Elektrische Zigaretten sind bei jungen Menschen beliebt. Das Gesundheitsrisiko ist mitunter weniger bekannt. Hier raucht der Student Georg Zafirov auf einem Balkon. Foto: Hannah Schedler

Vapes sind besonders bei jungen Leuten beliebt. Doch sind sie gesünder als herkömmliche Zigaretten? Was Experten aus Donaueschingen dazu sagen.

Donaueschingen – Sie sind klein, handlich, bunt und es gibt sie in vielen Geschmacksrichtungen von Kirsche bis Kuchen. Insbesondere bei Jugendlichen sind sie beliebt. Es geht um elektrische Einweg-Zigaretten.

 

E-Zigaretten verbrennen keinen Tabak, sondern verdampfen eine aromatisierte Flüssigkeit, genannt Liquid. Bislang üblich sind elektronische Verdampfer, die mit Liquid befüllt und wiederverwendet werden können. Doch mittlerweile werden alternative Wegwerf-Artikel, die nach rund 600 Zügen zum Elektroschrott werden, zum Verkaufsschlager.

Auf den Geschmack gekommen

Von herkömmlichen Zigaretten ist Lisa Meisler auf Vapes umgestiegen: "Ich habe früher Menthol-Zigaretten geraucht, doch als diese in Deutschland abgeschafft wurden und ich nicht immer in der Schweiz kaufen wollte, habe ich für ein halbes Jahr ganz aufgehört, weil mir normale Zigaretten nicht schmecken", erzählt sie. Dann habe ihr eine Freundin Vapes gezeigt, und sie sei gleich auf den Geschmack gekommen. Dass Vapes besser als Zigaretten seien, würde sie nicht behaupten – vor allem nicht aus ökologischer Sicht, da sie Einweg-Artikel sind und zudem oft falsch recycelt würden.

"Mir ist auch aufgefallen, dass sogar viele, die vorher gar nicht geraucht haben, nun auch angefangen haben, zu vapen", sagt die 27-Jährige. Bisher habe jede Person aus ihrem Freundeskreis, welche die Vapes probiert habe, diese auch für gut befunden. Positiv finde sie ebenso, dass man den Rauch kaum rieche. Das führe aber dazu, dass man wieder öfter in geschlossenen Räumen rauche, statt nach draußen zu gehen, was wiederum die Gefahr berge, öfter zu rauchen. "Ich denke schon, dass Vapes bei manchen Leuten normale Zigaretten ersetzen werden. Ob es jedoch gesünder, billiger oder ökologischer im Vergleich zu normalen Zigaretten ist, ist fraglich. Ich bin deshalb gespannt darauf, wie sich dieser Trend noch weiter entwickeln wird", so die junge Erwachsene.

Gesundheitliche Folgen

Dabei kann der Trend auch gesundheitliche Folgen haben: Vaping könne entzündliche Lungenschädigungen verursachen, wie etwa Lungenblutungen und Lungenbläschenentzündungen, erklärt Hinrich Bremer, Leiter des MVZ Pneumologie und Lungenzentrum in Donaueschingen. Dabei werde das Vaping auch in Zusammenhang mit chronischen Lungenerkrankungen und Asthma gebracht. Zwar sei das Ausmaß der gesundheitsschädlichen Stoffe, mit denen der Raucher in Kontakt komme, etwas geringer, erklärt der Lungenexperte. "Trotzdem inhaliert man beim Vaping aber jede Menge giftiger Chemikalien", stellt er klar. Zudem sei häufig unklar, welche Stoffe in den Liquids enthalten sind. So gebe es einen Schwarzmarkt bei unseriösen Quellen. "Besonders kritisch sind Produkte zu bewerten, die zudem THC (Tetrahydrocannabinol), ein Wirkstoff aus Hanf-Pflanzen, enthalten", warnt er.

"Auch Vaping und E-Zigaretten machen abhängig"

Der Lungenarzt erklärt, dass Vaping oder E-Zigaretten nicht dazu geeignet seien, mit dem Rauchen von Tabak aufzuhören. "Denn auch Vaping und E-Zigaretten machen abhängig und sind sehr gesundheitsschädlich." Die Folgen seien schon sichtbar: Im Lungenzentrum des Schwarzwald-Baar-Klinikums behandle er immer wieder Patienten, die an den Folgen von Vaping leiden. Jene Patienten müssten teilweise sogar mit Lungenblutungen stationär aufgenommen werden.

Vapes hätten Suchtpotenzial: Sie seien meist mit Nikotin befüllt und enthielten zwischen 16 und 20 Milligramm Nikotin. Dies entspreche circa einer Packung Zigaretten, erklärt Pia Wenzler von der Fachstelle Sucht in Villingen-Schwenningen, die auch für Donaueschingen zuständig ist. "Somit wird über den Konsum von Vapes der Suchtstoff Nikotin aufgenommen, welcher bekanntermaßen ein hohes Suchtpotential hat und Entzugserscheinungen auslöst", so die Sozialpädagogin. Zudem hätten Studien erwiesen, dass die enthaltenen Aromazusätze gesundheitsschädliche Stoffe enthalten könnten. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen betone ferner, dass Kurz- und Langzeitfolgen des Konsums nicht ausreichend erforscht seien.

Gefahr einer Verharmlosung des Rauchens

"Darüber hinaus besteht durch den Vape-Trend die Gefahr einer Verharmlosung des Rauchens sowie das Erlernen des Rituals des Rauchens", sagt Wenzler. Somit können Vapes womöglich einen Einstieg in den nachweislich krebserregenden Tabakkonsum bedeuten. Das Design der Vapes sei sehr ansprechend, sie sähen vermeintlich harmlos und attraktiv aus.

Doch warum sind Vapes so beliebt bei Jugendlichen? "In den sozialen Medien wird der Trend verbreitet. Neugierde auf Neues, cool sein und dazugehören sind seit jeher entscheidende Konsum-Motive im Jugendalter", sagt Wenzler. Vapes fallen unter das Jugendschutzgesetz (Paragraph 10 Jugendschutzgesetz), welches ein Verbot für Kinder und Jugendliche (bis 18 Jahre) vorgibt. Trotzdem: "Der Probierkonsum unter Jugendlichen ist dennoch hoch. Der medial erzeugte Trend des Vapens ist somit aus unserer Sicht alles andere als harmlos", betont Pia Wenzler.

Info: Verkaufszahlen

E-Zigaretten: Nach Schätzungen des E-Zigaretten-Handelsverbandes belief sich der Umsatz mit E-Zigaretten bis 2022 auf rund 300 Millionen Euro. Nachdem der Umsatz mit dem entsprechenden Zubehör seit dem bisherigen 550 Millionen Euro-Höchststand im Jahr 2018 rückläufig war, wird in diesem Jahr mit einem weiteren Anstieg gerechnet, erklärt das Portal Statista.

Tabak: Der Absatz in Deutschland ist seit der Jahrtausendwende rückläufig. Ein Grund für den Rückgang des Tabakkonsums liegt in den steigenden Preisen. Allein zwischen 2002 und 2007 wurde die Tabaksteuer verfünffacht. Etwa 50 Prozent des Zigarettenpreises werden über die Tabaksteuer an den deutschen Fiskus abgeführt.