, die nicht verschlossen sind, können Waschbären mit den Pfoten selbst öffnen, erklärt Fürstenberg.
Ökologisches Schadpotenzial Im Landkreis Calw hatte der Wildtierbeauftragte bislang rund 20 Bürgerberatungen im Zusammenhang mit dem Waschbär – seit 2022 ist die Tendenz steigend.
„Bisher ist noch kein Waschbär in Wohnungen/ Häuser gelangt. Immer wieder wird er aber in Schuppen, Brennholzlagern und offenen Carports entdeckt“, so der Fachmann.
Fotofalle ist hilfreich
Verletzungen von Haustieren sind ihm nicht bekannt, doch es „geht ein hohes ökologisches Schadpotenzial“ von ihm aus, da er Eier und Jungvögel, Amphibien und Reptilien sowie Muscheln frisst.
Wie kann man nun feststellen, dass ein Waschbär im eigenen Garten war? Durch gezielte Beobachtungen in der Dämmerung beziehungsweise Nacht, weiß der Fachmann. Und Fürstenberg hat noch einen Rat: „Hilfreich ist in jedem Fall eine Fotofalle (Wildkamera).“
Keine befüllten Futterstellen Auch wenn sich der Waschbär Fürstenberg zufolge im Landkreis künftig wohl weiter ausbreiten wird, liegt der Schwerpunkt seiner Bürgerberatungen vor Ort aktuell noch auf Fuchs, Marder und Dachs.
„Die Anzahl der Beratungen steigt stetig an, Marderschäden an Häusern, Dächern, Dachböden, Carports, Autos und Solaranlagen auf Hausdächern kommen in allen Städten und Gemeinden vor.“
Umso wichtiger ist es, auf offene, ganzjährig befüllte Futterstellen für Katzen und Igel zu verzichten: „Diese Futterstellen sind gut gemeint, aber sie locken zugleich auch immer mehr Wildtiere in den Wohn- und Siedlungsbereich.“