Für Menschen mit Behinderung ist es schwer bis unmöglich, im Schwarzwald-Baar-Kreis einen Wohnplatz zu finden. Foto: © kiono – stock.adobe.com

Im Schwarzwald-Baar-Kreis sieht es richtig mau aus: Betroffene finden in vielen Fällen hier kein Angebot, die Plätze fehlen. Jetzt soll sich aber etwas tun.

Wolfgang Hauser leitet beim Landkreis die Stabstelle Sozialplanung. Seinen eigenen Schwerpunkt hat er seit vielen Jahren in der Behindertenhilfe und damit auch den Durchblick, wo hier dringender Handlungsbedarf besteht.

 

Der Bereich „Wohnen und soziale Teilhabe“ ist es, in dem demnach besonders viel getan werden muss, wie der Fachmann im zuständigen Kreisausschuss für Bildung und Soziales berichtete.

Seit Jahren habe man nämlich Probleme, Plätze für Menschen mit Behinderungen zu finden. „Im Moment kann nur 25 Prozent der Leistungsberechtigten ein Angebot gemacht werden“, fasste er zusammen, „die Versorgungssituation ist dramatisch. Wir haben wirklich Druck.“

Was es für Betroffene bedeutet, wenn sie in ihrem Umfeld einfach nicht unterkommen können, weil die Angebote fehlen, machte er so deutlich: „Das sind sehr schlimme Einzelschicksale.” Und andere Landkreise, die ihre Plätze selbst bräuchten, hätten den Schwarzwald-Baar-Kreis außerdem schon dazu aufgefordert, die Leute „zurückzunehmen.“

Vieles auf dem Prüfstand

Über die bestehenden Plätze im eigenen Landkreis ist man gottfroh, aber auch in diesen Einrichtungen sind viele Zukunftsfragen offen. So steht etwa der Fischerhof im Vöhrenbacher Ortsteil Hammereisenbach vor Umbaumaßnahmen. Diese Einrichtung der Behindertenhilfe und Sozialpsychiatrischen Hilfen, deren Träger die Bruderhaus-Diakonie ist, stellt genauso wie zum Beispiel auch die Lebenshilfe in Schwenningen gerade auf den Prüfstand, wie es weitergehen soll. „Fast alle stehen vor der Frage: Wie sollen wir uns entwickeln?”, so Wolfgang Hauser. Mittlerweile habe sich auch eine Elterninitiative gegründet. Diese frage sich und andere, wie Wohnen in Zukunft für ihre Kinder aussehen soll.

Fünf Projekte angedacht

Um hier so gut wie möglich etwas zu tun, wurde unterdessen eine Planungsgruppe ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, dass Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen zusammen wohnen können sollen, verteilt im Landkreis, maximal in Gruppen à acht Personen. Aktuell arbeitet man an der Planung von fünf derartigen Projekten. „Hilfen vor Ort“ heißt das Stichwort und „dahinter verbirgt sich schon ein Paradigmenwechsel”, sagt Wolfgang Hauser. Bislang seien die Angebote nämlich oft nicht eingebunden in die Kommunen, würden eher separiert – mit entsprechenden Auswirkungen, die nicht im Sinne der Inklusion funktionieren. Der Sozialplaner ist überzeugt: „Man kann hier steuern: Wie soll das Wohnen zukünftig stattfinden?”

Die bestehenden Einrichtungen wären bereit, Angebote zu schaffen, aber es fehle an Wohnraum. Aktuell sei man außerdem gerade dabei, ambulante Pflegedienste für das Thema Pflege von Menschen mit Behinderungen zu gewinnen und es brauche auch neue Leistungsmodule der Elternarbeit. „Es muss uns gelingen, sozialräumliche Ressourcen anzuzapfen”, ist er sich sicher.

Landrat Sven Hinterseh sprach von „einem dicken Brett” und machte gleichzeitig deutlich, dass er hier Handlungsbedarf sieht. Walter Klumpp (FWV) pflichtete ihm bei, dass man es mit einem wichtigen Thema zu tun habe. „Aber können die Leistungserbringer das überhaupt umsetzen?“, fragte er vorsichtig. Wolfgang Hauser betonte: „Wichtig ist uns hier der politische Beschluss.” Der erfolgte im Ausschuss einstimmig: Es soll demnach nun verbindliche Richtlinien für die Weiterentwicklung der Angebotsstruktur geben.

Angebot und Nachfrage

Was braucht man?
Von einem dringenden Bedarf, die Angebotsstruktur weiterzuentwickeln und auszubauen, sprechen das Amt für Soziale Sicherung, Pflege und Teilhabe

Was hat man?
Im Bereich der „Besonderen Wohnform“ (ehemals stationäres Wohnen) erhielten im Jahr 2024 insgesamt 350 Menschen Leistungsangebote mit einem Gesamtaufwand von 16,46 Millionen Euro. Damit ist die Besondere Wohnform die teuerste Einzelleistung im Sozialetat des Landkreises. Von diesen 350 Menschen konnte nur 84 Personen einen Platz im Schwarzwald-Baar-Kreis finden, da insgesamt nur 124 Plätze vorhanden sind. Im Bereich der „Assistenzleistungen im Wohn- und Sozialraum“ (ehemals ambulant betreutes Wohnen) erhielten im Jahr 2024 insgesamt 363 Menschen Leistungsangebote mit einem Gesamtaufwand von 6,26 Millionen Euro. Von diesen 363 Menschen konnte 270 Personen einen Platz im Schwarzwald-Baar-Kreis finden, davon 131 Menschen in Form einer Wohngemeinschaft mit anderen Menschen.

Was plant man?
Die Stabstelle Sozialplanung hat gemeinsam mit weiteren Akteuren den Bedarf erhoben und Handlungsempfehlungen erarbeitet. Als gemeinsames Leitbild wurde die Entwicklung kleiner, wohnortnaher und inklusiver Wohnangebote vereinbart. Konkret werden zusätzliche Initiativen für bezahlbaren Wohnraum und bebaubare Grundstücke gefordert. Damit sollen mehrere anbietergestützte und ambulant betreute Wohngemeinschaften (ABWG) für unterschiedliche Bedarfe entstehen; hier wünscht man sich insgesamt über 40 Plätze. Diese Angebote sollen möglichst in den „mittelgroßen“ Kommunen im Landkreis entstehen. In Betracht kommen demnach Bad Dürrheim, Furtwangen, St. Georgen und die Bereiche Blumberg, Bräunlingen, Hüfingen, und Königsfeld und Niedereschach.