Wird der geplante Waldkindergarten in der Waldsägemühle zum Luxusprojekt? Manche Gemeinderäte befürchten das. Foto: Ade

Betreuung: Planung für Waldkindergarten in Glatten sorgt für kontroverse Diskussion im Gemeinderat

Dem Antrag der Gemeindeverwaltung zur Baufreigabe von Umplanungen der Waldsägemühle zu einem Waldkindergarten hat der Glattener Gemeinderat bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen mehrheitlich zugestimmt. Dem voraus ging eine lange Diskussion.

Dem Antrag der Gemeindeverwaltung zur Baufreigabe von Umplanungen der Waldsägemühle zu einem Waldkindergarten hat der Glattener Gemeinderat bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen mehrheitlich zugestimmt. Dem voraus ging eine lange Diskussion.

Dem Antrag der Gemeindeverwaltung zur Baufreigabe von Umplanungen der Waldsägemühle zu einem Waldkindergarten hat der Glattener Gemeinderat bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen mehrheitlich zugestimmt. Dem voraus ging eine lange Diskussion.

Glatten. Nach langem Hin und Her hält die Gemeinde am Standort Waldsägemühle fest. Planerisch soll es wie besprochen weitergehen, alles soll aber so kostengünstig wie möglich vonstatten gehen, beschloss das Gremium.

Mehrheitlich abgelehnt wurde der Antrag von Gemeinderat Dieter Wörner, einen Waldkindergartenwagen anzuschaffen. Zum einen würden, um den gleichen Raumkomfort wie in der Waldsägemühle zu erreichen, zwei bis drei solcher Wagen benötigt, hieß es. Zudem gibt es rechtliche Hürden. Denn Glatten ist rundum von Landschaftsschutzgebieten umgeben, sodass keine genehmigungsfähigen Plätze für einen Wagen gefunden wurden.

In einem Schreiben an die Gemeinde weist der Gemeindeverwaltungsverband darauf hin, dass die Waldsägemühle ohne weitere Belastung des Außenbereichs zu einem Waldkindergarten umgenutzt werden könne. Die Errichtung eines Bauwagens sei für einen Waldkindergarten an anderer Stelle im Außenbereich nicht möglich, da dieser weit mehr belastet würde, als dies an der Waldsägemühle der Fall sei.

Ein weiterer Antrag Wörners, der auf mehr Mitspracherecht des Gemeinderats bei Kindergartenthemen abzielt, soll in einer Klausurtagung behandelt werden.

Eigenständiges Personal? Manch einem ist das neu

Den Planungsstand für die Einrichtung des Waldkindergartens in der Waldsäge stellte Ute Weik vom Gemeindeverwaltungsverband vor. Die Planung ist angelehnt an die Einrichtung bei Bauwagen. In der Waldsägemühle soll dazu das Erdgeschoss umgebaut werden. Das denkmalgeschützte Untergeschoss soll bleiben wie bisher, auch die denkmalgeschützte Säge bleibt erhalten. Angedacht ist der Zugang über eine Rampe. Vorraum, Garderobe, Schmutzzone und Abstellraum sowie ein sanitärer Bereich werden im vorderen Teil geschaffen. Neben einem Vorraum gibt es einen Ess- und Spielbereich mit 35 Quadratmetern und eine Zwischenebene mit Ruhezone und Spielmöglichkeit. Beheizt wird die Einrichtung über Infrarotstrahler an der Decke. Weiter sind ein Abstellraum, ein Besprechungsraum und ein Büro vorgesehen.

Sie sei erstaunt gewesen, als sie in der Zeitung gelesen habe, dass das ein komplett neuer Kindergarten ist und eine neue Leitung gesucht werde, warf Gemeinderätin Anneliese Bach ein. Eigentlich sei besprochen worden, dass die Betreuung durch Mitarbeiter des jetzigen Kindergartens erfolgen könne. Sie finde es "seltsam, was da im Augenblick abgeht". Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer betonte, dass immer schon gesagt worden sei, dass eine eigenständige Leitung und Personal gebraucht würden. Außerdem habe sie gedacht, es werde ein Schutzraum für die Kinder geschaffen, fuhr Bach fort, aber keine Büros und Personalräume. 240 000 Euro seien zu viel Geld für einen Schutzraum, da könne sie nicht zustimmen. Pfeifer wies darauf hin, dass der Kindergarten auch im Schlechtwetterbetrieb funktionieren müsse.

"Überdimensionierte Planung" in der Kritik

Auch Gunter Eberhardt war davon ausgegangen, dass der Waldkindergarten dem bestehenden Kindergarten angegliedert wird, sprach sich aber für das Festhalten am Grundsatzbeschluss pro Waldkindergarten und gleichzeitig für eine günstige Ertüchtigung der Waldsäge mit Minimalausbau und einfachem Standard aus.

Anneliese Bach fragte mehrfach nach genauen Preisen. Ute Weik erwiderte, dass es nicht so einfach möglich sei, diese zu beziffern. Gemeinderat Hans-Martin Trik nannte die Waldsäge den "schlechtesten Kompromiss", den man habe. Zudem sei die Verkehrsanbindung problematisch. "Das ist ein Kindergarten im Wald und kein Waldkindergarten", kritisierte er. Wenn man sich umhöre im Ort, würden die Leute fragen: "Seid ihr noch normal?"

"Wir reden dauernd von kalt, also das ist ein Waldkindergarten", stellte Ralph Wilding fest. "Einem ist es zu kalt, einem anderen zu warm – das ist Natur." Man habe diese Lösung schon hundertmal diskutiert und auf Grundlage des Beschlusses die Entscheidungen bisher getroffen. Da werde man es doch auch hinbekommen zu sagen, dass das kein "Fünf-Sterne-Schuppen" sein müsse und dass man eben schauen müsse, was nötig und vorgeschrieben ist und was man weglassen kann. Dem pflichtete Christoph Eisenbeis bei.

Patricia Krause sieht die Planung als "überdimensioniert, salopp gesagt: völlig gesponnen" an. Sie fragte, wofür es eine Ruhezone brauche, wenn die Kinder sich doch draußen aufhalten sollen. Krause regte an, nochmals zu prüfen, ob man verkleinern und mit 50 Quadratmetern auskommen könne, dann brauche es keine Dämmung.

"Das gehört sauber gedämmt", hatte Friedrich Weigold kein Verständnis für Krauses Vorschlag. "Wenn man es macht, dann richtig." Die Lage sei toll, aber eben etwas schattig. Zu bereits geführten Personal-Auswahlgesprächen sagte Weigold auf Nachfrage aus dem Gremium, er sei zuversichtlich, dass es klappe. Wenn man an diesem Abend die Planung ablehne, dürfte die Sache gestorben sein, betonte er. Dann bekomme man keinen Waldkindergarten.

Es sei ganz klar gewesen, dass eine eigene Leitung gebraucht werde, machte Theo Benner deutlich. Auch er plädierte für eine ordnungsgemäße Dämmung und den Ausbau und riet dazu zu versuchen, etwas abzuspecken. Er könne mit dem Preis leben, sagte Frank Eisen. Wenn man einen Waldkindergarten wolle, dann sei dies die einzige Möglichkeit, die man habe. Als einer von denen, die von Anfang an aus Kostengründen gegen einen Waldkindergarten waren, verstehe er das "Gejammere" an diesem Abend nicht, merkte Bernd Eisenbeis an. Alles, was nun zum Standort vorgebracht werde, sei absehbar gewesen und vorausgesagt worden.