Rund 15 junge Leute standen für "Nachdenken statt Querdenken" ein.Foto: Wegner Foto: Schwarzwälder Bote

Proteste: Mit Plakaten gegen die erstmalige Aktion "Mondays for Future" und die Anal-Transparente vom 1. Mai

Waren die Plakate vom Wochenende nur ein Maischerz? Wohl eher nicht, wenn man alle genauer ansieht, sind sich Jonas und Elias Schmider sicher. Und machen deutlich: Nicht alle Waldmössinger denken so.

Schramberg-Waldmössingen. Zu deutlich, so sagen Jonas und Elias Schmider, seien die Anspielungen auf den Plakaten gegangen. Besonders eines, das an der Kreiselausfahrt in Richtung Oberndorf neben dem "Analtestzentrum" auch noch direkt auf Jens Spahn hingewiesen habe und deutlich homophob gewesen sei.

Viele Waldmössinger, so erzählen sie, hätten sich über die Aktion vom 1. Mai geärgert, auch weil diese ein Licht auf den Stadtteil werfe, das nicht passe. "Es gibt einige mit solchen Meinungen, und es seien auch immer wieder die gleichen", wissen die Brüder. Aber nicht alle Bürger in dem Stadtteil hätten ähnlich krude Meinungen, ganz im Gegenteil. So berichten sie auch, dass sich die Vereine im Vorfeld der angekündigten "Mondays for Future"-Veranstaltung von dieser Aktion deutlich distanziert hätten.

Was sie befremdlich finden ist, dass auch die Ortsverwaltung die ihrer Ansicht nach homophoben Plakate nicht bereits am Morgen des 1. Mai weggeräumt habe. Erst am Montag habe dies der Bauhof vorgenommen. Ihnen sei, wie bei ihrer Anfrage gesagt worden sei, schon klar, dass ein solches Wegräumen am Sonntag zusätzliche Kosten aufgrund von Überstunden oder Zuschlägen bedeuten könnte. Aber jetzt sei dazugekommen, dass nach dem Mai-Feiertag auch noch ein Sonntag gewesen sei und die Plakate dann noch einen Tag länger zu sehen gewesen seien.

Es habe halt in diesem Jahr aufgrund des Kalenders einen Tag länger gedauert – aber als sich die erste Person bei ihm gemeldet und die Plakate beanstandet habe, seien sie schon weggeräumt gewesen, sagt Ortsvorsteher Reiner Ullrich.

Zu kurzfristig

Eigentlich hatten die beiden Brüder aus Waldmössingen für den Montag eine Gegenveranstaltung zu den so genannten "Mondays for Future", die sich erstmalig im Stadtteil präsentieren, anmelden wollen. Doch aufgrund der Kurzfristigkeit war eine richtige Demo nicht möglich. Teilnehmer, davon gehen sie aus, hätten sie sicher gehabt – in ihrer Whatsapp-Gruppe, die sie für diesen Zweck initiiert haben, gebe es viele Gleichgesinnte. Aber auch ohne angemeldete Gegendemonstration nutzten die beiden Brüder und weitere junge Waldmössinger, die zusammen mit ihnen die Aktion "Wald(möss)i(ngen) bleibt bunt" unterstützten, am frühen Abend die Gelegenheit, ihre Plakate auf der Wiese beim Kreisel zu präsentieren.

Und als sich die Anti-Corona-Maßnahmen-Gegner, die sich kurz darauf versammelten, dann zum Beginn ihrer Veranstaltung auf der gleichen Seite der Seedorfer Straße aufstellten, zogen die jungen Leute um auf den Platz vor dem Feuerwehrmagazin. Sie forderten auf ihren Plakaten "Maske statt Aluhut" und "nachdenken statt querdenken" und schrieben "Kritik ja, aber" "ohne Verschwörung" und "ohne Diskriminierung".

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