So sieht der Waldkindergarten von Süden aus.Der Strom kommt von der Photovoltaikanlage auf dem Dach. Foto: Stadt

Drei Jahre liegen zwischen Grundsatz- und Baubeschluss des Gemeinderats; jetzt kann der Ebinger Waldkindergarten Wirklichkeit werden. Es ließen sich aber auch skeptische Stimmen vernehmen.

Glück muss man haben: Mit 210 000 Euro waren die Kosten der Wasserversorgung für die „Schutzhütte“ des Waldkindergartens – der prinzipiell als Freiluft-Angelegenheit konzipiert ist – veranschlagt worden, doch wie sich herausstellte, musste nur eine bestehende Wasserleitung, die in den 1960er Jahren für ein dann doch nicht gebautes Krankenhaus verlegt worden war, reaktiviert und mit neuem Innenschlauch versehen werden.

 

Auch eine Abwasserleitung gab es, die, anders als angenommen, kein bisschen korrodiert, sondern komplett intakt war – die Kostenersparnis belief sich am Ende auf satte 100 000 Euro; die Gesamtkosten der Schutzhütte dürften sich nach Schätzung von Baubürgermeister Udo Hollauer in einer Größenordnung von 850 000 Euro bewegen. Wobei man Genaueres erst nach den Ausschreibungen wissen wird.

Da die Stadt Albstadt für das Kindergartenprojekt rund eine Viertelmillion Ausgleichsstockförderung erhält, wird es am Ende wohl mit etwa 600 000 Euro zu Buche schlagen – ein normaler Kindergarten, der nicht nur als „Schutzhütte“ firmiert, kostet ein Vielfaches davon. Dennoch lautete der Tenor in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats: „Premium“ – so viel Aufwand sei 2020 wohl noch als normal und gerechtfertigt erschienen, mittlerweile wirke er anachronistisch.

Ringle: „Das ist keine Wald-Kita, sondern eine Kita im Wald“

Von einer „Planung aus einer anderen Zeit“ sprach Markus Ringle von den Grünen: „Das ist keine Wald-Kita, sondern eine Kita im Wald.“ Ulrike Münster von den Freien Wählern äußerte den Wunsch, die nächste Waldkindertagesstätte möge etwas günstiger ausfallen – die hier sei ein „Zuckerle“, noch dazu eines für mobile, zeitlich flexible Eltern, die ihre Kinder im SUV in den Wald chauffieren könnten und auf die am Arbeitsplatz keine Stechuhr warte.

Wieso das? In der neuen Kita wird Betreuung von 7.45 bis 14.15 Uhr angeboten – für viele Mütter, zumal für Alleinerziehende, sei das schon zu spät am Tag, erklärte Münster, sie fielen durch das Raster.

Die nächste Wald-Kita muss mit dem Bus erreichbar sein

Eine öffentliche Nahverkehrsverbindung auf den Kreuzbühl gibt es nicht; für weitere Wald-Kitas fordert Markus Ringle Standorte, die im Bus erreichbar seien. Den Vorschlag von SPD-Fraktionschefin Marianne Roth, die Eltern könnten Fahrgemeinschaften bilden, fand er schön, aber etwas realitätsfern. Zudem wollte er wissen, ob es alternative Nutzungsperspektiven für eine Zeit gebe, wenn die Kinderzahl nicht mehr so hoch sein werde wie heute. WSA-Fraktionschef Martin Braun wiederum würde mobile, provisorische Lösungen begrüßen, die wechselnden Bedarfszahlen Rechnung tragen und umstandslose Umzüge ermöglichen. Andernorts sei man da schon weiter.

Mall: „Im Dunkeln schickt man keine Kinder in den Wald“

Die Stadtverwaltung leistete keinen allzu heftigen Widerstand. Dass die Betreuung erst um 7.45 Uhr beginne, begründete Bürgermeister Steve Mall mit langen Winternächten: Im Dezember sei es um 7 Uhr stockfinster; da könne man kleine Kinder schlecht in den dunklen Wald schicken. Roland Tralmer wies den Gedanken, „noch mal zurück auf Null gehen“, mit dem Hinweis auf die Landesförderung von sich.

Ulrike Münsters Kritik, die Eltern von U3-Kindern hätten überhaupt nichts von einer Wald-Kita, hielt er entgegen, dass 40 neue Ü3-Betreuungsplätze bei stadtweit 101 fehlenden Kindergartenplätzen das gesamte System entlasteten, nicht nur einen Teil. Indes dürfte eines klar sein – Albstadts nächster neuer Kindergarten wird keine Wald-Kita.