Bei einer Drückjagd wurden am Samstag zwischen Sickingen, dem Hechinger Stadtwald, Beuren, Schlatt und Jungingen etwa 40 Wildschweine erlegt. Warum so eine Aktion nötig ist und wie sie abläuft, erklärt Kreisjägermeister Markus Schuler aus Schlatt.
Ein Hinweis für Laien: Es war eine Drück- und keine Treibjagd, die sich über neun Jagdreviere zwischen Sickingen und der Sonnenseite von Jungingen erstreckte, was einer Fläche von etwa 2000 Hektar entspricht. Etwa 100 Jäger waren dabei aktiv. Erlegt wurden etwa 40 Wildschweine:
Herr Schuler, was unterscheidet eine Drück- von einer Treibjagd?
Treibjagden gab es früher häufiger, da wurden eher Fasanen oder Hasen gejagt, und die Treiber machten sehr viel Lärm, um die Tiere aufzuschrecken. Bei einer Drückjagd geht es hauptsächlich auf Schalenwild, in diesem Fall bei uns, Schwarzwild, sprich Wildschweine, und diese sollen eher durch die Treiber beunruhigt werden. Kleine Gruppen von Treibern mit speziell ausgebildeten Hunden kommen zum Einsatz. Und sie gehen behutsam vor, um die Wildschweine nicht in Panik zu versetzen.
Warum sollen die Schweine nur beunruhigt werden?
Ziel ist, die Wildschweine auf die Läufe zu bringen, dass sie revierübergreifend möglichst vielen Jägern anwechseln. Schwarzwild nimmt hierbei immer wieder über Jahre hinweg dieselben Wechsel, durch das eher behutsame drücken kann man mit hoher Zuverlässigkeit einen guten Schuss anbringen, der das Tier augenblicklich tötet. Es beeinträchtigt übrigens auch den Geschmack des Fleisches, wenn Tiere vor ihrem Tod in Panik waren. Und wenn die Tiere langsam laufen, ist es auch einfacher den Mutterschutz einzuhalten. Denn Säue, die Nachwuchs haben, werden nicht erlegt. Man hat die Zeit sauber anzusprechen, wie der Waidmann sagt.
Hatten Sie einen guten Jagdtag?
Der Samstag war fast ideal für uns. Sehr gut für uns war hierbei der Bodenfrost, denn dadurch hört man das Wild viel besser, weil es da eben knirscht, wenn es durch das Gehölz läuft. Auf sumpfigen Boden gibt es viel weniger Trittgeräusche. Wir hatten wahrlich Kaiserwetter, 3 Grad Minus und Sonne. Wir verstehen hierbei natürlich, dass es auch viele Erholungssuchende bei diesem Wetter ebenfalls in die Wälder zieht. Oberstes Gebot ist hierbei, unbedingt auf den Wegen zu bleiben. Wir weisen darüber hinaus auch mit entsprechenden Warnschildern auf die Jagd hin. Vielen Dank an alle an dieser Stelle, die sich jährlich daran halten, möglichst dem Wald für die 3 Stunden fernzubleiben.
Wieso sind Drückjagden notwendig? Es gibt doch Jägerstände.
Wir Jäger sind per Pachtvertrag verpflichtet, den Wildbestand unter Kontrolle zu halten. Beim Rehwild geht das gut von Jägerständen aus, aber um ausreichend viele Wildschweine erlegen zu können, braucht man auch Drückjagden, denn Wildschweine verstecken sich sehr gut. Sie haben auch gute Bedingungen hier bei uns in den Buchenmischwäldern. Den Wildschwein-Bestand zu reduzieren, das dient übrigens auch der Vorbeugung gegen die afrikanische Schweinepest, die sich beispielsweise in Hessen und der Pfalz schon ausbreitet. Und ein schöner Nebenaspekt von Drückjagden ist, dass hier die Jäger die Gemeinschaft pflegen und sich austauschen können. Es ist jetzt das vierte Jahr in Folge, dass wir diese revierübergreifenden Drückjagd hier veranstaltet haben. Als Kreisjägermeister bin ich schon ein wenig stolz, dass wir das hingekriegt haben.
Wieso haben Wildschweine hier so gute Bedingungen?
Da kommt manches zusammen. Im Zuge des Klimawandels soll der Wald klimastabil umgebaut werden, es werden hierzu unter anderem Eichen gepflanzt, die besser mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen. Natürlich nur dort, wo sich die Eiche nicht natürlich verjüngen kann, das heißt, wo alte Eichen fehlen, die aussamen könnten. Tannen gibt es nun weniger. Wildschweine fressen gern Bucheckern und Eicheln, sie mögen aber keine Tannenzapfen. Und in den Lücken und Kahlhieben im Wald, die die Stürme gerissen haben, fühlen sich beispielsweise Brombeeren sehr wohl, und die sind sehr gute Verstecke und ein idealer Lebensraum für das Schwarzwild.
Haben Sie einen Überblick über den Wildschweinbestand in ihrem Revier?
Ich denke schon. Die Tiere sind zwar meistens nachts unterwegs und sehr vorsichtig, was die Beobachtung natürlich schwierig macht. Aber es gibt heutzutage gute Nachtsicht- und Wärmebildgeräte, auch die Wildtier-Kameras geben uns hier gute Informationen. Zudem kennen wir die Pfade, wir nennen das Wechsel, die die Wildschweine oft schon seit Jahrhunderten benutzen. Sich durch diese Beobachtungen ein Bild der Wildtiere im Revier zu machen, das gehört zur Jagd und Hege unbedingt dazu. Die Fragen stellte Klaus Stopper.