Der Vandalismus an der Außenmauer der Wallfahrtskirche Weggental ist provisorisch mit weißem Stoff überdeckt. Foto: Daniel Begemann

Die Worte „Kirche: Missbrauch + Rassismus“ sprühten Unbekannte in dieser Woche an die Außenwand der Wallfahrtskirche im Rottenburger Weggental. Der Vorfall kommt wenige Tage nach Medienberichten über eine umstrittene schwarze Figur an der Krippe.

Inzwischen ist die Schmiererei an der Wand der Wallfahrtskirche mit weißem Stoff überdeckt. Die Worte, die in Rottenburg nicht nur katholische Gläubige irritieren und entsetzen, schimmern schwarz durch das weiße Tuch hindurch. Was auch auffällt: Ein Blatt Papier in Din-A4-Größe wurde an mehreren Stellen an der Kirchenmauer befestigt.

 

Ein Mann, der sich als Katholik bezeichnet, führt darauf aus, wie er die Schmiererei an der Kirche empfindet. Er schreibt unter anderem: „Es wird sicherlich den einen oder die andere geben, die sich noch an die Anfänge des Dritten Reiches erinnern können. Da wurden durch die nationalsozialistische Ideologie und Propaganda mehr und mehr zuerst die Juden und dann auch die Kirchen verunglimpft. (...) Und jetzt, wie sieht es heute aus? Es werden Feldkreuze zerschlagen, frisch restaurierte religiöse Denkmäler zerstört, mit Farbe besprüht, Heiligenfiguren zerschlagen und sogar in Einzelfällen Kirchen angezündet.“

Entsetzte Reaktionen aus der Öffentlichkeit sind unter anderem in sozialen Netzwerken zu vernehmen. Auf der Facebook-Seite Dein Rottenburg geben Nutzer unter anderem folgende Kommentare ab: „Für einen Aufruf zur Aufklärung ist diese Schmiererei schlicht ungeeignet“, schreibt Daniel S. Fabian H. meint: „Dann doch lieber einen Leserbrief schreiben, mit seinem Namen drunter, aber dafür fehlt der Anstand und die Vernunft.“ Sabine K. schreibt: „Einfach nur blöd die Aktion und schade um das schöne Gebäude. Wer die Neigung hat, Schutzbefohlene zu missbrauchen, den muss man nicht nur in der Kirche suchen. Da gibt es auch noch jede Menge andere Institutionen, aus denen man nicht so einfach austreten kann.“ Samoht S. meint: „Der Missbrauch in der Kirche muss aufgedeckt und bestraft werden. Aber so bestimmt nicht, das ist stumpfer Vandalismus!“

Immer wieder Vandalismus

Fälle von Vandalismus treffen in Rottenburg immer wieder Denkmale mit einer Verbindung zur Kirche. So wurde etwa im Herbst 2023 der aufwendig restaurierte Altstadtkreuzweg nur wenige Wochen nach seiner Weihe gleich zweimal hintereinander beschädigt. Die vorangegangene Restaurierung des Kreuzwegs war damals ein Projekt der Bürgerstiftung Rottenburg und der Gemeinde St. Moriz.

Der aktuelle Vorfall an der Wallfahrtskirche kommt nur wenige Tage, nachdem der Weggentaler Wallfahrtsrektor Johannes Holdt eine umstrittene Missions-Spardose, die in Form einer schwarzen Kinderfigur vor der großen Krippe in der Kirche steht, als „Besuchermagnet“ bezeichnet hatte. Das Besondere an der Figur: Wirft man eine Münze in die Öffnung, bedankt sie sich mit einem freundlichen Nicken. Landläufig bekannt ist die Missions-Spardose als „Nicknegerle“.

Diese Figur, die als Missions-Spardose dient, ist bei vielen Besuchern beliebt. Sie sorgt aber auch immer wieder für kritische Stimmen. Foto: Daniel Begemann

In der Vergangenheit war die Figur wegen heftiger Kritik auch schon einige Jahre lang nicht mehr ausgestellt worden. Heute komme sie bei den meisten Besuchern jedoch gut an, das zeige sich deutlich am Spendenaufkommen, versicherte der Wallfahrtsrektor in einem Bericht unserer Redaktion vor wenigen Tagen.

Infotafel zu Missions-Spardose

Mit einer Hinweistafel an der Krippe verdeutlicht die Kirchengemeinde, warum die Missions-Spardosen aufgestellt sind: „Gott kommt in der Geburt Jesu zu allen Menschen. Dies wird in der Weggentaler Krippe dargestellt und verkündet. Für viele Krippenbesucher ist es ein Bedürfnis, Menschen, denen es nicht so gut geht, auf ihrem Lebensweg zu helfen. Ihre Spenden fließen in diesem Jahr in ein Projekt des internationalen Kolpingwerks: „Bildung öffnet Zukunftschancen“. Ein Teil der Spenden verbleibt im Weggental.“

Die umstrittene Spardose verteidigt der Autos des Din-A4-Schreibens draußen an der Kirchenwand. Er schreibt: „Ich war letztes Jahr in Nigeria und habe die Menschen dort im bevölkerungsreichsten Land Afrikas erlebt. Sie sind arm, erfindungsreich und dankbar, und sie leben wirklich nachhaltig, obwohl sie nicht davon reden. Wenn Sie dort eine Tüte Bonbons verteilen, dann sind Sie schnellstens von einer ganzen Traube Menschen umgeben, und nicht nur von Kindern. Ja, sie nicken dankbar, und ich finde, dass das Nicknegerlein (ich nenne es absichtlich so) ganz klar macht, wohin das gesammelte Geld geht. Vielleicht klarer als der alternative Wurzelsepp, der sich aber nicht durch Nicken bedankt.“

Die große Krippe in der Wallfahrtskirche zieht viele Besucher an. Foto: Daniel Begemann

Respekt „ungeachtet der Hautfarbe“

Den Rassismusvorwurf bezeichnet der Schreiber als absurd. Er schreibt: „Wir respektieren einander nicht nur ungeachtet der Hautfarbe, sondern wir lieben einander, weil wir durch Christus über Kontinente hinweg im Herzen einander so ähnlich geworden sind wie Brüder und Schwestern.“

Dass die Wallfahrtskirche für viele Rottenburger und für auswärtige Besucher ein wichtiger Ort zur Ausübung ihres Glaubens ist, zeigt das Bild, das sich am Freitagvormittag bietet. Menschen stehen andächtig vor der großen Krippe, nehmen sich in der Kirche Zeit zum Innehalten oder bestaunen schlichtweg die schmuckvolle Architektur der Wallfahrtskirche. Auch an diesem Tag sammelt die schwarze Kinderfigur wieder Spenden. Als die Münze deutlich hörbar in die Spendenbox fällt, dankt sie für die Gabe mit einem freundlichen Nicken.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart möchte sich zu dem Vandalismus-Vorfall in den kommenden Tagen äußern.