Blick durch die Scheibe des Fahrzeug der Ermittler: Die Wohnung in Eutingen, in der das Verbrechen geschehen ist. Die Kriminaltechnik war am Dienstag, 26. Mai, für Nachuntersuchungen vor Ort. Foto: Jürgen Lück

Die wichtigsten Fragen zum Verbrechen, das Eutingen erschüttert. Warum hat eine 48-jährige ihren Ex (52) getötet?

Die Nachbarn sind erschüttert. Am Pfingstsamstag soll eine 48-Jährige ihren Ex-Freund (52) in Eutingen mit einem Messer getötet haben.

 

Unsere Redaktion klärt die wichtigsten Fragen.

Gab es vor der Tat einen Streit? Die Prismengärten. Eine Anlage von Neubau-Gebäuden mit Tiefgarage. Wer will, kennt den Nachbarn. So auch hier. Direkte Anwohner sagen: „Was uns wundert: Wir haben nichts von einem Streit mitbekommen. Wir haben nichts gehört, obwohl wir da waren.“

Kommen andere Szenarien in Frage? Polizeisprecher Benjamin Koch: „Derzeit haben wir keine verdichtenden Hinweise darauf, dass das Opfer möglicherweise zur unmittelbaren Tatzeit geschlafen haben könnte.“ Der Haftrichter verhängte einen Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts des Totschlags und setzte diesen in Vollzug. Seitdem sitzt die Frau in Untersuchungshaft.

Was die Uhrzeit des Verbrechens verrät

Auch die Uhrzeit macht dieses Szenario eher unwahrscheinlich. Polizeisprecher Koch: „Der Notruf ging bei der Führungs- und Legezentrale des Polizeipräsidiums Pforzheim nach 23.30 Uhr ein. Wenige Minuten später war bereits die erste Funkstreifenbesatzung am Tatort.“

Wie war der Tatablauf und an welchen Verletzungen starb der Mann? Polizeisprecher Koch: „Die Rechtsmedizin wird insbesondere die Todesursache und die Verletzungsmuster bei dem Opfer untersuchen und ein Gutachten erstellen. Diese Informationen werden beispielsweise mit den Feststellungen der Kriminaltechnik letztendlich zu bewerten sein.“

Nach der Trennung von seiner Ex-Freundin ist der Mann im Februar nach Eutingen gezogen, so die Nachbarn. Seine Arbeit – offenbar keine Schichttätigkeit. Nachbarn beobachteten, wie er morgens mit seinem Auto wegfuhr und abends wieder zurückkam.

Nachbarn beschreiben den Mann als eher zurückgezogen, zugleich aber als freundlich und höflich. Einer der Nachbarn sagt, dass er nach der Trennung die Wohnung in Eutingen bezogen habe.

Dort soll er auch Besuch von seinen Freunden bekommen haben, erzählen die Nachbarn. Sie zeichnen das Bild eines frisch getrennten Mannes, der sein ganz normales Leben weiter lebt. Nur an einem anderen Ort.

Ermittlungen laufen in Eutingen auf Hochtouren

Die Frau hat das Verbrechen beim Notruf gleich gestanden. Macht das die Ermittlungen der Polizei einfacher und schneller? Polizeisprecher Benjamin Koch: „Nein. Wenn sich jemand zur Tat äußert, braucht es wesentlich mehr, um gerichtsfeste Ermittlungsergebnisse präsentieren zu können.“

Das sei auch der Hintergrund für die Blutproben bei der Frau. Polizeisprecher Koch: „Ein Baustein ist unter anderem das Thema Schuldfähigkeit oder verminderte Schuldfähigkeit. Deshalb erfolgte bei der Tatverdächtigen auch eine Blutentnahme, um festzustellen, ob eine Beeinflussung durch Alkohol, Drogen oder Medikamente zur Tatzeit bestand.“

Polizeisprecher Koch weiter: „Dazu bedarf es die Auswertung der objektiven Spuren, der Gutachten der Kriminaltechnik und der Gerichtsmedizin, um weitere Fakten zu haben, die die Umstände der Tat einordnen können. Von diesem Gesamtbild hängt – neben den Aussagen bei einer Hauptverhandlung vor Gericht – sicherlich auch das Strafmaß ab.“

Wie oft kommt es vor, dass Frauen Männer töten? Polizeisprecher Koch: „Eher selten.“ In der Raumschaft Horb hat es das zuletzt im Jahr 2012 gegeben. Damals wurde eine Frau aus der Gemeinde Starzach wegen Totschlags an ihrem Ehemann verurteilt.