Andreas Bronner, Vorsitzender der Senioren-Union, im Gemeinderat Horb: „Bis zur Kreistagssitzung haben wir 10 000 Unterschriften gegen die Schließung der geriatrischen Reha in Horb.“ Foto: Jürgen Lück

Die Horber hoffen auf einen Aufschub der Entscheidung über die Schließung der geriatrischen Reha. Eine Initiative sammelte bisher 9700 Unterschriften.

Das war intensiv, informativ und emotional. Gut zwei Stunden lang waren Landrat Klaus Michael Rückert (CDU) und KLF-Geschäftsführerin Monique Bliesener im Gemeinderat Horb. Die Hoffnung: Können auch die Kreisräte überzeugt werden? Am 21. Juli haben sie zu entscheiden, ob es mit dem Krankenhaus Horb mit der jetzigen geriatrischen Reha weitergeht.

 

OB Peter Rosenberger (CDU) sagt danach: „Ich habe ein gutes Gefühl in der Sache. Wir haben gute Argumente für die Kreisräte. Es wurde klar: Es geht nicht um Horb, sondern um den ganzen Landkreis.“

Viele Bürger im Landkreis gegen die Schließung

Andreas Bronner, Vorsitzender der Senioren-Union und einer der Initiatoren der Unterschriftenaktion: „Wir haben im ganzen Landkreis gesammelt. Von Baiersbronn über Alpirsbach oder Loßburg. Mit der Internet-Petition haben wir knapp 9700 Unterschriften zusammen – und wollen bis zur Kreistagssitzung 10 000 zusammenhaben.“ Heißt: Nicht nur Horber, sondern auch viele weitere Bürger im Landkreis wollen die geriatrische Reha in der jetzigen Form erhalten.

Alle hoffen, dass die endgültige Entscheidung verschoben wird. Rosenberger: „Wenn die KLF-Geschäftsführerin sagt, dass sie den vier Interessenten keinen Zeitdruck machen will, ist das ein starkes Argument, nicht zu drängen.

Uwe Hellstern (AfD), auch Kreisrat und Landtagsabgeordneter: „Ich bin auch im Finanzausschuss des Landes. Das Land hat beschlossen, dass die Auszahlungen zur Linderung der Krankenhausdefizite noch vor der Sommerpause getätigt werden.“ Das dürfte das aktuelle KLF-Defizit mildern.

Anton Ade (FD/FW): „In unserer geriatrischen Klinik werden Menschen wieder fit für das selbstbestimmte Leben gemacht. Andere Rehas leisten das nur bei leichteren Fällen. Das spart Geld. Zwar ist die Reha eine freiwillige Leistung. Aber: Was ist wichtiger – die Gesundheit oder das Ruftaxi? Integrationsmanagement oder Geriatrie?“

Fassnacht sieht unnötigen Druck aufgebaut

Konrad Fassnacht überreicht Landrat Rückert die knapp 9700 Unterschriften gegen die Schließung der Reha Horb. Foto: Jürgen Lück

Konrad Fassnacht, Unternehmer im Ruhestand und Initiator der Unterschriftensammlung: „Für mich wird hier unnötiger Druck aufgebaut. Hier geht es um Menschen und nicht um Maschinen. Die Bürger hatten teilweise Tränen in den Augen. Sie wollen niemandem zur Last fallen. Sie wollen so lange es geht selbstbestimmt leben und nicht ins Pflegeheim abgeschoben werden.“

Fassnacht weiter: „Vielleicht ist die Diskussion um die Geriatrie die Gelegenheit, dass der Landkreis endlich zusammenwächst. Wir haben das Gefühl, Horb wird alles weggenommen, Freudenstadt profitiert.“

Horbs OB Peter Rosenberger (links) neben Landrat Klaus Michael Rückert und KLF-Geschäftsführerin Monique Bliesener. Foto: Jürgen Lück

Peter Rosenberger: „Hier geht es nicht um die Frage: Ost- oder Westkreis. Sondern auch um die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir leisten Schulsozialarbeit, Ganztagsbetreuung und vieles mehr. Wenn ein Angehöriger pflegen muss, kann er das schwer mit dem Beruf vereinbaren. Einrichtungen, die einmal geschlossen sind, werden nie wieder eröffnet.“

ULH-Gemeinderat Hermann Walz, der selbst Pflegedienst-Unternehmer ist, gab zu bedenken: „Wenn ein Angehöriger pflegen muss, erhält er je nach Pflegegrad unter 1000 Euro von der Krankenkasse. Kann er nicht mehr arbeiten, bekommt der Staat auch keine Lohn- oder Einkommensteuer.“