Durch die Verspätung in Dobel: Ab der Mittagszeit bildete sich auch in Bad Wildbad eine Schlange vom Forum König-Karls-Bad bis weit in den Kurpark hinein. Foto: Krokauer

In Dobel musste das Impfmobil zwei Überstunden machen, da zu viele Menschen auf ihre Impfung warteten. Aufgrund der Verzögerung gab es auch eine ellenlange Warteschlange in Bad Wildbad.

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Dobel - Am Freitag erlebte Dobel eine volle Breitseite durch die Versäumnisse in der Corona-Politik des Bundes. Die Leidtragenden: all jene, die länger als zwei Stunden in der Schlange zur Corona-Impfung ausharren mussten, teilweise bangend, ob es noch klappt; dazu diejenigen, die in Bad Wildbad lange Zeit vergeblich warteten – sowie das komplett am Anschlag arbeitende Impfmobilteam.

Von 10 bis 12 Uhr war das Impfmobil des Landkreises angekündigt. Was noch im Sommer ein entspanntes Angebot für Kurzentschlossene gewesen war – am 10. August beispielsweise ließen sich knapp 40 Personen in Dobel impfen und hatten dabei kaum Wartezeit – stellte sich an diesem Freitagmorgen komplett anders dar. Bereits gegen 7.30 Uhr, so Bürgermeister Christoph Schaack, hätten sich erste Impfwillige aus dem Landkreis Rastatt vor dem Kurhaus eingefunden. Bis 10 Uhr, als das Impfmobil seine Tätigkeit aufnahm, reichte die Menschenschlange über den Dorfplatz und den Kurhausparkplatz bis zur Wildbader Straße.

Der Parkplatz voll, die Wildbader Straße kaum passierbar. Geduldig warteten die Menschen aller Altersgruppen, der größte Teil solche, die die Drittimpfung wünschten. Aber es waren auch einige Erstimpflinge dabei. Mit Sorge alle wegen der täglich neuen, alarmierenden Botschaften hinsichtlich der Corona-Infektionszahlen. Mangels niederschwelliger Angebote in den eigenen Wohnorten oder wegen Überlastung des Hausarztes kamen die Impfwilligen nicht nur aus Dobel, Bad Herrenalb und den Teilorten.

Es nahmen auch Menschen aus Keltern, Straubenhardt, Neubulach, Sprollenhaus oder Karlsbad die Wartezeit in Kauf. Wer glücklich an die Kurhaustür gelangte, hatte fast das Ziel erreicht: Ausgabe der Anamnesebögen, dann Aufklärungsgespräch mit einem der drei Ärzte. Der Impfpiks selbst war die kürzeste Prozedur von allen.

Deutlich reduziertes Personal braucht Zeit

Neben den wie am Fließband ablaufenden ärztlichen Vorgesprächen war auch die Dokumentation am Ende wie jedes Mal zeitaufwendig und fast nicht zu schaffen von den beiden Mitarbeiterinnen: "Wir arbeiten am PC und parallel noch in Papierform, sonst kommen wir nicht nach." Der medizinische Leiter des Impfmobils, Sebastian Porada, zeigte auf: "Seit zwei Wochen zieht die Nachfrage massiv an. In einer Kommune hatten wir vor einigen Wochen achtzehn Impfungen in zwei Stunden, jüngst beim Wiederholtermin das Zehnfache."

Bis halb 12 Uhr sind an diesem Vormittag knapp über 100 Personen "durchgeschleust". Einer der glücklich "Geboosterten" ist Rolf Füßer aus Bernbach: "Jetzt fahre ich mit dem Fahrrad heim", erklärt der sportliche 83-Jährige dankbar.

Porada drinnen stellt mit Blick auf noch einmal so viele Wartende in der Schlange draußen klar: "Um 14 Uhr sollen wir in Bad Wildbad anfangen. Da warten die Menschen auch schon zwei Stunden vorher." Bürgermeister Schaack verhandelt mit ihm – und mit dem Landratsamt. Resultat: es werden doch noch alle Wartenden geimpft. Bad Wildbad wird informiert, dass das Impfmobil deutlich verspätet kommt. Es wird nach 14 Uhr, bis das Impfteam in Dobel loskommt. Eine Pause hatten sie bis dahin noch keine. Unverständnis der Menschen in Bad Wildbad ist vorauszusehen.

Mediziner Ulrich Lunkenheimer vom Impfmobilteam bringt es auf den Punkt: "Wir machen hier mit deutlich reduziertem Personal und geringer Infrastruktur jene Arbeit, die seither im Impfzentrum geleistet wurde. Das Landratsamt in Calw macht hervorragende Arbeit. Aber auch denen sind die Hände gebunden." Das Impfaufkommen an diesem Tag in Dobel ist übrigens rekordverdächtig: laut Bürgermeister Schaack waren es fast 250 Impfungen.