Viele Kommunen kämpfen mit der Finanzierung ihrer Aufgaben. Bürgermeister Ralf Pahlow schildert die Schwerpunkte für die Gemeinde Tuningen im Jahr 2026.
Der Haushalt der Gemeinde legt die Schwerpunkte der Investitionen fest. Das Budget für dieses Jahr ist beschlossen. Angesichts der angespannten Lage andernorts äußert sich Bürgermeister Ralf Pahlow zur finanziellen Situation in Tuningen ganz zufrieden. „Der Haushalt 2026 ist mit einem Minus von 360 000 Euro zwar nicht ausgeglichen, aber wir müssen keine Kredite aufnehmen.“
Schon frühzeitig – im vergangenen Sommer – habe man die Haushaltsberatungen vorbereitet. In einer Klausurtagung des Gemeinderates sei dann eine Strategie entwickelt worden, in welchen Bereichen man angesichts knapperer Kassen Schwerpunkte für Investitionen sieht. „Wir dürfen die Weiterentwicklung der Gemeinde nicht aus den Augen verlieren“, sagt Ralf Pahlow.
Wichtig für Tuningen sei die Erschließung des neuen Gewerbegebietes Kalkhof 2 auf einer Fläche von 2,2 Hektar. Dieses Gebiet solle einheimischen Betrieben vorbehalten bleiben. „Tuningen ist eine der am stärksten überbauten Gemeinden. Die Gemarkungsfläche ist durchzogen von Verkehrsadern.“ Daher müsse die Gemeinde sorgsam mit Gewerbeflächen umgehen, schildert der Bürgermeister.
Neues Gewerbegebiet
Ralf Pahlow will in diesem Jahr verstärkt auf Gewerbebetriebe in der Gemeinde zugehen – auch um über Kalkhof 2 zu berichten. „Die Wirtschaftslage derzeit ist nicht einfach, das merken alle.“ Die Einnahmen der Gemeinde aus der Gewerbesteuer gestalteten sich nach wie vor stabil. Angesichts der Gesamtsituation habe der Gemeinderat von einer Erhöhung der Gewerbesteuer abgesehen.
Auf der Ausgabeliste steht die Anschaffung eines neues Feuerwehrfahrzeuges. Da helfe das Geld, das auch Tuningen aus dem Sondervermögen des Bundes erhält. Außerdem müssten zwei Feldwege mit Dauerschäden gerichtet werden. Der Unterhalt von Straßen und Kanälen sei ein Dauerthema. Da ist man seitens der Gemeinde immer auf der Suche nach Förderungen, die den Eigenanteil eindämmen helfen. „In den vergangenen Jahren haben wir erhebliche Förderungen insbesondere für Wohnungsbau und Sanierungen erhalten.“
Auf der Wunschliste des Bürgermeisters für die Gemeinde steht ein Begegnungs- und Bürgerzentrum. „Wir brauchen einen Platz und eine Finanzplanung.“ Als großes Problem sieht er, dass es in Tuningen keine Gastronomie „im eigentlichen Sinne“ mehr gebe, seitdem der Gasthof Kreuz zu gemacht habe. Darauf habe die Gemeinde allerdings wenig Einfluss. Ob sich eine MacDonalds-Filiale ansiedeln könne, werde die Zukunft weisen. Der Antrag ist gestellt. Letztlich hänge die Frage des Ob vom Verkehrsgutachten ab. Wegen der Tankstelle sei dort sowieso schon viel los. „Der Gemeinderat ist grundsätzlich dafür, aber das heißt noch nicht, dass dort sicher ein Mcdonald’s hinkommt.“
Kommt McDonald’s?
Der Gemeinderat fordere Personaleinsparungen durch mehr Digitalisierung und der Nutzung Künstlicher Intelligenz. Diese Forderung sieht Pahlow skeptisch, weil gleichzeitig die Aufgaben wüchsen und die Gemeindeverwaltung bereits schlank aufgestellt sei. „Die Mitarbeiter sind gut ausgelastet.“ 14 Beschäftigte sind hier tätig, Teilzeitarbeitende inklusive.
Die kommunale Wärmeplanung ist eine gesetzliche Aufgabe, die auch für Tuningen vorgelegt werden muss. „Die Potenziale sind erkannt, wo sich ein Wärmenetz lohnen könnte“, berichtet Pahlow. Auf der Gemarkung gebe es beispielsweise drei große Biogasbauern, die Wärme abgeben könnten. „Es ist eine spannende Aufgabe, ob ein Nahwärmenetz in Tuningen entstehen wird.“ Die Frage der Wirtschaftlichkeit stehe dabei im Vordergrund.
Der Jugendtreff Hasen sei geschlossen. Die Stelle des Jugendreferenten werde die Gemeinde in diesem Jahr nicht wiederbesetzen. „Wir hatten zuletzt eine sehr niedrige Nachfrage seitens der Jugendlichen“, berichtet Pahlow. Außerdem ziehe nach der Pandemie die Vereinsarbeit wieder an. Daher sieht er im Moment einen geringen Bedarf für offene Jugendarbeit. Trotzdem werde der Jugendtreff nicht umgenutzt und stehe beispielsweise für Geburtstagsfeiern zu Verfügung.
Jugendtreff ist geschlossen
Der Bürgermeister ist froh, dass die Grundschule inzwischen so erweitert ist, dass die Kapazität für einen dreizügigen Betrieb ausreicht. Auch der gesetzliche Anspruch auf Ganztagsgrundschule könne man so erfüllen. „Nach den derzeitigen Planungen reicht’s so gerade“, sagt Ralf Pahlow.
Aktuelle Informationen seitens der Gemeinde gibt es zweimal im Jahr auf Bürgerinfo-Veranstaltungen. Die Resonanz ist je nach Themenlage unterschiedlich. Diejenigen, die kommen, nutzen die Möglichkeit oft rege, ihre Fragen zu stellen. „Das Format ist eine gute Sache“, ist die Erfahrung von Ralf Pahlow.