Wo Wanderer Ruhe finden, scheinen manche Biker den Nervenkitzel zu suchen: Auf der „Niedereschacher Kulturrunde“ wurde eine provisorische Sprungschanze entdeckt.
Seit das Mountainbike die Radlerwelt bereichert hat, gibt es immer wieder Konflikte, wenn sich Biker und Wanderer auf engen Pfaden und Waldwegen begegnen und ein Biker plötzlich um die Kurve schießt. Böse Blicke und laute Rufe sind nicht selten die Folge. Und der Konflikt verschärft sich immer mehr, weil zwischenzeitlich die E-Bikes dazugekommen sind.
Wer hätte gedacht, dass solche Begegnungen nun ausgerechnet auf dem vor genau zwei Jahren eröffneten Premiumwanderweg „Niedereschacher Kulturrunde“ zu befürchten sind – und das schon kurz nach dem Start in der Niedereschacher Ortsmitte nach dem Eschachpfad. Von dort führt der Premiumwanderweg steil bergauf über den von der Patenkompanie wieder instandgesetzten Serpentinenweg zum „Hummelberg“ hinauf. Anschließend verläuft die Route über den Schlosshof an der Fischbacher Straße zum Einstiegspunkt des ebenfalls von der Patenkompanie eingerichteten Römerpfades im Bubenholz, der schließlich zum Römerbad und zum römischen Gutshof führt.
Etliche gedanklich in sich und die idyllische Natur versunkenen Wanderer auf dem Serpentinenweg nach dem Eschachpfad glaubten jüngst ihren Augen nicht zu trauen, als sie sich auf dem ohnehin schon schmalen Pfad plötzlich an einer mit Armierungseisen befestigten Rampe vorbeidrücken mussten, die ja nichts anderes sein konnte, als eine Sprungschanze für höchst ambitionierte Mountainbiker. Auch von herausgerissenen Bodenschwellen und Stangen am Sicherungsgeländer wurde berichtet.
Bauhof soll die Rampe entfernen
Wurde der Kulturwanderweg also als zu einer „Downhillstrecke“ umfunktioniert, wie sie in den Alpenregionen anzutreffen sind, und auf denen die Biker ihren Geschwindigkeitsrausch über Wurzelstöcke und Baumstümpfe austoben können? Und das auf einem Kulturwanderweg, auf dem die Wanderer ihre innere Einkehr suchen?
Ortsbaumeister Hartmut Stern erklärte auf Anfrage unserer Redaktion, dass diese Missstände bereits der Gemeinde zu Ohren gekommen seien. Der Bauhof sei bereits damit beauftragt worden, die Rampe zu entfernen und die beschädigten Sicherungen des Anstiegs wieder instand zu setzen.
Wer die ambitionierten Biker sind, darüber könne natürlich nur spekuliert werden.
Fahrradfahren auf Waldwegen
Landeswaldgesetz
Der Schwarzwald zählt zu den beliebtesten Mountainbike-Regionen Deutschlands. Da dort jedoch viele Wanderer unterwegs sind, und auch in anderen Regionen Mountainbiker auf Fußgänger treffen, gelten in Baden-Württemberg strengere Regeln als anderswo: Grundsätzlich ist das Fahren auf allen Wegen gestattet, die breiter als zwei Meter sind, so regelt es das Landeswaldgesetz. Damit sind 85 000 Kilometer Waldwege im Südwesten ohne Einschränkungen befahrbar. Umgekehrt bedeutet das: Liegt die Wegbreite unter zwei Metern, ist das Fahrradfahren nicht erlaubt.