Ehrengäste in Heiligenbronn: Kirchengemeinderats-Vorsitzender Michael Weiß (von links), Ortsvorsteher Friedrich Hassel (beide Salzstetten), Fördervereins-Vorsitzende Birgit Müller, Wallfahrtspfarrer Anton Romer, Bürgermeisterin Annick Grassi, Wallfahrtsseelsorgerin Martina Küting und Weihbischof Johannes Kreidler.Foto: Maier Foto: Schwarzwälder Bote

Religion: Neuer Begegnungsraum im Wallfahrtsort Heiligenbronn eingeweiht / Kosten von 280 000 Euro

Im katholischen Wallfahrtsort Heiligenbronn ist der neue Begegnungsraum im Schwesternhaus offiziell eingeweiht worden. Neben der Wallfahrtskirche "Zur schmerzhaften Muttergottes" haben die Pilger jetzt einen Treffpunkt für Begegnungen und Gespräche.

Waldachtal-Heiligenbronn. Wallfahrtspfarrer Anton Romer sprach das Segensgebet und besprengte die Räumlichkeiten mit Weihwasser. Allen Menschen, die hier ein- und ausgehen, sprach er den Segen Gottes zu. Romer dankte allen am gelungenen Umbau Beteiligten. Der neue Begegnungsraum solle zur geistlichen Stärkung dienen.

Ordensschwester Martina Küting las ein Bibelwort und begrüßte den Segen für die Gastfreundschaft, die hier gelebt werden darf: "Der neue Raum bietet uns die Möglichkeit, die Kostbarkeit der Begegnung zu erleben und neu zu entdecken und einzuüben." Dass Gastfreundschaft etwas Urchristliches sei, zeigten Abraham, der Heilige Benedikt und ein gutes Beispiel aus der Apostelgeschichte nach dem Schiffbruch von Paulus vor Malta.

Michael Weiß, Laienvorsitzender der gastgebenden Kirchengemeinde Salzstetten, lobte das Werk fleißiger Hände, vieler Helfer und Unterstützer. Stellvertretend für alle hob er die unermüdliche Arbeit von Wolfgang Dettling, Salzstetten, und des Bauausschusses hervor. "Heiligenbronn ist ein Magnet und zieht viele Menschen an", hob Weiß hervor. Er wünschte den Segen Gottes für die Räume. Den Fokus lenkte er auf Begegnungen und Glaubensgespräche: "Alles wirkliche Leben ist Begegnung", zitierte er den Religionsphilosophen Martin Buber.

Der emeritierte Weihbischof Johannes Kreidler beglückwünschte den Wallfahrtsort vor der Haustüre seines Heimatortes Grünmettstetten "zu diesem wunderschönen Begegnungsraum". Nach eineinhalb Jahren des Abstandwahrens dürfe man wieder präsent sein. Ein "Vergelts Gott" sprach der 75-jährige Würdenträger neben allen Handwerkern und ehrenamtlichen Helfern auch dem Kirchengemeinderat Salzstetten und allen Spendern aus. "Zum Wallfahrtsort gehöre das Ankommen und das Dasein dürfen." Dem Wallfahrtsort und den Wallfahrern sprach Weihbischof Kreidler den Segen Gottes zu. Mit Blick auf die lodernde Heiligenbronner Osterkerze solle man Not und Solidarität mit hineinnehmen.

Bürgermeisterin Annick Grassi zeigte sich erfreut, dass das Wirken von Schwester Martina spürbar ist: "Heiligenbronn ist wieder ein Ort für gelebte Gemeinschaft." Mit einem Tomatenstock aus ihrem Gewächshaus als Geschenk für den Wallfahrtsort überraschte die Bürgermeisterin: "Dieser soll Früchte tragen wie Heiligenbronn!"

Salzstettens Ortsvorsteher Friedrich Hassel meinte, Begegnungen wie sie zukünftig in Heiligenbronn möglich sind, bereicherten unseren Alltag und unser Leben: "Sie sind uns Kraftquelle und geben uns Halt und Zuversicht in einer herausfordernden Zeit mit Katastrophen wie der Corona-Pandemie oder Überschwemmungen. Diese können wir nur ertragen und tragen, wenn wir Solidarität und Zusammenhalt untereinander erfahren." Die Grundlage dafür seien Begegnungen, wertschätzende, offene und wahrhaftige. "Wenn wir aufhören, uns zu begegnen, ist es, als hörten wir auf zu atmen." Er wolle den Ortschaftsrat Salzstetten dafür gewinnen, diesen Begegnungsraum auch in Anspruch zu nehmen. Hassel überreichte ein Buch, das als Gästebuch Verwendung finden kann.

Für Birgit Müller, Vorsitzende des Fördervereins Wallfahrtskirche, geht mit dem "Pilgerstüble" ein langgehegter Wunsch in Erfüllung, um nach den Gottesdiensten gemeinsam etwas zu Trinken oder Zeit für Gespräche zu haben. Sie dankte allen Fördermitgliedern und Spendern, die es ermöglichten, 50 000 Euro zur Mitfinanzierung des Begegnungsraumes einzusetzen. Überdies kamen über 5740 Euro durch einen Spendenaufruf aus der Bevölkerung dazu. Sie dankte allen Ehrenamtlichen und Unterstützern und der Kirchengemeinde St. Agatha und dem Kirchengemeinderat Salzstetten, welche die gesamte Planung und den Großteil der Kosten der Umbaumaßnahmen getragen haben.

Insgesamt, so Wallfahrtspfarrer Romer gegenüber unserer Zeitung, werde der Kostenvoranschlag von 220 000 Euro überschritten: "Wahrscheinlich werden wir das gesamte Bauvorhaben mit 280 000 Euro abschließen können." Inkludiert sind dann auch die Kosten für die Verlegung der Schwesternwohnung ins Obergeschoss und die Einrichtung. Daher sei man dankbar für jeden Euro Spende, der noch kommt.

Peter Straub und sein Familien-Chor bereicherten die Feier mit niveauvollen Gesangsdarbietungen. Das Lied "Im Meer der Zeit nicht untergehen" nahm Bezug auf die aktuelle Jahrhundert-Flutkatastrophe in Deutschland, welche die Menschen hierzulande tief erschüttert hat. Die von Wallfahrtseelsorgerin Martina Küting entzündete Heiligenbronner Osterkerze soll von hier aus allen Betroffenen "Kraft und Hoffnung schenken".

Die Nonne vom Orden der Schwestern der Heiligen Maria Magdalena Postel fragte: "Ist es nicht so, dass wir alle in den Stürmen unserer Zeit stehen?" Sie sagte: "Nur wenn wir hier in Heiligenbronn zusammenstehen, werden wir ein Ort, in den Vorübergehende für einen Moment einen Anker werfen können, ausatmen und aufatmen können. Was dann geschieht – das ist Gottes Geheimnis mit jedem Einzelnen."

Pastoralreferent i.R. Gerhard Rauscher von der Bischof-Moser-Stiftung bezeichnete im Gespräch mit unserer Zeitung den neuen Begegnungsraum als "Gottesgeschenk". Viele Pilger hätten sich das gewünscht. Jetzt werde es möglich sein, dass zu Gebet und Besinnung auch ein Ort für Gastfreundschaft angeboten werden könne. "Das passt zusammen." Gastfreundschaft sei ein Merkmal der Kirche. "Heiligenbronn ist eine geistige Perle im Nordschwarzwald", hob Rauscher hervor.

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