Lautstark unterstrichen die Beschäftigten beim Warnstreik bei der Wolfacher Firma Leipold ihre Forderungen. Foto: Beule

Schrille Töne und klare Forderungen: An einem Warnstreik der IG-Metall sind am Mittwoch etwa 100 Mitarbeiter der Wolfacher Firma Carl Leipold beteiligt gewesen. In den kommenden Tagen werden noch weitere Betriebe bestreikt.

Wolfach - Und es geht doch: Die Beschäftigten können sich auch in Coronazeiten versammeln und für ihre Anliegen demonstrieren – auch wenn die Reihen lichter sind als gewohnt. "Ich bin überwältigt, dass sich doch so viele zusammengefunden haben, um gemeinsam zu kämpfen", zeigte sich Bernhard Harter, Vorsitzender des Betriebsrats von Leipold, zufrieden. Denn hinter jedem Arbeitsplatz stehe eine Existenz – wenn nicht sogar eine ganze Familie – die vom Verlust der Stelle betroffen wäre. Dafür lohne es sich, zu kämpfen. Rund 100 Mitarbeiter hatten sich an der Materialanlieferung des Betriebs zusammengefunden – vom Azubi bis hin zum Kollegen kurz vor der Rente.

Die IG Metall fordert für die rund eine Million Beschäftigten in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie laut einer Mitteilung ein Paket, das Beschäftigungssicherung, Zukunftsgestaltung und die Stabilisierung der Einkommen gleichermaßen ermöglicht. Dieses umfasst ein Volumen von vier Prozent bei zwölf Monaten Laufzeit, welches je nach betrieblicher Situation variabel eingesetzt werden kann: zur Stärkung der Einkommen, für Beschäftigungssicherung durch Modelle der Arbeitszeitabsenkung mit Teilentgeltausgleich. Zudem will die IG Metall einen tariflichen Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge schaffen, die zum Beispiel Investitionen sowie Fortbildungsmaßnahmen festschreiben und betriebsbedingte Kündigungen ausschließen. Weiterhin sollen die tariflichen Regelungen zur Ausbildung und des dualen Studiums verbessert werden.

Diese Forderungen unterstrich am Mittwoch Ahmet Karademir, erster Bevollmächtigter der IG Metall Offenburg. Seit Dezember habe man es versucht, aber bis zur Beendigung der Friedenspflicht sei man zu keinem Konsens gekommen.

Gegenforderungen sind "nicht anständig"

Stattdessen habe Südwestmetall Gegenforderungen gestellt. "Das ist einfach nicht anständig", findet Karademir deutliche Worte für die "Blockadehaltung der Arbeitgeber". Das wurde auch bei den Streikenden mit Beifall aufgenommen. Die Arbeitgeber wollten die Corona-Krise ausnutzen, um Tarifstandards zu verschlechtern. 20 Prozent der Arbeitgeber planten sogar, demnächst Personal abzubauen. Klar seien die Herausforderungen in der Krise groß. "Aber das darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden", rief er. Darum kämpften die Beschäftigten in Wolfach – und in den kommenden Tagen an anderen Orten – stellvertretend für 2,2 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie.

Es gehe bei den geforderten vier Prozent nicht um Bereicherung, sondern darum, gemeinsam solidarisch zu sein. Weiterhin sei es wichtig, junge Kollegen in Ausbildung oder dualem Studium nicht aus den Augen zu verlieren. "Wir dürfen nicht zulassen, dass sie die Zeche zahlen müssen und zu einer Corona-Generation werden", so Karademir. Die Beschäftigten in der Produktion seien auch in der Krise weiterhin tätig gewesen – schließlich laufe die Produktion nicht im Homeoffice. "Ihr seid der Garant dafür, dass der Laden weiter läuft", betonte Karademir, "dafür habt ihr mindestens Wertschätzung verdient, aber keine weiteren Knüppel zwischen die Beine."

Digitaler Warnstreik am 12. März

Nach dem Auftakt würde die Unterstützung der Leipold-Beschäftigten nochmals gebraucht. Erstmals ruft die IG Metall am Freitag, 12. März, ab 10 Uhr in allen Betrieben in Baden-Württemberg zum digitalen Warnstreik auf. Auch Betriebsratsvorsitzender Bernhard Harter rief dazu auf, sich zu beteiligen. "Wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren", stimmte er die Streikenden unter Beifall weiter ein.

Nach dem digitalen Tarifaufakt am Montag wurden weitere Betriebe im Kinzigtal bestreikt. Am Dienstag legten die Mitarbeiter der Prototyp-Werke in Zell ihre Arbeit nieder. Am Donnerstag, 4. März, geht es weiter im Schondelmaier Presswerk in Gutach (12 bis 12.30 Uhr) Und ABB Stotz Kontakt in Hornberg (13.30 bis 14 Uhr). Am Freitag, 5. März, wird die Firma ACM-Mosolf in Kippenheim ab 13 Uhr bestreikt.

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