An der Waldorfschule in Rottweil geht die Konfrontation weiter: Zwar hat sich die Stimmung nach den lautstarken Protesten gegen die Corona-Maßnahmen etwas beruhigt, doch einige Familien schicken ihre Kinder weiter nicht zur Schule.
Kreis Rottweil - Dass die Schule die geltenden Corona-Regeln wie jede andere Schule umsetzt, bringt manche Eltern auf die Barrikaden. Sie weigern sich, ihre Kinder unter diesen Bedingungen zur Schule zu schicken. Wie zermürbend der Streit an der Waldorfschule inzwischen ist, zeigt sich in einem Schreiben der Schulleitung an Eltern und Kinder, das unserer Redaktion vorliegt.
Schulleitung am Limit
Darin heißt es unter anderem, man bitte eindringlich darum "von allen juristischen, inhaltlichen oder medizinischen Fragen, Belehrungen und Anregungen abzusehen. Wenn Sie Fragen oder Hinterfragungen an die Verordnungen und Gesetze haben, dann bitten wir darum, diese auch an die Verordnungsgeber zu stellen." Und die Schulleitung stellt klar: "Die Kräfte und Ressourcen, die diese Vorgänge in Anspruch nehmen, können nicht mehr geleistet werden und werden dringend zur Bearbeitung unseres Kerngeschäftes ›Schulbetrieb‹ benötigt.
Doch wie ist die aktuelle Lage genau? Schulleiter Christoph Sander erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass sich die Stimmung seit der Eskalation von Mitte September etwas beruhigt habe. Dennoch gebe es weiter Widerstand gegen die Tatsache, dass die Waldorfschule die geltenden Corona-Regeln mit Test- und Maskenpflicht durchsetzt.
Anträge gestellt
Die Kinder von zwei bis drei Familien seien seit den Sommerferien "kaum" in der Schule gewesen und würden krankgemeldet, erklärt Sander. Gleichzeitig gebe es Bestrebungen von einiger Eltern, ihre Kinder per Antrag von der Präsenzpflicht in der Schule befreien zu lassen.
Dieses Verfahren wiederum sei sehr aufwendig. Dazu sei ein medizinisches Gutachten erforderlich. Dieses müsse gemäß der rechtlichen Vorschriften klar darlegen, dass bei einem Kind oder einem nahen Angehörigen bei einer Covid-Ansteckung ein sehr schwerer Krankheitsverlauf befürchtet werden muss.
Die Familien würden sich in ihren Anträgen allerdings vorwiegend auf die psychische Belastung der Kinder durch den Schulbesuch unter Corona-Bedingungen berufen. Und das, so seine Einschätzung, werde wohl ins Leere laufen. Atteste, die tatsächlich einen Präsenzbesuch des Unterrichts verhindern würden, lägen noch nicht vor.
Währenddessen treffen bei Elternabenden die unterschiedlichen Meinungen aufeinander – obwohl im Vorfeld teilweise explizit darum gebeten wird, das Thema auszusparen. Es geht unter anderem darum, dass die Schule eben nicht verpflichtet ist, Kinder, die den Unterricht nicht besuchen, mit Lernstoff wie im Fernunterricht zu bedienen. Es gilt vielmehr, was sonst auch gilt, wenn ein Schüler krank ist: Mitschüler können diesem Arbeitsblätter oder ähnliches mitbringen, der Stoff muss dann eben nachgeholt werden.
Atteste fehlen bislang
Anders sähe es aus, wenn Kinder tatsächlich offiziell von der Präsenzpflicht befreit würden, erklärt Sander. Dann müsste die Schule eine Art Fernunterricht anbieten – was mit großem Aufwand verbunden wäre. Doch danach sieht es bislang nicht aus.
Stand der Dinge ist nun: "Von den Eltern müssen jetzt tatsächlich die notwendigen Atteste vorgelegt werden – oder die Präsenzpflicht muss durchgesetzt werden", so Sander. Zuständig sei dann das Ordnungsamt – und auch hier sei die Sache dann wieder recht kompliziert.
Der Schulleiter betont auch, dass sich der überwiegende Teil der zunächst protestierenden Eltern mit der Lage inzwischen "arrangiert" habe. Gespräche an einem runden Tisch oder in größeren Gruppen seien aber nicht möglich. "Dazu ist die Gemengelage bei den Eltern einfach viel zu unterschiedlich", sagt Sander. Es würden Einzelgespräche angeboten. Teilweise werde davon Gebrauch gemacht.
Hoffen auf Beruhigung
Die Schlagzeilen um den Streit an der Rottweiler Waldorfschule hätten zu vielfältigen Reaktionen geführt. "Die meisten schütteln den Kopf darüber", sagt Sander. Die Betroffenheit sei weiter groß. Er hatte Hoffnung, dass mit dem Wegfall der Maskenpflicht im Unterricht ab 18. Oktober weitere Beruhigung eintritt. Doch wie am Freitag bekannt wurde, wollen die Kultusministerien nun doch an den Masken festhalten. Das könnte bedeuten, dass der Streit an der Waldorfschule in die Verlängerung geht.