Saskia Meier im Trikot von Bayer Leverkusen - dem Fußball hat sie mittlerweile abgeschworen. Foto: Meier

Von kleinauf war es Saskia Meiers Traum, Fußballprofi zu werden. Bereits mit 17 debütierte die Waldmössingerin für den SC Freiburg, mit Bayer Leverkusen spielte sie in der Bundesliga. Heute arbeitet sie als Kauffrau für Büromanagement. Was ist da schief gelaufen?

Der Weg von Saskia Meier führte stets nach oben. Vom kleinen beschaulichen Waldmössingen ging es für die heute 25-Jährige auf die großen Fußballbühnen der Republik. Mit erst 23 Jahren entschied sich die junge Frau im Sommer 2020 dann aber für das Karriereende. Für viele in der Region sicherlich eine Überraschung. Kannten ihre Weggefährten die Waldmössingerin doch immer nur als "Saskia, die Fußballspielerin". Im Gespräch mit unserer Redaktion spricht Meier über die damaligen Umstände und wie sie ihren Frieden mit dem bezahlten Fußball gefunden hat.

 

Dem Bruder gefolgt

Ihre ersten Schritte auf dem Rasen hat die heute 25-Jährige beim SV Waldmössingen gemacht, wo ihr großer Bruder Yannik auch noch heute aktiv ist. "Ich war sofort Feuer und Flamme. Mir war schon früh klar, dass ich Fußballprofi werden will", sagt Meier. 

Mit 11 Jahren ging es für Meier dann zum SV Zimmern. Sie erinnert sich auch noch heute genau an das Spiel ihrer "Entdeckung": "Wir haben damals mit Waldmössingen gegen Fluorn gespielt. Die Jungs konnten damals nich akzeptieren, dass ich besser bin als sie, deswegen wurde ich oftmals in Dreifachdeckung genommen", sagt Meier und führt weiter aus: "Es hat sich dann herumgesprochen, dass ein Trainer von Zimmern am Sportplatz ist. Ein Vater eines gegnerischen Jungen, der mich das ganze Spiel gedeckt hat, ist dann davon ausgegangen, dass er wegen seinem Sohn da ist."

Eine überragende Leistung führt sie nach Zimmern 

Auch noch heute muss Meier schmunzeln, wenn sie an die Situation nach Spielende denkt: "Der Vater ist dann auf den Trainer zugegangen, um mit ihm über seinen Sohn zu sprechen. Nach einiger Zeit hat der Trainer dann gesagt 'halt stop, ich bin wegen der Saskia da'". Angesichts der Leistung von Meier in der Partie sollte der nächste Schritt nicht wirklich überraschend kommen. "Ich war an diesem Tag zum Glück überragend. Wir haben 8:0 gewonnen, und ich hab fünf Tore geschossen. Meine Eltern und ich waren dann sehr überrascht. Der SV Zimmern war damals ein Traum, das Nonplusultra im Jugendbereich", erzählt die heute 25-Jährige. Ihrem Traum vom Fußballprofi war Meier damit einen Schritt näher gekommen. 

"Beste Zeit der Karriere"

In Zimmern hat sie, wie die heute 25-Jährige erklärt, dann die beste Zeit ihrer Karriere erlebt. "Aus heutiger Perspektive hätte ich noch gerne länger beim SVZ gespielt. Die Zeit war sehr, sehr prägend." Meier kam dabei entgegen, dass sie lange bei den Jungs mitgespielt hat. "Das wurde auch später immer bei den U-Nationalmannschaften gepredigt. Man soll so lange bei den Jungs mitspielen, wie es nur geht", erinnert sich die Waldmössingerin. Vor dem zweiten C-Jugend-Jahr, im Alter von 14, sind dann die großen Vereine auf die heute 25-Jährige aufmerksam geworden. Den Zuschlag hat am Ende der SC Freiburg erhalten.

Obwohl sie jünger als ihre Mitspielerinnen war, hat sich Meier sofort in der U17 durchgesetzt. "Ich war viel aggressiver durch das Spielen mit den Jungs. Das wurde mir in den ersten Trainingseinheiten sogar vorgeworfen", blickt die gelernte Kauffrau zurück. Ein echtes Highlight ihrer Karriere stand im Dezember 2017 an. Mit der U17 ging es zur Europameisterschaft nach England. "Wir sind dann Europameisterinnen geworden – und das, obwohl ich im Finale einen Elfmeter verschossen habe. Das waren sehr intensive Wochen für mich", erzählt die Waldmössingerin.

Anfang bei den Profis ist sehr schwer

Als frisch gebackene Titelträgerin ging es für sie dann also zurück in den Breisgau. Dabei ist wichtig zu wissen: Damals gab es zwischen der U17 und dem Frauenbereich keinen Zwischenschritt mehr, Meier musste sich also direkt bei den Profis durchsetzen. "Ich hatte natürlich ein Hochgefühl. Ich wurde dann aber schnell auf den Boden der Tatsachen geholt, und mir wurde klar gemacht, dass ich noch nichts erreicht habe", sagt Meier. Für die junge Frau war es der erste Rückschlag in ihrer Karriere. "Bis dahin war alles ein Selbstläufer. Ich stand mit 17 zum ersten Mal im Bundesliga-Kader, aber der Anfang war sehr schwer, weil ich nicht wirklich eine Chance bekommen habe. Der SC hat brutal an älteren Spielerinnen festgehalten", erinnert sich die Waldmössingerin. 

Zeit in Sand ist zum Vergessen

Meier musste also wechseln, um Spielpraxis in ihren jungen Jahren zu erhalten – der Weg führte sie zum SC Sand. Was als hoffnungsvolle Zeit begann, entwickelte sich schnell zu einer Zeit zum Vergessen. "Ich habe super Gespräche mit dem Trainer gehabt, und er wollte auf mich setzen. Eine Woche später war er dann weg, weil er ein Angebot von einem anderen Verein bekommen hat", erklärt die heute 25-Jährige. Der Anfang vom Ende für Meier, wie sie heute sagt: "Der neue Trainer hat dann nicht wirklich auf junge Spielerinnen gesetzt." 

Rückblickend findet sie nicht mehr wirlich viele positive Worte für die zwei Jahre bei Sand: "Ich kam mir dort wieder vor wie bei Zimmern. Wir musste unsere Trainingsklamotten selbst kaufen, und es war nicht wirklich professionell dort. Ich wollte einfach schnell wieder weg", sagt Saskia Meier. 

Ausbildung als Entscheidungsgrund

Als es für sie im Sommer 2017 zu Bayer Leverkusen ging, sollte die Karriere endlich wieder Fahrt aufnehmen. "Ich konnte bei Bayer eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement absolvieren. Das war für mich wichtig, weil man im Frauenfußball jetzt nicht die Welt verdient", sagt die junge Frau. Denn: Leverkusen hat zu dieser Zeit nur zweite Liga gespielt. Für Meier war es also ein sportlicher Rückschritt.

Bei der Werkself gehörte die heute 25-Jährige schnell zum Stammpersonal, durfte im Aufstiegsjahr sogar ab und zu die Kapitänsbinde am Arm tragen. Fußballerisch ging es also wieder bergauf, neben dem Platz hatte sie jedoch mit den Belastungen zu kämpfen: "Das waren immer harte Tage für mich. Wir hatten früh um sieben Training, dann ging es für mich bis kurz nach vier ins Büro und dann abends nochmal Training." Laut Meier kein Vergleich zu den Männern. Einzig im Reha-Bereich sei damals nicht getrennt worden. "Da fragt man sich schon, was ist man eigentlich wert."

Verletzungen nehmen zu 

Meier sollte dem Pensum immer wieder Tribut zollen. So hatte die Waldmössingerin regelmäßig mit Verletzungen zu kämpfen. "Du bist schon wieder verletzt", musste sich die junge Frau das eine oder andere Mal dabei anhören. 

Die Verletzungen sollten die junge Frau weiter begleiten, doch Meier sagt auch: "In den wichtigen Partien war ich immer da und hab gespielt. Da hab ich schon den Spaß am Fußball wiedergefunden." Im zweiten Jahr ging es für Leverkusen nur um den Klassenerhalt. "Im letzten Spiel war ein wahnsinniger Druck drauf. Dann musste ich nach fünf Minuten verletzt runter. Da hab ich in der Kabine nur geweint, weil ich auch erst aus einer schwierigen Verletzung kam", gibt die Waldmössingerin zu. Was erst nach einem Bänderriss aussah, stellte sich später als Knöchelbruch heraus. Für Meier stand also wieder Reha auf dem Plan, doch diese verlief dieses Mal nicht reibungslos.

Knöchelbruch ist ausschlaggebend

"Es gab nie einen Punkt, wo ich wirklich schmerzfrei war. Als der Arzt mir dann gesagt hat, ich könnte später in meinem Leben Einschränkungen haben, habe ich mich schon gefragt, ob das alles noch Sinn macht." Es war ein Wendepunkt in der Karriere der jungen Frau. Der letzte Baustein sollte Corona sein. "In den Monaten hat alles gestoppt. Die Ausbildung hab ich aus dem Home Office gemacht. Da hat man schon gesehen, was man noch alles mit einem Tag anfangen kann. Es hat sich vieles nur noch erzwungen angefühlt", erklärt die heute 25-Jährige.

Erlebnisse nehmen Meier noch immer mit 

Noch heute, mehrere Jahre nach den Erlebnissen, nehmen Meier die Situationen mit, sodass sie während des Gesprächs immer wieder mit den Tränen zu kämpfen hat. Im März 2020 musste sich die junge Frau erst mal für zwei Wochen zurücknehmen, ihre Gedanken sammeln: "Ich kann doch jetzt niemals aufhören. Alle schauen doch auf mich, auch hier in der Region. Ich bin doch Saskia, die Fußballerin." Mit den Gedanken hat sie mittlerweile abgeschlossen, wie sie beteuert. Für Leverkusen hat sie schließlich noch ein Ligaspiel und ein Testspiel bestritten, bevor sie im Sommer 2020 die Reißleine gezogen hat.

Der Bruch kam dann final zum Anfang der neuen Saison, wie die Waldmössingerin rückblickend erklärt: "Es stand die mündliche Prüfung in meiner Ausbildung an. Für das Spiel mussten wir aber in ein Corona-Hotel." Von Seiten des Vereins habe sie die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen. Entweder sie sei dabei, oder sie könne es lassen. Es habe absolut das Verständnis vom Verein gefehlt, sagt die heute 25-Jährige, die sich für ihre Ausbildung entschieden hat. "Es ist einfach der Mensch auf der Strecke geblieben. Da hatte ich schon Angst, dass ich in eine Depression gerate", verrät Meier.

Dem Profifußball abgeschworen

Mittlerweile arbeitet die junge Frau als Kauffrau für Büromanagement in ihrem Heimatort in Waldmössingen. Mit dem Fußball habe sie ein gutes Ende gefunden, auch wenn sie teilweise eine gewisse Abneigung verspüre. Saskia Meier holt nun Teile ihrer Kindheit nach, denn: "Ich bin mit 14 nach Freiburg ins Internat. Meine Geschwister, meine Eltern, meine Familie hatten nicht viel von mir." Für kein Geld der Welt würde sie noch mal in den bezahlten Fußball gehen, die Zeit bereue sie aber dennoch nicht. Dem Sport bleibe sie auch weiterhin verbunden. Zum einen über ihren Bruder, zum anderen über ihren Verlobten, der als Profi in der Türkei spielt. "Es ging am Ende wenig um Saskia. Ich war mal Fußballprofi, jetzt bin ich das nicht mehr. Es war definitiv der richtige Schritt."