S’ goht degege! An Dreikönig startet die Schwäbisch-Alemannische Fastnacht. Ist Corona komplett vergessen? Und was hat sich bei den Narren verändert?
Oberndorf - Am Dreikönigstag ist für die schwäbisch-alemannischen Narren traditionell Auftakt zur Fastnacht, andere sind bereits am 11.11. gestartet. Nach zwei Jahren fast kompletter Pause oder mit großen Einschränkungen wegen Corona dürfen die Narren wieder unbeschwert feiern. Die Verantwortlichen in den Zünften haben die Planungen abgeschlossen. Aber wie sieht es bei den Narren dieses Jahr aus, wie ist die Stimmung? Ein Überblick.
Wie wird die Fastnacht dieses Jahr laufen?
Ziemlich so wie vor Corona, hört man fast überall in der Region. Umzüge, Narrenabende, Brauchtumspflege: All das wird – Stand heute – uneingeschränkt und ohne Corona-Masken möglich sein. Allerdings haben viele Zünfte vorsichtiger als früher geplant und sie rechnen auch mit spitzerem Bleistift, welche Veranstaltungen sich wirtschaftlich lohnen – und welche nicht.
Erwarten die Narrenfunktionäre Einschränkungen?
Nein. Aus den zuständigen Ministerien sei zu hören, dass da nichts mehr zu erwarten sei, berichten Funktionäre, die in Kontakt mit Stuttgart stehen. Noch 2022 hatte es seitenlange Vorgaben aus dem Sozialministerium für die Narrenvereine gegeben. Sogar im Freien, bei Umzügen, wurden FFP2-Masken vorgeschrieben.
Also alles so wie immer?
Nicht ganz. "Die Pandemie hat in den Vereinen schon Spuren hinterlassen", berichtet Roland Wehrle als Präsident von rund 17 000 Narren der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Gerade kleinere Verbände hätten Treffen abgesagt, weil schlicht die personellen Kapazitäten, sprich: Helfer, fehlten. Viele Gruppen würden sich zudem auf die Fastnacht im eigenen Dorf besinnen und lieber zu Hause feiern, statt in viele andere Orte zu pendeln, wie in früheren Jahren.
Sind die Mitgliederzahlen in den Zünften stabil?
Ja. Von größeren Veränderungen habe er noch nichts vernommen, erklärt der VSAN-Präsident.
Wie ist die Motivation der organisierten Narren?
Insgesamt sehr gut, schätzt Wehrle. "Die meisten brennen darauf, wieder richtig Fastnacht machen zu können". In den Zünften spüre man aber, dass man Mitglieder zu Arbeitseinsätzen & Co. wieder stärker motivieren und ansprechen muss. Ganz so eifrig sei nicht mehr jeder bei der Sache.
Und die Ukraine?
Ist bei den Narren im Hinterkopf, aber auch dieses Jahr kein Hinderungsgrund. Das eine Mal, als der Golfkrieg 1991 die Fastnacht jäh zu Fall brachte, steckt den Narren auch nach mehr als 30 Jahren noch immer in den Knochen. "Wir feiern hier unser heimisches Brauchtum, das es seit oft vielen Jahrhunderten gibt. Wäre Krieg ein Grund, das ausfallen zu lassen, dürften wir nie feiern. Es gibt immer irgendwo auf der Welt Kriege", sagt Wehrle. Aber natürlich würden sich die Narrenvereine solidarisch zeigen und hätten das 2022 mit vielen Aktionen bewiesen.
Warum sind Narren aus Baden-Württemberg dieses Jahr beim Rosenmontagsumzug in Köln dabei?
Das ist eine Solidaritätsaktion. Der Rheinische Karneval und die Schwäbisch-Alemannische Fastnacht würden zusammenrücken, um auf die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit zu schaffen. "Wir feiern mit der absolut gleichen Emotionalität", sagt Wehrle.
2024 steht der VSAN ein großes Jubiläum ins Haus. Was ist geplant?
100 Jahre organisiertes Narrenbrauchtum als Vereinigung sollen mit gleich vier Ausstellungen gefeiert werden, kündigt der Präsident an. Diese werden in Rottenburg, Konstanz, Offenburg und Weingarten zu sehen sein.
Wie lange steht Roland Wehrle noch an der Spitze?
"Noch bis Januar 2025", sagt der 74-Jährige. 27 Jahre ist der Furtwanger bereits VSAN-Präsident, seit vier Jahrzehnten im Präsidium. Die Suche nach einem Nachfolger starte frühzeitig, sagt Wehrle.
Die Vereinigung VSAN
68 Mitgliedszünfte und sieben Gastzünfte gehören zur Vereinigung Schwabisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Ihr Gebiet reicht von Wangen im Allgäu bis nach Offenburg und vom Hochrhein bis nach Stuttgart-Bad Cannstatt. Rund 70 000 Mitglieder sind in der Vereinigung organisiert.
Die Narrenschelle
Dieses Jahr geht die höchste Auszeichnung der VSAN, die Goldene Narrenschelle, an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Er bekommt sie am 7. Februar im Europa-Park in Rust.
Die Narrentreffen
Die großen Treffen der einzelnen VSAN-Landschaften finden dieses Jahr in Tuttlingen-Möhringen (21./22. Januar), Tettnang (28./29. Januar), Sigmaringen (4./5. Februar) und Waldshut-Tiengen (11./12. Februar) statt. Dort wird es jeweils wieder große Umzüge an den Sonntagen geben.