Die Stadtwerke Nagold gehen ab 18. März bei der Desinfektion des Trinkwassers neue Wege. Dennoch kann es zu Chlorgeruch an den Entnahmestellen kommen. Was ist dann zu beachten?
Nach Angaben der Stadt Nagold versorgen die kommunalen Stadtwerke sowohl das Stadtgebiet Nagolds als auch die Ortsteile Pfrondorf und Iselshausen mit selbst gewonnenem Trinkwasser. Dieses stammt aus dem Nagoldtal, hat also zum Teil lange Transportwege durch Leitungen und mehrere Hochbehälter hinter sich.
Bis dato wird, um die Qualität des Trinkwassers sicherzustellen eine so genannte Transportchlorung durchgeführt. Nun teilte die Stadt Nagold mit: „Ab dem 18. März wird ein neues Verfahren eingesetzt, das ohne die Verwendung klassischer Gefahrstoffe auskommt.“
Desinfektion mit Chlordioxid wird ersetzt
In einer Pressemitteilung erörtert die Stadt dazu Näheres: „Die neue Anlagentechnik erzeugt mittels Membranzellenelektrolyse aus Kochsalztabletten (Natriumchlorid) und Trinkwasser eine pH-neutrale Natriumhypochlorit-Lösung.“ Diese soll das bislang zur Desinfektion eingesetzte Chlordioxid beziehungsweise die zuvor verwendete Chlorbleichlauge ersetzen.
Die Herstellung des Desinfektionsmittels erfolge in Übereinstimmung mit der „Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren gemäß § 20 der Trinkwasserverordnung“, herausgegeben vom Umweltbundesamt (UBA).
Mit dem neuen Verfahren soll die Bildung „unerwünschter Desinfektionsnebenprodukte weitgehend minimiert“ werden. Solche Desinfektionsnebenprodukte können sein: Trihalogenmethane (THM), adsorbierbare organisch gebundene Halogene (AOX) sowie Chlorat und Chlorit.
Effektive Bekämpfung von Mikroorganismen und Biofilmen
Zu dem neuen Verfahren heißt es weiter: „Das eingesetzte pH-neutrale Desinfektionsmittel zeichnet sich durch eine hohe Wirksamkeit und Stabilität aus.“ Dadurch werde eine effektive Bekämpfung von Mikroorganismen und Biofilmen auch in entlegenen Bereichen des Leitungsnetzes gewährleistet.
Die Reduktion vorhandener Biofilme trage wesentlich dazu bei, die Vermehrung von Bakterien und sonstigen Keimen im Leitungssystem zu verhindern und somit die hygienische Sicherheit des Trinkwassers nachhaltig zu erhöhen.
Was ist zu tun bei Chlorgeruch?
Die Stadt geht auch auf das Thema ein, was bei verstärkt wahrnehmbarem Chlorgeruch zu tun ist. Denn: „Im Zuge des Abbaus vorhandener Biofilme kann es vereinzelt und zeitlich begrenzt zur Wahrnehmung eines Chlorgeruchs kommen.“
Unter Biofilmen versteht man organische Ablagerungen. Das Auftreten und die Intensität des Chlorgeruchs hängen laut Angaben der Stadt insbesondere von der Menge des vorhandenen Biofilms sowie vom jeweiligen Wasserverbrauch in dem betroffenen Leitungsabschnitt ab. Ganz wichtig: „Die hierbei ablaufenden Prozesse sind aus hygienischer und gesundheitlicher Sicht unbedenklich.“
Sollte an einer Entnahmestelle „vorübergehend Chlorgeruch“ wahrgenommen werden, wird von den Stadtwerken empfohlen, dort verstärkt Wasser zu entnehmen und gegebenenfalls eine Spülung durchzuführen, bis der Geruch abgeklungen ist.
Das ist bei installierten Wasserfiltern zu beachten
Sofern in der Hausinstallation Wasserfilter – etwa in der Küche oder unmittelbar nach dem Wasserzähler – installiert seien, sollten diese überprüft werden. „Ist der Filter mit einer Rückspülfunktion ausgestattet, wird eine Rückspülung empfohlen, um zurückgehaltene Partikel auszutragen.“ Verfüge der Filter über keine Rückspülfunktion, könne gegebenenfalls ein Austausch des Filters beziehungsweise der Filterkartusche erforderlich sein.
Nach Mitteilung der Stadt Nagold empfiehlt der „Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches“ einen halbjährlichen bis jährlichen Wechsel der Filterelemente. Weiter heißt es: „Bei Fragen hierzu steht Ihnen Ihr Sanitärinstallationsbetrieb beratend zur Seite.“
„Chlorgeruch stellt keine Gesundheitsgefährdung dar“
Abschließend wird von der Stadt Nagold explizit darauf hingewiesen, dass keinerlei Einschränkungen bei der Nutzung des Trinkwassers bestehen. „Die Wahrnehmung eines vorübergehenden Chlorgeruchs stellt keine Gesundheitsgefährdung dar und klingt in der Regel innerhalb kurzer Zeit ab.“
Eine regelmäßige Nutzung der betroffenen Entnahmestelle könne diesen Prozess zusätzlich beschleunigen.