Ein Mann musste sich am Montag wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht Rottenburg verantworten. Foto: Fotosenmeer - stock.adobe.com

Weil ein in Rottenburg wohnhafter Mann in zwei Rottenburger Einzelhandelsgeschäften Waren im Wert von knapp 100 Euro gestohlen hat, wurde er am Monag vom Amtsgericht Rottenburg zu einer achtmonatgen Bewährungsstrafe und 200 gemeinnützigen Arbeitsstunden verurteilt.

Rottenburg - Die beiden Taten ereigneten sich am 2. Juli vergangenen Jahres. An jenem Samstagnachmittag war der Mann zuerst in einem Rottenburger Geschäft und etwa eine dreiviertel Stunde später in einen Supermarkt gegangen. In beiden Geschäften hat er, wie er selbst einräumte, Waren im Gesamtwert von knapp 100 Euro – unter anderem Fahrradketten und Fahrradschläuche – entwendet.

Mann muss noch sech offene Haftmonate absitzen

Kurios: Der Mann hatte in seinem Rucksack ein Besteckset sowie ein Messer dabei gehabt. So ging es in der Verhandlung auch um die Frage, ob das Besteckset und der Gegenstand, der einem Klappmesser wohl nur ähnelte, als Waffen einzustufen sind und von dem Mann eine Gefahr für andere ausging. "Das Besteckset und das Messer sind immer in meinem Rucksack drin, weil ich die Dinge für die Arbeit benötige. Damit reinige ich etwa Fensterecken oder mache Flaschen beziehungsweise Dosen damit auf. Ich lasse alles immer in meinem Rucksack drin, damit ich nichts vergesse", erklärte der gelernte Maler/Lackierer, der seit kurzer Zeit arbeitslos ist und wegen einer Vorstrafe eigentlich noch sechs offene Haftmonate absitzen muss, dies aber derzeit wegen der Corona-Pandemie als "Kurzzeiteinsitzer" nicht darf.

Auch in Nagold hatte der Mann schon Diebstähle begangen

Laut seinem Pflichtverteidiger hatte der Mann in der Vergagenheit wegen diverser Straftaten "schon erhebliche Haftstrafen abgesessen". Dies bestätigte wenig später Richter Stefan Fundel, der von dem Mann insgesamt 16 Einträge aus dem Bundeszentralregister abrufen konnte. Unter anderem hatte der Mann vor wenigen Jahren auch in einem Geschäft in Nagold sowie in einem Nagolder Supermarkt Diebstähle begangen, wie aus den Einträgen im Bundeszentralregister hervorging. "Ich habe in der Vergangenheit Vieles gestohlen, was ich nicht wollte – und auch nicht gebraucht habe", gestand der Mann aus Rottenburg.

Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung

Amtsgerichtsdirektor Stefan Fundel verkündete in seinem Urteil, dass der Mann in den Geschäften jeweils Diebstähle mit Waffen begangen hatte. Es sei aber nicht die Absicht des Mannes gewesen, sein eigenes Messer, das sich in seinem Rucksack befand, zu verwenden. "Das war Begleitwerkzeug, das man halt bei sich hatte", sagte Fundel. So kam der Richter zu dem Schluss, dass es sich bei beiden Taten jeweils "um minderschwere Fälle" handelte. Ohnehin sei auch der Wert der entwendeten Gegenstände "nicht sonderlich hoch" gewesen. So wurde der Rottenburger zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Eigentlich wären in beiden Fällen jeweils sechs Monate Freihheitsstrafe angebracht gewesen, wie Fundel anmerkte. "Weil es aber einen sehr engen zeitlichen Zusammenhang zwischen den beiden Taten gab, ist es angebracht, hier eine Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung zu verhängen", erklärte Fundel.

Therapie zur psychosomatischen Behandlung steht an

Des Weiteren ordnete das Gericht 200 Arbeitsstunden für einen gemeinnützigen Verein im Kreis Tübingen an. Wegen früherer Vorkommnisse werde der Mann sich im Februar einer Therapie zur psychosomatischen Behandlung unterziehen, wie der Mann selbst erklärte und ein ärztliches Schreiben vorlegte. "Ich möchte, dass Sie mir alle sechs Monate ein Attest vom behandelnden Arzt vorlegen, aus dem hervorgeht, dass Sie regelmäßig an den Therapien teilnehmen", fügte Fundel als weitere Bewährungsauflage hinzu und appellierte an dem schuldig gesprochenen Mann: "Ich will Sie hier nicht wiedersehen. Machen Sie aus Ihrer Chance etwas!"

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Mann und sein Pflichtverteidiger verzichteten darauf, Rechtsmittel gegen das ausgesprochene Urteil einzulegen. Das Urteil ist damit rechtskräftig.