Hier könnte der Waldkindergarten hinkommen. Die Schutzhütte könnte direkt an das bestehende Gebäude andocken. Foto: Morlok

Wie bereits mehrfach berichtet, soll beim Rohrdorfer Sportgelände ein Waldkindergarten für die Gesamtgemeinde entstehen.

Eutingen - Der Gemeinderat hat in der Sitzung vom 8. Juni die Verwaltung mit der weiteren Planung dieser besonderen Kindergartenform beauftragt. Es sollen 20 Kinder mit einer Betreuungszeit von sechs Stunden am Tag in verlängerter Öffnungszeit (VÖ) aufgenommen werden. "Durch die Errichtung eines Waldkindergartens kann für jedes drei- bis sechsjährige Kind in der Gemeinde ein Betreuungsplatz angeboten werden", erklärte Bürgermeister Armin Jöchle einen weiteren Mehrwert, den die Gemeinde dadurch hat.

 

Mit dem Revierförster Josef Dennochweiler wurden verschiedene Standorte in der Gesamtgemeinde besichtigt. Als geeignetster wurde das Waldgrundstück beim Sportplatz in Rohrdorf erachtet. Es gibt dort mit dem Sportplatzgebäude eine Infrastruktur, und der umgebende Wald ist überwiegend im Gemeindebesitz. Dort könnten die "Waldplätze" für den Kindergarten eingerichtet werden.

So ein Waldkindergarten benötigt vor Inbetriebnahme eine Betriebserlaubnis, die vom Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) Landesjugendamt erteilt wird. Es muss außerdem eine beheizbare Schutzhütte errichtet werden. Die Hütte soll den Kindern Schutz bieten, insbesondere bei extremer Kälte, Hagel oder Sturm.

Da für einen Waldkindergarten Sanitäranlagen für Kinder und Personal bereitzustellen sind, bietet sich auch hier die Infrastruktur des Sportvereins an, da im Sportplatzgebäude bereits Sanitäranlagen vorhanden sind.

Diese idealen Bedingungen nahm die angehende Architektin und pädagogische Fachkraft, Magdalena Wunderlich aus Eutingen, die im Team vom Baiersbronner Büro "Asal Architekten" arbeitet, als Grundlage für ihr Schutzhütten-Konzept, das sie dem Gemeinderat in jüngster Sitzung vorstellte.

Magdalena Wunderlich hatte sich bereits in ihrem Studium mit dem Themenbereich "Waldkindergarten" beschäftigt und ihre Masterarbeit im Eutinger Rathaus vorgestellt. Sie hatte für ihre Präsentation drei verschiedene Varianten für die Schutzhütten ausgearbeitet. Als Alternativen standen entweder Bauwagen, eine neu zu erstellende, separate Schutzhütte oder ein Anbau an das bestehende Sportheim zur Diskussion.

Die Bauwagen waren schnell abgehakt. Zu klein und zu gefährlich. "Wenn da ein Baum drauf fällt, ist er kaputt und deshalb erfüllt er auch nicht die Anforderungen einer Schutzhütte." Auch die separate Schutzhütte, die man östlich vom bestehenden Sportgebäude auf die Wiese bauen könnte, fiel wegen dem Raumverbrauch und der Kosten (geschätzt 130 000 bis 150 000 Euro) durch.

Blieb also nur noch der Anbau ans bestehende Sportgelände. "Hier haben wir bereits mit den Verantwortlichen gesprochen und ihre grundsätzliche Zustimmung erhalten", sagte Jöchle zu diesem Thema.

Obwohl diese Variante mit geschätzt 150 000 bis 180 000 Euro die teuerste ist, entschied sich der Gemeinderat letztendlich einstimmig für einen solchen Anbau.

Infrastruktur ist da

Die Gegend sei gut, man könnte auch Waldspaziergänge machen und eine bestehende Infrastruktur ist da. Auch soll der Sportplatz ins zukünftige Radwegekonzept mit eingebunden werden, so dass man nicht unbedingt mit dem Auto rausfahren muss, fasste Jöchle zusammen.

Rohrdorfs Ortsvorsteher Alexander Schweizer sagte dazu, dass man sich im Rohrdorfer Gremium einstimmig für Variante drei entschieden habe, und auch er hätte schon mit dem Sportvereinsvorsitzenden darüber gesprochen, der ebenfalls für Variante drei votiert.

Rat Andreas Gaus empfahl, dass die Besitzverhältnisse genau geklärt sein müssen, da der Grund, auf dem das Sportheim steht, der Gemeinde gehört, das Bestandsgebäude jedoch dem Sportverein.

Da inzwischen klar ist, dass man den gewünschten Start des Waldkindergartens im April 2022 vergessen kann, schlug Gaus vor, um schnell starten zu können, mal eine Probephase mit einem Bauwagen zu versuchen.

"Selbst für Bauwagen muss man mit Lieferzeiten rechnen. Zu überlegen wäre, dass man dort einen Container hinstellt und währenddessen den Anbau macht", so Jöchle, der jedoch sofort nachschob: "Bis man jedoch so eine Baugenehmigung bekommt, bekommt man eher die Krätze."

Rat Siegfried Blum, ein ausgewiesener Freund des Waldkindergartens, wünschte sich, dass man nun schnell zu einer Entscheidung kommt. "Zum Waldkindergarten gibt es so viele positive Aspekte, die in die Zukunftsplanung eingehen sollten", seine Meinung. "Einen preiswerteren Kindergarten wie den Waldkindergarten werden wir nie hinbekommen", so sein abschließende Argument pro Waldkindergarten.

Ass im Ärmel

Armin Jöchle zauberte abschließend noch ein weiteres Ass aus dem Ärmel. Er sprach für den Waldkindergarten im Rohrdorfer Wald. "Neben der maroden Kreisstraße einen Fuß- und Radweg hinzukriegen, ist zurzeit recht gut", so Jöchle, der damit andeutete, dass man mit diesem Waldkindergarten etwas erreichen kann, was vor Jahren noch in weiter Ferne war.

Einer Meinung

Was er jedoch rigoros ablehnte, das war eine ergebnisoffene Diskussion über alle drei Varianten. "Dafür ist mir die Zeit und das Geld für die Planung zu schade."

Musste er auch nicht. Das Gremium war ganz seiner Meinung, und die junge Eutinger Planerin durfte vermutlich ihren ersten eigenen Auftrag mit nach Baiersbronn nehmen, denn der Gemeinderat ermächtigte die Verwaltung, für die weitere Planung ein Büro mit den Planungsleistungen zu beauftragen.