Gefällte und angenagte Bäume sowie aufgestautes Wasser am Warenbach in Villingen: Hier ist ein Biber aktiv. Foto: Simone Neß

Der Biber fühlt sich am Warenbach in Villingen richtig wohl – das jedoch nicht ohne Folgen. Der OB will das Tier am liebsten umsiedeln, ein Experte rät jedoch davon ab.

Leises Plätschern, Vogelgezwitscher, grüne Wiesen, hohe Bäume – und ein kleiner Bach, der sich seinen Weg durch die Landschaft bahnt. Bei Danièle Goblet-Obert in der Villinger Südstadt, die an das Landschaftsschutzgebiet „Villingen Süd“ angrenzt“, ist es wahrlich idyllisch. Wäre da nicht ein tierischer Nachbar, der die Ruhe gelegentlich durcheinanderbringt.

 

Denn Danièle Goblet-Obert wohnt quasi Tür an Tür mit einem Biber. Das streng geschützte Nagetier fühlt sich am Warenbach richtig wohl – nicht ohne Folgen für die Anwohner in der Weiherstraße. Denn nur ein Erdwall trennt ihre Grundstücke vom Wasser.

Welche Auswirkungen der Biber haben kann, zeigte sich im vergangenen Jahr: Bei stärkerem Regen stand das Wasser immer wieder bis zu 30 Zentimeter hoch auf der Wiese, die an Danièle Goblet-Oberts Grundstück grenzt, und bahnte sich einen neuen Weg, vorbei an ihrem Garten. Der Biber hatte hier ganze Arbeit geleistet.

In dieser Mulde, die an Danièle Goblet-Oberts Haus vorbeiführt, stand vergangenes Jahr rund 30 Zentimeter hoch das Wasser. Foto: Simone Neß

Wie Thomas Schalk, Vorsitzender der Nabu-Kreisgruppe Schwarzwald-Baar, auf Anfrage unserer Redaktion erklärt, habe der Biber einen Graben parallel zum Warenbach aufgestaut. Und das sorgte dafür, dass das Wasser vor oder in den Gärten der Anwohner stand.

„Die Biber sind possierliche Tiere. Ich habe auch eigentlich nichts gegen Biber“, betont Danièle Goblet-Obert. Doch der neue Wasserlauf, der plötzlich direkt an ihrem Grundstück vorbeiführte, war ein Problem. Seit 1989 lebt sie mit ihrem Mann in dem Haus in der Weiherstraße – Schwierigkeiten mit dem Biber habe es dort jedoch erst im vergangenen Jahr zum ersten Mal gegeben.

Eingriff in den Lebensraum des Bibers nicht so einfach

Daraufhin wandte sich Danièle Goblet-Obert – wie auch einige ihrer Nachbarn – an die Stadt. Diese habe im Rahmen ihrer Möglichkeiten schnell reagiert. Denn Eingriffe in den Lebensraum des Bibers und seine Bauten sind nicht ohne Weiteres möglich. Was man im Umgang mit dem Biber unter welchen Bedingungen tun darf und was nicht, ist in der Biberverordnung des Landes Baden-Württemberg geregelt.

Diese Wiese soll der Biber vergangnes Jahr unter Wasser gesetzt haben. Foto: Simone Neß

Das Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis, in das auch die untere Naturschutzbehörde eingegliedert ist, informiert auf Nachfrage über die Maßnahmen, die am Warenbach im Zuge der Biberproblematik durchgeführt wurden. Demnach gehört die Biberpopulation in diesem Bereich zu den älteren Beständen im Landkreis.

Aufgrund der Dammbauaktivitäten des Bibers sei es am Warenbach in der Vergangenheit immer wieder zu Überflutungssituationen angrenzender Flächen gekommen, bestätigt Kristina Diffring. „Um die betroffenen Flächen zu entlasten, wurde durch gezielte Eingriffe der Wasserabfluss wieder hergestellt. Dies wurde durch die Installation von Dammdrainagen oder das Anlegen von Umgehungsgerinnen und letztlich auch durch die Entnahme von Biberdämmen umgesetzt“, erläutert sie.

Dieser Baum wird nur noch von den umstehenden gehalten. Der Biber hat ihn abgenagt. Foto: Simone Neß

Das Landratsamt weist in dem Zusammenhang auch darauf hin, dass Biberaktivitäten unter anderem den jahreszeitlichen Gegebenheiten unterliegen und dabei örtlich und in der Intensität variieren könnten. Auch zum jetzigen Zeitpunkt seien im Landkreis an verschiedenen Standorten teils stärkere, teils schwächere Aktivitäten festzustellen. Dies gilt auch für Bereiche des Warenbachs.

Das sagt die Stadt zum Biber-Problem

Die Auswirkungen der Biberaktivitäten machen sich auch auf der anderen Seite des Baches bemerkbar. „Die Aktivitäten des Bibers am Warenbach bringen bereits unerfreuliche Auswirkungen mit sich“, teilt Madlen Falke, Pressesprecherin der Stadt Villingen-Schwenningen, auf Nachfrage mit. In unmittelbarer Nähe zum Bach befindet sich auch die städtische Kindertagesstätte Junghansvilla. „Direkte Beeinträchtigungen der Junghansvilla hat es bislang kaum gegeben, da diese samt der Außenanlage etwas höher liegt als der Warenbach“, gibt Madlen Falke Entwarnung. Im Bereich des Anbaus, welcher etwas tiefer liege, sei es jedoch aufgrund der Biberaktivität bereits zu massiven Vernässungen gekommen. „Durch den höheren Einstau, der vom Biber verursacht wurde, konnte Regenwasser nicht ordnungsgemäß abgeleitet werden“, erklärt sie. Laut Falke finden regelmäßig Kontrollen statt – es bestehe außerdem Kontakt zum Eigentümer, um Schäden zu verhindern.

OB Roth würde das Tier gerne umsiedeln

Die Biberaktivitäten beschäftigen inzwischen auch das Stadtoberhaupt. In einem Interview zum Jahresende 2025 erklärte Oberbürgermeister Jürgen Roth im Gespräch mit unserer Redaktion, dass der Umgang mit dem Biber im Warenbachtal nicht einfach sei. Dabei brachte er auch eine mögliche Umsiedlung des Tieres ins Spiel. Man wisse bereits, womit sich der Biber anlocken und einfangen lasse – offenbar habe er eine Vorliebe für bestimmte Apfelsorten.

Thomas Schalk vom Nabu zweifelt den Erfolg einer solchen Maßnahme an. „Einfangen ist möglich, umsiedeln auch, aber Biber sind mobil und Jungtiere suchen sich schnell verwaiste Reviere“, gibt er zu bedenken. Auch ein „radikales Abholzen“ sei an der Warenbachaue nicht möglich, da sie Landschaftsschutzgebiet sei.

Aktuell ist der Biber vor allem im Warenbach aktiv und hat mehrere Dämme westwärts gebaut. Vor allem südlich des Baches deuten darüber hinaus viele weitere Spuren auf die Biberaktivitäten hin: Zu finden sind abgenagte Bäume und ein sumpfiges Gelände, in dem man bis zur Wade im Wasser versinkt. Einzelne Bäume sind auch mit einem Drahtzaun versehen, damit sie vor dem Biber geschützt sind.

Dieser Baum ist am Warenbach mit Schutzzaun versehen, damit der Biber ihn nicht fällt. Foto: Simone Neß

Danièle Goblet-Obert ist froh um die Hilfe, die die Anwohner letztlich bekommen hätten. Angst vor größerem Schaden durch den Biber habe sie aktuell nicht, betont sie. Sie wünsche sich jedoch, dass der Bachlauf regelmäßig kontrolliert wird – laut Stadtverwaltung geschieht dies auch –, damit künftig eine friedliche Nachbarschaft zwischen Mensch und Biber möglich ist.