Mit schwerem Gerät wird das Holz im Hechinger Stadtwald aufgearbeitet – hier entstehen Hackschnitzel. Foto: Roth

Sturmereignisse, Trockenheit, Borkenkäfer: Die Waldbewirtschaftung wird auch in Hechingen zur Herausforderung. Stadtförster Jürgen Baumer sieht die Krise auch als Chance.

Dezember im Hechinger Stadtwald: Der Holzeinschlag nimmt an Fahrt auf; Stadtförster Jürgen Baumer und sein Team haben alle Hände voll zu tun. Einige Bäume sind bereits mit einer Spraydose markiert. Diese gilt es bis ins kommende Frühjahr zu fällen und zu verarbeiten.

 

Die Klimaerwärmung, dazu Sturmereignisse und der dadurch begünstigte Borkenkäferbefall haben in den vergangenen Jahren auch im Hechinger Stadtwald ihre Spuren hinterlassen. Einige Waldgebiete sind licht geworden. Stadtförster Jürgen Baumer sagt: „Der Vorrat ist nicht unerschöpflich.“ Er selbst bezeichnet sich als „Krisenmanager“.

Gespannt blickt der Stadtförster auf die Forsteinrichtungsplanung ab dem Jahr 2028, die für zehn Jahre den Rahmen für die städtische Forstwirtschaft setzt. Wie hoch der Einschlag jährlich ausfallen könne, ohne die übergeordneten Ziele über Bord zu werfen, könne noch nicht abgesehen werden. Zur Einordnung: Für das Jahr 2026 sieht der Plan einen Holzeinschlag von 5200 Festmetern vor.

Naturverjüngung ist ein Weg zum Wald der Zukunft. Foto: Roth

Grundsätzlich ist das Hauptziel klar: Es soll pro nicht mehr Holz aus dem Wald entnommen werden, als nachkommt. „Langfristig soll so ein Vorrat aufgebaut werden“, spricht Baumer das Zielsetzungspapier an, dass der Gemeinderat nach dem Waldbegang 2017 festgehalten hat. Heißt: Walderhaltung steht weit vor der Produktionsfunktion.

Naturverjüngung im Fokus

Den Fokus legt das Forstteam auf die Naturverjüngung. Das bedeutet, dass sich junge Bäume durch Samenwurf von umstehenden Bäumen selbst nachpflanzen. Zusätzlich werden im Jahr 2026 rund 10 000 Bäume vom städtischen Forstteam gepflanzt – hauptsächlich robuste Douglasien, Kirschen oder Bergahorn. Entstehen soll so ein zukunftsfähiger Mischwald.

Besonders resistent ist beispielsweise die Eiche, deren Holz auch gut vermarktet werden kann. Die Eiche macht derzeit jedoch nur zehn Prozent am Baumbestand im Hechinger Stadtwald aus; dominant sind nach wie vor Buchen- (33 Prozent) und Fichtenbestände (18 Prozent). Letzterer wurde durch Sturm und die folgende Käferkalamität stark reduziert. Auch die Buche leidet zunehmend unter der Trockenheit.

Baum stirbt von oben her ab

Jürgen Baumer zeigt unserer Redaktion in einem Waldabschnitt bei Schlatt Buchen, deren Wipfel dürr werden. Weil das im Boden weniger werdende Wasser nicht mehr in der Baumkrone ankommt, stirbt der Baum von oben her ab. Sind Bäume krank, werden sie so schnell es geht und so weit es ihre Qualität zulässt, aus dem Stadtwald abtransportiert und zu Geld gemacht. Einerseits um den gesunden Bestand nicht durch Krankheitsübertragung zu gefährden sowie den Jungbäumen Licht zu verschaffen, andererseits um die wirtschaftlichen Faktoren im Blick zu behalten.

Biotope im Hechinger Wald wie hier in der Beurener Heide sollen das Ökosystem intakt halten. Foto: Roth

Baumer verfolgt dabei eine Devise, die auf seine Tätigkeit als Klimaschutzmanager einzahlt: „Das Holz der kurzen Wege.“ Sprich: Das Holz soll möglichst im Hechinger Umfeld verarbeitet werden. Buchenholz gehe beispielsweise auch an die Mössinger Firma Röwa und wird dort zu Lattenrosten verbaut. Schon während der Hiebsplanung im Sommer wird festgelegt, welchem Zweck das eingeschlagene Holz zugeführt wird. Am meisten Geld bringt indes häufig Eichenholz; dieses wird teils sogar bei Holzsubmissionen an den Höchstbieter verkauft.

Habitatbäume ausgewiesen

Neben dem klassischen Holzgeschäft macht inzwischen auch der Artenschutz respektive die Erhaltung des Ökosystems Wald einen gewichtigen Anteil der Forstarbeit aus. Hechingen ist beteiligt am Förderprogramm klimaangepasstes Waldmanagement. Damit die Stadt über das Programm Geld erhält, müssen unter anderem je Hektar Stadtwald fünf Habitatbäume ausgewiesen werden. Das sind meist Bäume aus Totholz, die Insekten beherbergen oder in denen sich Pilze ansiedeln können. Auf 1400 Hektar Hechinger Stadtwald stehen über 6000 Habitatbäume: „Diesen Wandel von Nutz- zu Schutzfunktion des Waldes fördern wir aktiv“, betont Baumer.

Biotope aufbauen

Er setzt sich in Zusammenarbeit mit der Hechinger NABU-Gruppe auch für den Aufbau und Erhalt von Biotopen ein – zum Beispiel in der Beurener Heide. Dort, so das Ziel, soll sich durch Feuchtstellen und Kalksteinhäufen die Kreuzotter mittelfristig wieder ansiedeln. Damit der Wald auch in Zukunft die grüne Lunge Hechingens bleibt.

Forstbericht im Verwaltungsausschuss

Sitzung
Zahlen zum Hechinger Stadtwald präsentiert Stadtförster Jürgen Baumer am Dienstag, 9. Dezember, im Verwaltungsausschuss. Dieser tagt ab 19.30 Uhr im Rathaus. Dazu legt Baumer den Waldwirtschaftsplan 2026 zur Abstimmung vor.