Warum dauert denn das so lange? Diese Frage stellen sich viele Bürger im Schwarzwald-Baar-Kreis, wenn sie ihre Einkommensteuererklärung abgegeben haben, dann aber monatelang keinen Bescheid erhalten. Wir haben nachgehakt.
Im Schwarzwald-Baar-Kreis lässt der Steuerbescheid besonders lange auf sich warten. Das hat eine Erhebung von Lohnsteuer-kompakt.de ergeben.
Der Dienstleister hat eine Rangliste der insgesamt 502 Finanzämter erstellt und kommt zu dem Schluss: Die Hauptstelle in Villingen-Schwenningen landete mit einer Bearbeitungszeit von 67,9 Tagen auf dem drittletzten Platz in ganz Baden-Württemberg – Nummer 76 von 78. Besser steht die Außenstelle Donaueschingen des Finanzamtes in Villingen-Schwenningen da: Platz 56 war ihr sicher mit einer Bearbeitungszeit von 50,8 Tagen.
Aber warum dauert das hier so lange? Wo hakt es beim Finanzamt in der Region? Das fragten wir an Ort und Stelle nach und erhielten Auskunft von Jörg Jaggy, dem Pressesprecher des Finanzamts in Villingen-Schwenningen.
Erheblich verbessert
Der zeigte sich zunächst einmal gar nicht begeistert von der Auflistung von Lohnsteuer-Kompakt, denn und verweist darauf, die Ergebnisse seien „mit Vorsicht zu genießen“. Schließlich genüge eine Mindestanzahl von 50 Fällen, damit das jeweilige Finanzamt Eingang in die Aufstellung finde. Außerdem stützten sich die Zahlen des Portals „Lohnsteuer-Kompakt“ lediglich auf die Daten seiner Nutzer, die nur ein Bruchteil des Gesamten darstellten. In der Tat aber weise die Aufstellung in Sachen Bearbeitungszeiten eine große Bandbreite auf.
Dass die Behörde sich jedoch sehr wohl mit der Auflistung auseinandersetzt, lässt Jaggys weitere Ausführung durchblicken. „Wie Sie in Ihrem Bericht (....) festgestellt haben, sind wir in den letzten Jahren deutlich schneller geworden: Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt nunmehr bei deutlich unter zwei Monaten“, erklärt er auf Anfrage und nach Berichterstattung unserer Redaktion. Den landesweiten Durchschnitt habe das Finanzamt der Region „zwar noch nicht ganz erreicht, im Vergleich zu den Vorjahren konnten wir uns aber erheblich verbessern“.
257 Mitarbeiter beschäftigt
Jahr für Jahr würden im Finanzamt Villingen-Schwenningen über 82 000 Einkommensteuerfälle bearbeitet. Von den aktuell 257 aktiven Amtsangehörigen – davon 34 Auszubildende beziehungsweise dual Studierende – seien derzeit 96 mit der Veranlagung der natürlichen Personen befasst.
Ziel der Steuerverwaltung sei es, „in jeder Hinsicht eine möglichst große Gleichmäßigkeit bei der Bearbeitung der Steuererklärungen zu erreichen – sowohl auf der Ebene der Finanzämter, als auch bei den einzelnen Arbeitsgebieten im jeweiligen Amt“, so Jaggy. Allerdings seien von Amt zu Amt teilweise durchaus Unterschiede in der Bearbeitungsdauer festzustellen. „Diese Unterschiede können ihre Ursache in der Art und Qualität der Steuererklärungen haben, aber auch in den Gegebenheiten und Besonderheiten der einzelnen Finanzämter.“
Viele Faktoren
Generell sei die Bearbeitungszeit für eine Steuererklärung von verschiedenen Faktoren abhängig und könne daher nicht pauschal beziffert werden. Die Erklärungsqualität und Komplexität der einzelnen Erklärungen und eventuelle Schwierigkeiten im Einzelfall wirkten sich aus. Und auch der Steuerzahler trage seinen Teil dazu bei: „Wenn zum Beispiel sehr viele Steuerpflichtige in kurzer Zeit ihre Steuererklärung abgeben, kann das zu längeren Bearbeitungszeiten führen.“
Was über das Programm Elster elektronisch abgegeben werde, könne meist auch zügiger bearbeitet werden, da durch vorgeschaltete Plausibilitätsprüfungen der eingegebenen Daten etwaige Rückfragen des Finanzamts vermieden werden können. Die Bearbeitungszeiten weichen aus allen diesen Gründen teilweise deutlich voneinander ab.
Der Regionen-Unterschied
Und dann sei da auch noch die Besonderheit des jeweiligen Amtes: Sei ein Amt beispielsweise für sehr viele Arbeitnehmer verantwortlich, deren Arbeitsort in einem anderen Land liege, werde die Sache schnell komplizierter.
Das trifft auch auf den Schwarzwald-Baar-Kreis zu als Grenzland zur Schweiz. Und Jaggy betont: Solche Grenzgänger-Fälle seien üblicherweise komplexer. Ähnlich verhalte es sich bei Steuerfällen mit Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft – auch solche gibt es in dieser Region dank ländlicher Prägung zahlreicher als in anderen Gegenden Deutschlands.
Viele Altersabgänge
Über all diese Besonderheiten hinaus kämpfe der öffentliche Dienst auch mit zahlreichen Altersabgängen.
„Die Finanzverwaltung allgemein, sowie das Finanzamt Villingen-Schwenningen mitsamt unserer Außenstelle in Donaueschingen bildet hierbei keine Ausnahme.“ Als Konsequenz seien hier beim Amt Rückstände aufgelaufen, die eine entsprechend längere Bearbeitungszeit nach sich zogen. „Es ist uns aber zwischenzeitlich gelungen, die freien Stellen mit jungen Kolleginnen und Kollegen nachzubesetzen. Zudem haben wir Organisationsstrukturen verschlankt und verschiedene weitere Prozessoptimierungen vorgenommen“, führt Jaggy aus. Parallel zur Bearbeitung des aktuellen Veranlagungszeitraums sei es der Behörde gelungen, „die bestehenden Rückstände weiter abzubauen“.
„Mit unserer engagierten Belegschaft freuen wir uns daher über ein sehr positives Arbeitsergebnis für das Jahr 2024. Wir sehen uns darin bestätigt, dass die personellen Ausfälle mittlerweile gut kompensiert werden konnten, die jungen Kolleginnen und Kollegen eingearbeitet sind und die ergriffenen organisatorischen Maßnahmen Wirkung zeigen“, nimmt er seine Kollegen geradezu in Schutz und betont: „Es ist uns zwar bewusst, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, aber wir sind mit der positiven Entwicklung und der Tendenz unseres Bearbeitungsstandes ganz zufrieden.“