Dietrich Waidelich (Mitte) warnte: „Wir müssen die Milchmengen runterbringen, notfalls auch die Bestände reduzieren.“ Foto: Albert M. Kraushaar

Globale Einflüsse und hohe Rohstoffpreise setzen Milchbauern im Nordschwarzwald zu. Doch das größte Problem ist die hohe eigene Produktion.

Ukraine-, Gaza- und Irankrieg, Zoll-Eskapaden von US-Präsident Donald Trump – in Zeiten zahlreicher geopolitischer Einflüssen sehen sich die Milchbauern in den Märkten immer schneller hohen Schwankungen ausgesetzt, erklärte jüngst Dietrich Waidelich .

 

Und aktuell spiegele sich das vor allem bei den Rohöl- und Düngerpreisen wieder, fügte der Vorsitzende der Milchgenossenschaft Pforzheim eG bei der Hauptversammlung im Bürgerhaus in Langenbrand hinzu.

Das Hauptproblem sei jedoch hausgemacht: „Wir erzeugen zu viel Milch.“

Mehr als 42 Millionen Kilogramm

Mit dieser Feststellung machte Waidelich in seinen Ausführungen auch vor der eigenen Milcherzeugergenossenschaft nicht Halt. Die aktuell 70 Mitglieder, die derzeit im Schnitt 75 Milchkühen aufweisen würden, kämen auf eine Milchmenge von mehr als 42 Millionen Kilogramm.

2025 sei die Menge von 42 562 054 auf 42 902 256 Kilogramm gestiegen. „Die Tendenz geht weiter nach oben und das fast wöchentlich“, stellten der Simmersfelder und Michael Hofmann von der eG übereinstimmend fest.

Der Preisanstieg im zurückliegenden Geschäftsjahr sei auch zustande gekommen, weil viele Molkereien einen Abbruch bei der Milchanlieferung befürchtet hatten, erklärte Hofmann. „Es wurden Preise bis zu 50 Cent je Kilogramm erzielt, die wirtschaftliche Lage war gut“, blickte Waidelich zurück.

Das Abklingen der Blauzungenkrankheit, ein Jahr ohne Trockenphasen, die sehr gute Silage – viele Punkte hätten zur Steigerung beigetragen und die sei gleichzeitig auf rückläufige Exporte gestoßen.

Mengensteigerung europaweit bei fast 2,8 Prozent

Aktuell spitzt sich die Lage in der Milchverarbeitung extrem zu. Die Transportunternehmen könnten das Aufkommen nicht mehr bewältigen und stöhnten unter der Preislast, die Kapazitäten bei den Molkereien seien ausgereizt, auch weil die Mengensteigerung europaweit bei fast 2,8 Prozent liege.

„Wir müssen die Milchmengen runterbringen, notfalls auch die Bestände reduzieren“, sieht der Vorsitzende wenig Möglichkeiten. Bei einer anhaltenden wöchentlichen Steigerung um einen halben Prozentpunkt drohe die Situation, „dass die Milch auf den Höfen bleibt und dann reden wir von Entsorgung“, stellte Dietrich Waidelich die Befürchtungen in den Raum, dass die Situation sogar bis auf die Aufgabe von Höfen hinauslaufen könnte.

Die Milcherzeugergenossenschaft Pforzheim eG, die derzeit noch an fünf Molkereien liefert, hat für die nahe Zukunft einen Wechsel ihrer Strategie angekündigt und wird ab 2029 mit ihren Erzeugnisse in einen Vertrag mit einem einzigen Abnehmer, der Firma Zott, eingehen.

„Die wird dann auch die Verwaltung und die Frachtkosten übernehmen, was für uns eine große Erleichterung darstellt“, so Michael Hoffmann in seinen Ausführungen zum Geschäftsbericht 2025. „Ja, so einen Vertrag bekommen wir nie wieder“, freute sich auch Walter Bauer, Vorstand der Milchwirtschaftlichen Beteiligungs AG Heilbronn.

Er hatte zusammen mit Hofmann und Dirk Schmalz die wirtschaftliche Situation einschließlich der Transportwege, diverse Markteinflüsse, bis hin zu den Laborstandorten erläutert, die für die regelmäßigen umfangreichen Untersuchungen der angelieferten Milch zuständig sind.

„Branche in vielen Fragen zu schwach“

Zum Thema Preispolitik und Qualitätsmanagement wurden aus der Mitte der Versammlung Bedenken geäußert, dass der Handel in vielen Bereichen unter anderem dem Tierwohl mit seinen Auflagen sehr stark involviert sei. „Ja, das stimmt“, bestätigte Walter Bauer, der Handel sei einfach eine zu starke Macht „und wir als Branche in vielen Fragen zu schwach“. Aus dem Geschäftsbericht war zu entnehmen, dass der Jahresüberschuss einen Bilanzgewinn in Höhe 37 505,28 Euro verbuchen konnte.

Bei den Wahlen zum Vorstand stellte sich Marcel Gall (Sommenhardt) erneut dem Votum, innerhalb des Aufsichtsrats wurden die bisherigen Mitglieder Hansjörg Huber (Neubulach) und Martina Ziegler (Wildberg-Schönbronn) wieder gewählt. Für den ausgeschiedenen Johannes Hammann (Egenhausen) konnte Thomas Adams vom Hof Dicke (Calw-Stammheim) als neues Mitglied gewonnen werden.