Folgenschwere Unfälle, verheerende Brände, Gewaltverbrechen, Prozesse: Erinnerung an einige Ereignisse, welche die Menschen im Raum Hechingen im Jahr 2025 bewegt haben.
„Da ist man auch als Bürgermeister mal sprachlos“, sagte Roman Waizenegger am Abend des 16. September während einer Gedenkminute im Bisinger Gemeinderat. „Das Leben ist lebenswert. Der kleine Junge kann das Leben, das für ihn vorgesehen war, nicht mehr leben.“
Trauer um den kleinen Milan
Der kleine Junge, den Waizenegger meinte, ist der achtjährige Milan aus Zimmern, der vier Tage vorher von seinem Vater getötet worden war – bevor dieser sich selbst das Leben nahm. Die Familientragödie aus dem Kirchspiel war eines der Ereignisse, die die Menschen im Zollernalbkreis im zu Ende gehenden Jahr 2025 am meisten erschütterten: Wie kann ein Vater so etwas tun?
Über den Tathergang hüllten sich die Ermittler in Schweigen. Bekannt wurde lediglich, dass der 42-jährige Vater und das achtjährige Kind am Nachmittag des 12. September tot in der Wohnung des Vaters aufgefunden worden waren. Von der Mutter des Kindes lebte der Mann getrennt. Beziehungsprobleme standen mutmaßlich im Hintergrund der Verzweiflungstat.
Der erweiterte Suizid von Zimmern löste eine Welle von Mitgefühl aus. Unter dem Titel „Fly high, kleiner Milan“ sammelten Freunde der Familie Spenden für das Begräbnis des Jungen, der bei seinen Klassenkameraden so beliebt war, sie mit seinen Grimassen zum Lachen brachte und so gerne Pokémon-Karten tauschte. „Milan soll noch einmal um die Welt fliegen“, hieß es im Spendenaufruf, der letztlich 11 600 Euro einbrachte.
Zwei Familien ohne Obdach
Große Not, tiefes Mitgefühl: Das gilt auch für zwei Familien aus dem Kirchspiel, die in diesem Jahr durch Brände ihr Haus verloren. Eine der großen Feuersbrünste brach am frühen Abend des 21. Septembers an der Wessinger „Steig“ aus. Ein Fachwerkhaus stand lichterloh in Flammen. Sachschaden: 750 000 Euro. Drei Bewohner der abgebrannten Doppelhaushälfte konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Riesig war anschließend die Hilfsbereitschaft: Bei einer Online-Spendenaktion zugunsten der Familie kamen annähernd 40 000 Euro zusammen.
Mehr als 30 000 Euro sammelten Mitbürger für eine Grosselfinger Familie, deren Haus in der Bruderschaftsstraße am 11. Februar ein Raub der Flammen wurde. Die sofort ins Leben gerufene Spendenaktion zeigte, dass auch in Grosselfingen der Solidargedanke noch lebt. Das alte Haus im Ortskern war freilich nicht zu retten.
Bitter auch die Bilanz eines Großfeuers, das in der Nacht zum 15. Dezember auf einem Weilheimer Bauernhof ausbrach: 23 Rinder starben in den Flammen, die außerdem einen sechsstelligen Sachschaden anrichteten. Durch den nächtlichen Großeinsatz von 130 Rettungskräften gelang es immerhin, mehr als 75 Rinder aus dem Stall zu retten.
Massenkarambolage auf B27
Eine Massenkarambolage, wie sie selbst erfahrene Hechinger Feuerwehrleute noch nie gesehen haben, ereignete sich am Morgen des 15. Januar 2025 auf der B 27. Blitzeis war dafür verantwortlich, dass zwischen Hechingen-Nord und -Mitte auf einer Länge von einem Kilometer 21 Fahrzeuge ineinander rauschten. „Die Straße war so spiegelglatt, dass man kaum laufen konnte“, sagte Marco Renner, der Leiter des Polizeireviers Hechingen, am Ort der Unfallserie. Die von Trümmern übersäte Fahrbahn musste stundenlang gesperrt werden. Der Sachschaden summierte sich auf rund 500.000 Euro, weil einige hochwertige E-Autos unter den Unfallfahrzeugen waren. Zum Glück wurden nur zwei Autofahrer leicht verletzt.
Tragischer waren die Folgen eines Unfalls, der sich am 8. März auf der B 463 hinter Haigerloch ereignete. Der heftige Zusammenstoß zwischen einem Ford Mustang und einem Familien-Van forderte drei Menschenleben. „Noch nie in meinem Leben habe ich so einen lauten Knall gehört“, berichtete eine Frau, die ganz in der Nähe joggte. Ursache der Kollision war ein Überholmanöver des Sportwagenfahrers, der die Kontrolle über sein Auto verlor, auf die Gegenfahrbahn geriet und frontal in den entgegenkommenden Ford Tourneo krachte. Dessen Fahrer sowie zwei Mitfahrer starben. Zwei weitere Insassen im Van sowie die Beifahrerin im Mustang wurden schwer verletzt. Der 33-jährige Mustang-Fahrer wird sich im kommenden Frühjahr wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung vor dem Balinger Amtsgericht verantworten müssen.
Gleiter-Tandem stürzt ab
Ohne Todesfolge blieb zum Glück der Absturz eines Gleitschirmflieger-Tandems am 20. September im Rahmen einer Benefizveranstaltung oberhalb von Hausen im Killertal. Der 63-jährige Pilot und sein 40-jähriger Passagier zogen sich aber schwere Verletzungen zu. Einer der Männer musste mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden. In etwa zehn Meter Höhe hatte sich laut Polizei die Kupplung zwischen Gleitschirm und Seil gelöst. Die Ermittlungen zur genauen Unfallursache übernahm das Luftfahrtbundesamt.
Ob dieser Fall die Hechinger Gerichte je beschäftigen wird, bleibt abzuwarten. Einige spektakuläre Prozesse, die in der Heiligkreuzstraße verhandelt wurden, haben jedoch 2025 Schlagzeilen geschrieben. Vorneweg die Verhandlung gegen eine 35-jährige Frau aus Albstadt, die ihr neugeborenes Baby in der Waschmaschine versteckte und so dessen tragischen Tod herbeiführte – als ihr nichts ahnender Mann die Maschine startete. Die Frau wurde zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt – und legte Revision ein. Sie behauptet, von ihrer Schwangerschaft nichts bemerkt zu haben.
Überregionale Beachtung fand auch das Verfahren gegen zwei Geflüchtete aus der Ukraine, die vor ihrer Unterkunft in Gauselfingen rumänische Bauarbeiter erst mit dem Auto, dann mit Schlagwerkzeugen attackiert hatten. Die von der Staatsanwaltschaft erkannte Tötungsabsicht ließ sich im Prozess nicht nachweisen. Statt lebenslanger Haft wegen versuchten Mordes verhängte die Große Jugendkammer des Landgerichts Haftstrafen von 14 beziehungsweise 16 Monaten gegen die beiden beschuldigten Brüder.
Der grapschende Fahrlehrer
Gar als freier Mann verließ den Hechinger Schwurgerichtssaal ein 42-jähriger Fahrlehrer aus dem Raum Sigmaringen. Der Mann, der mehrere Fahrschülerinnen begrapscht und sexuell belästigt hatte, kam mit einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten davon. Vergewaltigungen waren ihm nicht nachzuweisen.
Prozess nicht beendet
Noch nicht beendet ist der langwierigste und am massivsten gesicherte Prozess des Jahres: Sieben junge Männer aus Bisingen und dem Steinlachtal stehen in Hechingen wegen erpresserischen Menschenraubes vor Gericht. Sie sollen einen 16-Jährigen, der ihnen Geld aus Drogengeschäften schuldete, tagelang gefangen gehalten und immer wieder brutal misshandelt und mit dem Tode bedroht haben. Tatorte waren Mössingen, Bisingen und Stetten/Haigerloch. Obwohl einige der Angeklagte ihren Tatbeitrag schon gestanden haben, zieht sich die Hauptverhandlung bis ins neue Jahr hinein.
Keine Naturkatastrophen
Schließen wir den Rückblick auf Verbrechen, Tragödien, Unfälle und Brände mit einer guten Nachricht: Von Stürmen, Überschwemmungen, Erdbeben oder anderen Naturkatastrophen ist die Zollernalb 2025 trotz erkennbaren Klimawandels immerhin verschont geblieben.