Die Automobilindustrie ist wegen einbrechender Absatzzahlen in Bedrängnis. Das betrifft auch hiesige Zulieferer. Bei der Vöhrenbacher Firma Walor stehen Kündigungen ins Haus.
Derzeit laufen die Gespräche zwischen Gewerkschaft und Betriebsleitung, wie Thomas Bleile, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Villingen-Schwenningen, auf Anfrage bestätigt.
Die Verhandlungen verliefen „zäh“, so Bleile. Jede Seite versuche aus ihrer Sicht das Optimale herauszuholen. „Beschäftigtenabbau ist nichts, womit wir uns abfinden wollen, aber vermutlich wird es nicht zu verhindern sein.“
Von Walor äußern sich unserer Redaktion gegenüber Geschäftsführer Arnaud Louise-Alexandrine und Personalleiter Christopher Ummenhofer in einer schriftlichen Stellungnahme. Sie erklären: „Wir müssen uns leider von 36 Personen bis zum Ende des Jahres trennen.“
Kündigungspläne betreffen 20 Prozent der Belegschaft
Das sind immerhin 20 Prozent der Belegschaft. Aktuell beschäftige Walor circa 180 Mitarbeiter, so die Geschäftsführung.
Auch schon in den vergangenen Jahren wurde die Zahl der Arbeitsplätze reduziert. Soweit Bleile bekannt ist, habe Walor vor der Corona-Pandemie über 200 Mitarbeiter gehabt. Louise-Alexandrine und Ummenhofer meinen hierzu: „Der bisherige Abbau erfolgte fast ausschließlich durch sozialverträgliche Maßnahmen.“
Wie kam es zu der jetzt geplanten Kündigungswelle? Die Krise in der Automobilindustrie „betrifft natürlich auch unser Werk in Vöhrenbach“, so die Geschäftsführung. Und merkt zu den US-Zöllen an: „Da wir weltweit liefern, sind wir indirekt auch von den USA-Zöllen betroffen.“
Corona hat Spuren hinterlassen
Ebenso gingen die Corona-Pandemie und die damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen nicht spurlos an Walor vorbei. Die Walor-Unternehmensgruppe sei „aufgrund von Corona und der Ukraine-Krise in finanzielle Schwierigkeiten“ geraten. „Ferral United, beziehungsweise Mutares hat das Potenzial erkannt und die komplette Walor-Gruppe mit allen Werken gekauft.“ Davon betroffen war auch das Werk in Vöhrenbach. Der Wechsel zu Ferral United erfolgte 2023. Ferral United sei ein Unternehmen der Mutares SE, die ihren Sitz in Frankfurt habe, informieren Louise-Alexandrine und Ummenhofer.
Wie verlaufen die Verhandlungen mit der Gewerkschaft aus Sicht der Walor-Geschäftsführung? „Wie immer stehen sich zwei Parteien gegenüber mit unterschiedlichen Ansätzen und Ideen. Trotzdem haben wir ein gemeinsames Ziel. Den Standort Vöhrenbach für die Zukunft zu sichern und uns für die Zukunft vorzubereiten“, so Louise-Alexandrine und Ummenhofer. In ihrer Stellungnahme heißt es weiter: „Die Zusammenarbeit mit den Verhandlungspartnern läuft konstruktiv. Wir sind zuversichtlich, dass wir in dieser schwierigen Situation eine Lösung finden werden, die auch den Verlust des Arbeitsplatzes abfedern wird.“
Betriebe haben Kurzarbeit angemeldet
Walor ist nicht der einzige Betrieb in der Region, der von der schwächelnden Automobilindustrie betroffen ist. Laut Gewerkschafter Bleile sind 40 Prozent der Beschäftigten im Schwarzwald-Baar-Kreis im verarbeitenden Gewerbe tätig, darunter auch etliche im Automobilbereich. Die Krise im Automobilsektor habe breite Auswirkungen. Betriebe würden Investitionen verschieben. Das bedeute auch fürs Handwerk weniger Aufträge. Beschäftigte hätten Angst um ihren Arbeitsplatz, würden weniger Anschaffungen machen. Das spüre dann der Handel.
Die Möglichkeit der Kurzarbeit werde von mehreren Automobilzulieferern genutzt, so Bleile. Manche Betriebe hätten schon fast ein Jahr Kurzarbeit angemeldet. Betroffene Beschäftigte würden zum Teil nur ein oder zwei Tage in der Woche arbeiten. Explizit um Kündigungen gehe es aktuell nur bei Walor, so Bleile mit Blick auf den Schwarzwald-Baar-Kreis. Seine Sorge sei aber, dass weitere Betriebe folgen könnten.
Hoffnung liegt auf Maßnahmenpaket der Regierung
„Einige warten auf den Herbst der Reformen“, den die Bundesregierung in Aussicht gestellt habe. Das sorge für Hoffnung. Bleile geht davon aus, dass das erste Quartal im nächsten Jahr von entscheidender Bedeutung sein wird, wie sich die Unternehmen weiter wirtschaftlich aufstellen können und ob es wieder spürbar bergauf geht. „Meine Hoffnung ist, dass die Betriebe so lange ihre Beschäftigten an Bord halten.“
Wie kann es mit Walor in Vöhrenbach in reduzierter Personalstärke weitergehen? Die bisherigen Produktionssparten würden beibehalten, betont die Geschäftsführung. „Wir passen uns an die geringere Auslastung an und optimieren unsere Prozesse, um unseren Kunden auch weiterhin mit unseren Kompetenzen zur Seite zur stehen“, blicken Louise-Alexandrine und Ummenhofer voraus. Um wirtschaftlich Boden zu gewinnen, seien neben einer Senkung der Personalkosten auch Einsparungen im Einkauf, Preisverhandlungen mit Kunden und der Eintritt in neue Märkte beabsichtigt.
Firmengeschichte
Walor
in Vöhrenbach hat seine Ursprünge im Jahr 1863 mit einer Firmengründung durch die Familie Dold. Damals ging es um Holzverarbeitung, vor allem für Kuckucksfronten. Seit 2017 ist das Unternehmen ein Teil der französischen Walor-Gruppe, seit 2023 ein Teil von Ferral United. Walor produziert laut Geschäftsführung „hauptsächlich komplexe Body-in-White-Teile“. Dabei handelt es sich um die Rohkarosserie eines Fahrzeugs.