Nach den Ansprachen besichtigten die Gäste die sanierte Mauer. Foto: Stopper

Restaurierung: Bauarbeiten am jüdischen Friedhof in Hechingen kosteten 625 000 Euro

Hechingen. Wenn der Messias kommt, werden sie sich auch hier aus ihren Gräbern erheben – das ist der Glaube jener Menschen gewesen, die auf dem jüdischen Friedhof in Hechingen begraben wurden. Ihren Frieden bis dahin sichert eine Natursteinmauer, deren Sanierung nun abgeschlossen wurde.

Als vor zehn Jahren das Problem erkannt wurde, war die Mauer teilweise bereits eingestürzt, an anderen Stellen bröselte sie. Kein Wunder angesichts der Lage an einem steilen Hang am ehemaligen Hechinger Galgenberg vor Sickingen.

Die Sanierung, die nach langen Voruntersuchungen und -planungen vor drei Jahren begonnen wurde, kostete am Ende 625 000 Euro. Davon zahlt die Stadt Hechingen 150  000 Euro, das Land 250 000, das Denkmalamt 100 000 und die Denkmalstiftung 125 000 Euro.

Ein großes und teures Projekt also, und so kamen zum feierlichen Abschluss am Mittwoch unter anderem Hechingens Bürgermeister Philipp Hahn, weitere Vertreter der Stadt, Landrat Günther-Martin Pauli, Roland Bürkle (Vorsitzender der Denkmalstiftung) sowie Vertreter des Regierungspräsidiums und der Baufirmen.

Nach den Ansprachen führte Architekt Stefan Schädel, der die Arbeiten betreute, die Gästegruppe über den Friedhof. Er erklärte die Ausgangslage der Sanierung und zeigte an ausgewählten Stellen, mit welcher Perfektion die Handwerker die Fundsteine vor Ort wieder zu einer stabilen Mauer gefügt haben.

Weil der obere Teil der Mauer schwer zugänglich ist, musste hier für die Arbeiten eigens eine Baustraße angelegt werden. Dafür kooperierte dann auch die Forstverwaltung sehr hilfreich, wie er betonte, ebenso Denkmalamt und Stadt Hechingen hätten hier stets mitgedacht und mitgewirkt, damit das Projekt gut voranschreiten konnte. Stefan Schädel ging auch die Bedeutung einer intakten Umfassungsmauer für die jüdische Gemeinde ein. Die Gräber selbst, deren Steine teilweise sehr schief stehen, wurden übrigens nicht saniert. Das ist im Judentum auch nicht üblich. Wichtig dagegen ist, dass die Toten ihr Grab ohne Frist behalten können. Nach ihrem Glauben bis zum Tag ihrer Auferstehung.

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