Fußball ohne Rennen – klingt zunächst ungewöhnlich, begeistert derzeit jedoch viele Sportler. Tobias Hummler startet das Projekt Walking Football in Pfaffenweiler für jung und alt.
Kein Sprint, keine Grätschen und kein Torwart – und doch ist es Fußball. Walking Football bringt Fußballbegeisterte, oder solche, die es werden wollen, auf dem Sportplatz zusammen. Dabei spielt es keine Rolle, wie alt oder wie fit die Teilnehmer sind.
Tobias Hummler hat diese Form des Fußballs nun auch in Pfaffenweiler ins Leben gerufen. „Mein erster Eindruck war, braucht kein Mensch“, sagt er über seine erste Reaktion auf die neue Sportart. Nachdem er sich jedoch intensiver damit beschäftigt habe, sei ihm das Potenzial des Projekts bewusst geworden. Kurzerhand entschied er sich, eine Fortbildung zu absolvieren und eine spezifische Trainerausbildung abzuschließen.
Während der Fastnachtszeit habe er in einem Stüble Freunden und Kollegen von der Idee erzählt. Diese waren direkt begeistert und boten ihre Teilnahme an. Hummler gründete daraufhin eine Whatsapp-Gruppe mit inzwischen 62 Interessierten aus der gesamten Region.
Das Training findet seit dem 13. April, jeden Montag, von 19 bis 20.30 Uhr auf dem Sportplatz beim FC Pfaffenweiler statt. Willkommen ist jeder, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Geplant ist zunächst ein Zeitraum von April bis Oktober. In den Wintermonaten soll bewusst nicht in die Halle ausgewichen werden, da dies nicht zum Charakter der Sportart passe.
Steigende Teilnehmerzahl
Beim ersten Training waren laut Hummler 19 Teilnehmer auf dem Platz – und das bei strömendem Regen. Als „überragend“ beschreibt er die Beteiligung. Sieben Mitstreiter mehr waren es bereits bei der zweiten Auflage. Der jüngste ist 39, der älteste 58 Jahre alt. Ursprünglich hatten sich 24 Personen angemeldet, also zwei weniger als letztendlich vor Ort waren – „Top“, sagt Hummler dazu. Besonders freute ihn, dass vereinzelte Zuschauer der Vorwoche sich kurzerhand entschieden, dieses Mal als Spieler dabei zu sein.
Bei der nächsten Jahreshauptversammlung soll aus dem Projekt ein offizieller Unterverein werden. Aus versicherungstechnischen Gründen müssten die Spieler dann Mitglied beim FC Pfaffenweiler sein, sofern sie es nicht bereits sind. Eine Konkurrenz zur bestehenden AH-Mannschaft sieht Hummler nicht, auch weil die Trainingszeiten bewusst getrennt sind. Einige Teilnehmer nutzten bereits beide Angebote.
Nach einer kurzen Besprechung geht es mit dem Training los, auch Hummler mischt aktiv als Spieler mit. Die Interessierten werden in vier Teams mit sechs beziehungsweise sieben Spielern aufgeteilt. Da spezielle Tore mit einem Meter Höhe und drei Metern Breite noch nicht vorhanden sind, werden klassische Tore benutzt und gekippt – denn einen Torhüter gibt es bei dieser Variante des Fußballs nicht. Zusätzlich gibt es einen Torraum, ähnlich wie beim Handball, der nicht betreten werden darf. Handspiel, Grätschen sowie Pässe oder Schüsse über der Hüfthöhe sind ebenfalls nicht erlaubt. Beim Laufen muss ein Fuß immer den Boden berühren, und es darf nicht gesprintet werden.
Anschließendes Zusammensitzen
Während der Spiele ist die Stimmung durchweg positiv. Bei Unklarheiten erklärt Hummler die Regeln direkt auf dem Platz, auch den Gegenspielern. Die Verlierermannschaft des kleinen Turniers übernimmt die Getränkekisten für die kommende Woche – denn im Anschluss gibt es noch ein Zusammensitzen in der Kabine. „Das Gesellige ist das A und O“, betont Hummler.
Auch aus anderen Bezirken habe es bereits Anfragen für Testspiele gegeben. Perspektivisch könne er sich sogar eine Teilnahme an der süddeutschen Meisterschaft vorstellen. Bis dahin stehen jedoch noch viele Trainingseinheiten an – ganz ohne Leistungsdruck, aber mit umso mehr Freude am Spiel.
Die Marschroute ist eindeutig: „Einfach vorbeikommen und ausprobieren – Kickschuhe und gute Laune reichen völlig aus“. Weitere Infos gibt es bei Tobias Hummler unter 0172/5 91 46 02.
Was ist Walking Football?
Definition
Die Sportart wurde 2011 in England erfunden und wird mittlerweile immer mehr auch in Deutschland gespielt. In gemischten Mannschaften unabhängig von Alter, Geschlecht und Leistungsstand stehen der Spaß am Fußball, die sozialen Kontakte und die Freude an der Bewegung im Vordergrund. In der Regel wird Walking Football im 6-gegen-6 auf einem Kleinfeld (42x21 Meter) mit kleineren Toren und ohne Torwart gespielt. Die Größe des Feldes und der Tore kann jederzeit angepasst werden. Der wichtigste Grundsatz ist jedoch: Das Rennen und Laufen – egal ob mit oder ohne Ball – ist verboten. Zudem darf der Ball nur flach gepasst werden. Ein Ball, der über die Höhe der Hüfte gespielt wird, gilt als Regelverstoß. Darüber hinaus entfällt beim Walking Football die Abseitsregelung.