Klare Worte gab es bei der Kundgebung zum Warnstreik der Gewerkschaft Verdi auf dem Balinger Marktplatz. Rund 100 Teilnehmer machten ihrem Unmut Luft. Betroffen vom Streik waren in Balingen vier Kitas.
„Diese Forderungen sind nicht von dieser Welt“, wiederholte Martin Gross zur Mittagszeit auf dem Balinger Marktplatz, was er am Vormittag schon in Ebingen gesagt hatte. Gerichtet waren die Worte des Verdi-Landesleiters aus Tübingen an den Balinger Stadtchef und an Landrat Günther-Martin Pauli.
Auch der Ritter schwenkt die Fahne
Die neongelben Streikwesten hatten sich Erzieherinnen angezogen, Mitarbeiter des Zollernalb-Klinikums, Mitarbeiter der Stadt Balingen und des Landratsamtes und der Straßenmeisterei. Fahnen mit dem Verdi-Logo wurden geschwenkt, knallrote Trillerpfeifen kamen zum Einsatz und selbst dem Ritter Ulrich auf dem Stadtbrunnen hatten die Streikenden eine Flagge in die stählernen Arme gedrückt.
„Wir halten den Laden am Laufen.“
Mehr Arbeit – weniger Personal: für Gross ein Unding. „Wir halten den Laden am Laufen!“, rief er. Von den Gewerkschaftlern gab es dafür Applaus. Gross weiter: Es könne nicht sein, dass Verwaltungen Stellen sparen, dass für die Bürger auf den Ämtern vieles liegen bliebe und die Angestellten sich dann dafür beschimpfen lassen müssten. „Es ist eklig, die Bürger gegen uns auszuspielen.“
Das sind die Forderungen
Die zentralen Forderungen der Gewerkschaft: Sie wollen acht Prozent beziehungsweise 350 Euro mehr Lohn, 200 Euro für Nachwuchskräfte und drei zusätzliche freie Tage. „Es muss mehr Zeit bleiben für Familie, für die Liebe, für das Krafttanken“, so Gross. Noch immer gebe es einen großen Lohnabstand zur Industrie und Homeoffice sei für Erzieherinnen oder Pfleger nicht drin.
Balingens OB Dirk Abel hatte kürzlich Stellung zu den Forderungen genommen. Diese seien „angesichts der Lage unseres Landes und der kommunalen Haushalte schlicht unangemessen und überzogen“.
Und weiter: „Ich denke, dass eine Erhöhung im Bereich der aktuellen Inflationsrate angemessen wäre, so könnte man zum Beispiel über 4 Prozent Erhöhung innerhalb von zwei Jahren nachdenken.“
In Balingen waren vom Warnstreik laut Stadtsprecher Dennis Schmidt vier Kitas betroffen, „in denen nicht mehr ausreichend Personal für einen Betrieb, nicht einmal einen Notbetrieb, vorhanden war: Engstlatt, Weilstetten, Pestalozziweg und Haydnstraße“. Einschränkungen bei anderen Ämtern oder Angeboten seien bisher keine bekannt geworden, hieß es am Mittwochmittag.