Könnte für viel Geld umgebaut werden: das Zavelsteiner Wanderheim. Foto: Fritsch

Das Wanderheim inmitten der Zavelsteiner Krokuswiesen ist ein beliebter Zwischenstopp für Wanderer aus der Region. Jetzt will der Inhaber das Gebäude für einen Batzen Geld modernisieren. Doch ob das so kommt, steht noch in den Sternen.

Bad Teinach-Zavelstein/Calw - Das Zavelsteiner Wanderheim ist weithin bekannt, gerade in den Sommermonaten strömen viele Wanderer und Ausflügler in die Hütte, um sich zu stärken – sei es nach einem anstrengenden Marsch oder einer langen Fahrradtour. Aber auch kulturelles Programm wird dort immer wieder veranstaltet.

Doch der Bau ist in die Jahre gekommen und deshalb will der Schwarzwaldverein (SWV) Calw das Gebäude nun umfangreich auf Vordermann bringen. Deshalb befasste sich nun der Technische Ausschuss des Bad Teinach-Zavelsteiner Gemeinderates jüngst mit der Bauvoranfrage des SWV Calw. Das Problem an der Sache, wie es Bürgermeister Markus Wendel erläuterte: "Wir sind hier im Naturschutzgebiet Zavelsteiner Krokuswiesen." Wieso das Wanderheim, das schon seit der Ausweisung des Naturschutzgebiets im Jahr 1979 als Gastronomie betrieben worden war, jetzt komplett in diesem Gebiet liege und es keine Ausnahme gebe, verstehe selbst er nicht, gestand der Rathauschef ein. Aber weil das so ist, muss die Bauvoranfrage nach Paragraf 35 des Baugesetzbuches betrachtet werden – dieser regelt das Bauen im Außenbereich. "Ein Wanderheim im Innenbereich macht keinen Sinn", stellte Wendel klar. Und im Paragraf ist nun folgende Regelung zu finden: "Im Außenbereich ist ein Vorhaben nur zulässig, wenn öffentliche Belange nicht entgegenstehen, die ausreichende Erschließung gesichert ist und wenn es [...] wegen seiner besonderen Zweckbestimmung nur im Außenbereich ausgeführt werden soll."

An der Auslegung hängt es

Genau dieser zweite Punkt könnte das Vorhaben retten – oder eben auch nicht. Denn in der Gesetzeskommentierung, die Wendel nach dem Hinweis auf den eben zitierten Paragrafen zückte, sind solche Zweckbestimmungen aufgeführt. Unter anderem ist da von Skiliften, Almhütten oder Seilbahnen die Rede. Wendels Einschätzung: "Das Wanderheim kommt nah an eine Almhütte ran. Das steht halt nicht im Gebirge, sondern im Schwarzwald." Allerdings, das große Aber besteht darin, dass ein Anbau erlaubt wäre, wenn es sich noch um ein Wanderheim und noch nicht um eine Ausflugsgaststätte handelt. Letzteres wäre dann nämlich im Außenbereich nicht gestattet.

Eben diesen Konflikt sah auch Gemeinderat Gundolf Greule: Er tue sich da schwer, wenn das Wanderheim durch den Umbau "eher zur Ausflugswirtschaft" werde. Es bräuchte auch seitens des SWV Calw noch eine größere Vision, wo man denn hin wolle. Klar sei aber, so Greule, dass man das Wanderheim "in die neue Welt überführen" müsse – also modernisieren.

Grobplanung ist schon vorhanden

Eine grobe Planung gebe es aber bereits, erklärte Wendel: Die Küche soll vergrößert werden, neue Toilettenanlagen sind angedacht, auch die Umgestaltung von Lager und Kühlraum. Ein Aufzug zur Herstellung der Barrierefreiheit obendrein. Unterm Strich, schätzte der Bad Teinach-Zavelsteiner Rathauschef, käme da eine siebenstellige Summe zusammen. Das komme schon hin, bestätigte Calws SWV-Boss Jürgen Rust auf Anfrage unserer Redaktion. Vor eineinhalb Jahren habe man einst mit gut 1,6 Millionen Euro kalkuliert – vor Ukraine-Krieg, Gasknappheit und chronisch überhitztem Baugewerbe. Eine Preissteigerung ist also fast schon eingepreist. Immerhin: "Wir bekommen ordentlich Zuschüsse", zeigt sich Rust überzeugt. Dass das Wanderheim mitten im Naturschutzgebiet liege, das habe der SWV bis zur Bauvoranfrage auch nicht gewusst.

Laufwege und Logistik

Gerade mit Blick auf den gastronomisch tätigen Pächter wollte man das Gebäude umbauen, Laufwege und Logistik für den Gastro-Betrieb optimieren und im Obergeschoss einen Sozialraum für die Mitarbeiter einrichten.

Ob das alles so kommt, steht noch in den Sternen. "Wir reden hier im Konjunktiv", stellt Rust klar, der außerdem darauf verweist, dass beim SWV dann auch noch die Mitglieder über die Pläne final entscheiden müssen.

Doch zunächst muss vornehmlich im Landratsamt geklärt werden, ob der geplante Anbau das Wanderheim zur Ausflugsgaststätte macht oder nicht – und welche Auflagen aus dem Naturschutz hervorgehen. Klar ist für Rust einerseits: "Wenn es so wie geplant nicht geht, muss man sich überlegen, ob es noch Sinn macht."

Auf der anderen Seite weist Wendel auf die Zwickmühle zwischen Wanderheim und Ausflugsgastronomie hin und stellt klar: "Mehr darf da nicht mehr hinkommen." Das Landratsamt muss jetzt entscheiden, wie es weitergeht. "Das wird noch eine Weile laufen", prognostiziert Wendel abschließend. Zumindest der Bad Teinach-Zavelsteiner Ausschuss gab für das Vorhaben grünes Licht.