Abstimmen heißt: Demokratie üben. Die Walther-Groz-Schüler haben das bei ihrer Vollversammlung getan. Foto: Peter Demmer

Erstmals hat in der Kreissporthalle eine Vollversammlung der Walther-Groz-Schüler stattgefunden.

Mehr als 600 Köpfe zählte das Auditorium der „Schüler*innen Vollversammlung“ der Walther-Groz-Schule (WGS) in der Kreissporthalle. Über zwei Schulstunden lang wurde engagiert darüber debattiert, ob die WGS einen Raucherbereich brauche und ob es künftig trotz gestrichener Förderung einen „Sommeraktivtag“ geben solle.

 

Was nicht explizit auf der Tagesordnung stand, aber allem zugrunde lag: der Vorsatz, frei nach Willi Brandt an der Schule „mehr Demokratie zu wagen“.

Bei Schulleiter Fink offene Türen eingerannt

Gefasst worden war er über ein halbes Jahr zuvor, als die Klassensprecher samt ihren Stellvertretern im KulTurm tagten, um ihre Verbindungslehrerinnen und eine Schülersprecherin zu wählen. Damals formulierte die Schülermitverantwortung (SMV) das Ziel, im Rahmen einer Vollversammlung aller Schüler das gemeinsame Demokratieverständnis zu stärken und zu zeigen, dass an der WGS jede einzelne Stimme gehört und respektiert werde. Bei Schulleiter Hans-Jörg Fink stieß der Vorschlag auf offene Ohren, und so setzte ein internes SMV-Komitee, dem die Verbindungslehrerinnen Leandra Berghammer, Jennifer Kehrer und Annemarie Mayer assistierten, einen Termin an und stellte eine Tagesordnung auf.

Soll die Schule rauchfrei sein oder nicht?

Auf der stand an erster Stelle ein nicht ganz neuer Diskussionsgegenstand: Immer wieder hat es in der Vergangenheit die Überlegung gegeben, ob die aktuell rauchfreie Schule einen Raucherbereich einführen solle. Es wurde fair und mit Respekt diskutiert, obgleich die Positionen konträr waren: Die einen beklagten eine „Totaldiskriminierung der Raucher“, die anderen sprachen von „vorsätzlicher Umweltverschmutzung“ – und behielten am Ende die Oberhand: Das Votum für die Beibehaltung der rauchfreien Schule fiel am Ende sehr eindeutig aus; lediglich ein Fünftel der Schüler stimmte für einen Raucherbereich.

Ein aktiver Tag im Sommer – aber ohne Zuschuss

Nächstes Thema: der „Sommeraktivtag“, ein Schultag für lehrplanfremde Angebote, der alljährlich am Schuljahresende stattfindet. An der WGS hat er lange Tradition; das Spektrum der Aktivitäten reicht vom „Paper & Pencil“-Spiel bis hin zu sportlichen Angeboten und geführten Wanderungen. Die durchaus aufwendige Organisation lag in den vergangenen Jahren hauptsächlich in den Händen von Lehrkräften; etwaige Kosten wurden mit Hilfe von Fördermitteln beglichen.

Die stehen allerdings in Zukunft nicht mehr zur Verfügung, und so müssen die Teilnehmer nun Zuzahlungen leisten. Gleich ließen sich aus dem Plenum viele Stimmen vernehmen, die betonten, wie wichtig der Blick über den Tellerrand, sei, sprich: die Möglichkeit, wenigstens an einem Tag im Schuljahr die ausgefahrenen Gleise zu verlassen. Fast einstimmig wurde beschlossen, dass es auch weiterhin einen Sommeraktivtag geben soll.

Fazit: Auf Nachfrage stellten fast alle Schüler fest, dass es großartig sei, endlich auch mal gefragt zu werden und mitreden zu können. „Es macht einen großen Unterschied, ob uns einfach etwas vorgegeben wird oder ob wir selbst darüber beschließen können.“

Je früher desto besser

Auch die Verbindungslehrerinnen waren zufrieden: Es genüge nicht, nur Spielregeln der Demokratie zu erklären; vielmehr müsse sie, gerade heutzutage, eingeübt werden – je früher, desto besser. Schon deshalb sollen auf diese erste Vollversammlung weitere folgen und eine breit gestützte demokratische Teilhabe aller Schüler der WGS gewährleistet werden.