Susanne Jacksch und Markus Egert gelang es, Wäschekeime mittels Metatranskriptomtechnologie zu untersuchen. Foto: HFU

Mit Keimen in Waschmaschinen und auf Wäsche beschäftigt sich seit Längerem ein Projektteam um Markus Egert an der Hochschule Furtwangen (HFU). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat diese Arbeiten jetzt zum "Projekt des Monats" gewählt.

Furtwangen - Jeder Deutsche wäscht mehr als fünf Kilogramm Wäsche pro Woche. Was viele dabei nicht wissen: Selbst frisch gewaschene Wäsche enthält immer noch deutliche Mengen an Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze. Kürzlich hat die Gruppe die erste Metatranskriptomstudie für gewaschene Wäsche veröffentlicht.

Trends wie zeitsparendes Waschen bei niedrigen Temperaturen, Wassersparprogramme und der Einsatz Bleiche-freier Flüssigwaschmittel begünstigen das Keimwachstum. Auch wenn Wäschekeime für gesunde Menschen vermutlich kein besonderes Gesundheitsrisiko darstellen, können sie unangenehm werden und zum Beispiel schlechten Geruch erzeugen.

"Man findet auf gewaschener Wäsche vor allem Wasserbakterien aus der Waschmaschine, aber auch nicht ausreichend inaktivierte Haut- und Umweltkeime, die von der dreckigen Wäsche stammen. Das ist auch durch Studien unserer Arbeitsgruppe mittlerweile gut bekannt", erläutert Studienleiter Egert, der Mikrobiologie und Hygiene lehrt. "Ein Mysterium ist aber nach wie vor, was diese Keime auf der Wäsche so treiben, zum Beispiel was sie fressen und was für Stoffwechselprodukte sie erzeugen." So genannte Metatranskriptomanalysen sind eine attraktive Möglichkeit herauszufinden, welche Stoffwechselprozesse in einer komplexen mikrobiellen Gemeinschaft ablaufen. Dazu wird messenger RNA (mRNA) aus den Proben extrahiert und sequenziert. Die meisten mRNAs enthalten Informationen für Enzyme, also Proteine, die den Stoffwechsel treiben und regulieren.

Für Lebensgemeinschaften mit vielen aktiven Mikroorganismen, wie den menschlichen Verdauungstrakt, sind solche Analysen schon gut etabliert. "Für gewaschene Wäsche hat diese Technologie bislang noch niemand gewagt. Die Herausforderung liegt in der Instabilität der mRNA und den relativ geringen Mengen, die auf gewaschener Wäsche vorkommen. Wir haben milde Waschbedingungen gewählt und die feuchten Textilien anschließend für 72 Stunden in der Maschine ›vergessen‹. So konnte am Ende genügend mRNA für diese Pilotstudie geerntet werden", erklärt der Professor. Im Rahmen der Studie wurden Textilproben aus Baumwolle und Polyester zwei Mal unabhängig voneinander mit getragener Wäsche in einer Haushaltswaschmaschine bei 30 Grad Celsius mit Flüssigwaschmittel gewaschen. Anschließend wurde nach Unterschieden in der bakteriellen Genexpression auf den verschiedenen Gewebetypen geschaut.

Förderung durch Bundesministerium für Bildung und Forschung

17 Gene wurden identifiziert, die sich signifikant in ihrer Expression zwischen Baumwolle und Polyester unterschieden. Darunter zwei, die der Gattung Moraxella zugeordnet wurden, zu der das "Stinkerbakterium" Moraxella osloensis gehört.

Einige der Gene stehen in Zusammenhang mit dem bakteriellen Kohlenhydratstoffwechsel. Dies lässt vermuten, dass die feuchten Textilen selber den Bakterien als Nahrung dienen könnten. Baumwolle besteht aus Cellulose, die wiederum aus Glucose-, also Zuckereinheiten aufgebaut ist. Polyester dagegen ist ein schwer abbaubarer Kunststoff. "Wir wollen die neue Technologie nun für größere Folgestudien einsetzen, um noch mehr darüber zu erfahren, was die Keime auf der Wäsche so treiben und wie man ihr Verhalten unter hygienischen Gesichtspunkten optimieren kann. Dazu muss man sie ja nicht gleich töten. Sie zu ›überreden‹ mit dem Stinken aufzuhören, wäre schon ein großer Erfolg", fasst Egert zusammen.

Die neue Studie wurde durch ein Forscherteam der Hochschule Furtwangen, der Universität Gießen und der Henkel AG & Co. KGaA, Düsseldorf, erstellt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert

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