Einmal rund um Empfingen wandern zahlreiche motivierte Teilnehmer an der Spendenaktion. Foto: Morlok

Auch Wochen nach der vernichtenden Flutkatastrophe versuchen staatliche und private Organisationen, mit Hilfs- und Spendenaktionen Geld zu sammeln, um zumindest die größten Probleme der Menschen in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten in Nordrheinwestfalen und RheinlandPfalz etwas abfedern zu können.

Empfingen - Die tatsächlichen Schäden werden jetzt erst nach und nach sichtbar, und immer deutlicher wird klar, dass Hilfe, egal woher sie kommt, unbedingt erforderlich ist. Viele kleine Aktionen ergeben in der Summe ein großes Hilfspaket und zeigen den Betroffenen in den Hochwassergebieten, dass sie nicht allein sind. Der Wille zur Hilfsbereitschaft zieht durch Deutschland.

Zwölf Kilometer lange Rundstrecke

So auch in Empfingen. Dort initiierten die Schwestern Kerstin Hönle und Yvonne Gaus aus dem Wunsch heraus, helfen zu können, und mit Unterstützung der Gemeinde Empfingen am Sonntag eine Spendenwanderung "Rund um Empfingen".

Start und Ziel für die circa zwölf Kilometer lange Rundstrecke war die Tälesee-Halle. Dort waren die Wanderer auch zu einem gemeinsamen Frühstück am See eingeladen, bevor sie die Strecke unter Schusters Rappen nahmen und zur ersten Zwischenstation, dem "Fichtenwäldle" marschierten. Wer dort ankam, konnte sich mit einem leckeren, auf Wunsch auch alkoholfreien, Cocktail erfrischen, bevor ihn die Tour auf der anderen Seite der Bundesstraße in Richtung "Auchtern-Hütte" führte.

Die Cocktailbar entwickelte sich sofort zum Hotspot, und bereits gegen 11.30 Uhr musste Cola nachbestellt werden. An der Hütte hatten die freiwilligen Helfer aus dem Familien- und Freundeskreis ihren Grill aufgebaut und boten als Wegzehrung heiße Rote an. "Lass dich überraschen" lautete das Motto bei Etappe vier, die zwischen "Auchtern-Hütte" und "Hochgericht", dem Abschnitt fünf der Spendenwanderung, lag. Beim "Hochgericht" standen Kaffee und Kuchen für die Nachmittagswanderer zur Verfügung. An der Station sechs an der Mühlheimer Straße gab’s noch einen kleinen Snack für Zwischendurch, und am Ziel, ebenfalls an der Halle, wartete ein deftiger Wurstsalat auf die müden Wanderer. Für die Kinder gab es dort auch ein Eis.

Gespendetes Essen

Und überall, an jeder Station, stand eine Spendenkasse, in die die Wanderer einen Solidaritätsobolus nach eigenem Ermessen für ihre Getränke und das Essen einwerfen konnten. Zum Großteil waren die Getränke, das Essen und die weiteren Angebote von Metzgern, Bäckern, Getränkehändlern und dem Einzelhandel gespendet. Der Reingewinn aus der Aktion floss ebenso wie der Bonus von einem Euro, den die 18 teilnehmenden Empfinger Sponsor-Firmen jeweils pro komplett abgestempelter Laufkarte zahlen, in den Empfinger Spendentopf. Die Veranstalterinnen betonten jedoch, dass die Komplettwanderung nur ein Angebot darstellt und man natürlich auch nur ein Teilstück der Strecke laufen konnte, da die Stationen zwei bis sieben ohne vorherige Anmeldung anmarschiert werden konnten.

Auch die Reihenfolge und der Startzeitpunkt konnte von den Wanderern frei gewählt werden. Alle Verpflegungsstationen hatten von 11 bis 18 Uhr geöffnet und wurden von freiwilligen Helfern bewirtet.

"Alle Einnahmen werden 1:1 an eine betroffene Familie übergeben", versicherte Yvonne Gaus, die das Geld zusammen mit ihrer Schwester persönlich überbringen möchte, im Gespräch am Sonntagvormittag. "Unser Bürgermeister Ferdinand Truffner ist bereits im Austausch mit den betroffenen Gemeinden", so die Initiatorin abschließend. Truffner selbst erklärte den Grund, warum man direkt eine Familie aus der Vielzahl von Hilfsbedürftigen heraussucht, damit, dass der Empfinger Verein "Von Mensch zu Mensch" sich ebenfalls bereit erklärt hat, eine namhafte Summe zu spenden. Dies aber unter der Bedingung, dass sie satzungsgemäß an eine private Adresse geht. "Das ist eine super Idee", fand auch Rainer Bissinger, der Vorsitzende der Haigerloch Ski- und Bergfreunde, die 500 Euro zum Gelingen dieser Spendensammelaktion beitrugen.

Dank an alle Helfer

Zweieinhalb Wochen intensive Vorbereitungszeit und viel Herzblut von einer großen Zahl an freiwilligen Helfern steckt in dieser Aktion, die nach erster Einschätzung zu einem großen Erfolg wurde, obwohl die genaue Spendensumme erst in einigen Tagen feststehen wird. Die Schwestern danken an dieser Stelle all ihren Helfern, den beteiligten Firmen und allen hilfsbereiten Menschen, die dieses Event erst möglich machten.

Allein an der Tälessee-Halle haben sich gegen 12 Uhr weit mehr als 300 Wanderer eine Laufkarte geholt und sich in die Streckenliste eingetragen. Darunter viele Gruppen, wie beispielsweise die Empfinger Freundinnen, aber auch junge Leute, die mit Kind und Kegel einen Ausflug machten, oder die "Best-Ager", die vielleicht nur ein oder zwei Etappenziele abliefen. "Wir machen’s gerne, es tut uns gut, es ist gesund, wir treffen nette Leute und können mit ein paar Euro auch noch einer Familie helfen, die alles verloren hat", so die Aussage einer Familie, bevor sie gemeinsam losmarschierten. Eine gute Einstellung, die sicher von den allermeisten Teilnehmer geteilt wurde.