Auf der Waldhorn-Bühne: Claudia Dreier (von links), Moderation Petra Preunkert und Elias Ungermann Foto: Lück

Der Katholikentag in Stuttgart. Kernfrage: Wie geht die Kirche mit ihren Sündern um? Dürfen Frauen Gottes Wort verkündigen? Wie queer darf das Personal offiziell sein? Im Waldhorn-Kino Rottenburg treffen eine lesbische Frau, ein Trans-Mann und ein schwuler Mann auf den Personalchef der Diözese.

Rottenburg - Der ehemalige Horber Pfarrer Armin Noppenberger (bis Mai 2021) gehört mit zu den ersten, die sich in der ARD-Doku "Wie Gott uns schuf" im Januar diesen Jahres öffentlich geoutet hatte. Jetzt sitzt er auf der Waldhorn-Bühne und sagt: "Ich habe das nie in der Gemeinde erzählt. Jemand meinte, ich habe die Gemeinde 18 Jahre lang betrogen. Es gibt aber auch viele positive Reaktionen aus meinen ehemaligen Gemeinden – beispielsweise persönliche Glückwünsche."

Moderatorin Petra Preunkert erwähnt, dass sie Bilder von Kindern aus Horb gesehen hat, die extra für Noppenberger Kerzen mit Regenbogen-Fahnen gebastelt haben: "Das fand ich beeindruckend." Sieht also so aus, als ob viele Gläubige in der Gemeinde weiter sind als die Amtskirche. Noppenberger ist jetzt Seelsorger in den Seegemeinden (Friedrichshafen, Bodensee).

Pastoralreferentin wird ein Auflösungsvertrag angeboten

Claudia Dreier ist lesbisch. Sie wechselte sogar die Kirche, war Pfarrerin in Geislingen an der Steige. Sie sagt: "Ich habe mich in meine Frau verliebt, als ich als Pastoralreferentin für die katholische Kirche gearbeitet habe. Ich fühlte mich sicher in der Gemeinde, wollte immer, dass es normal ist. Ich wollte uns weder verstecken noch auf die große Bühne stellen. Der Knackpunkt kam, als wir heiraten wollten und Kinder haben wollte. Deshalb habe ich eine Mail an die Hauptabteilung geschrieben, weil ich Rechtssicherheit haben wollte."

Die Kirche bot ihr einen Auflösungsvertrag an. Dreier: "Ich wollte nicht rauskomplimentiert werden, wollte selbst gehen. Das war eine gemeinsame Entscheidung."

Holger Winterholer, bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart Leiter der Hauptabteilung "Pastorales Personal", sagt: "Das war vor meiner Zeit. Es scheint in der Vergangenheit diesen Weg gegeben zu haben, um nicht zu kündigen."

Verschiedene Ansätze, um Grundordnung zu ändern

Winterholer betonte, dass es im katholischen Arbeitsrecht – der sogenannten Grundordnung – bisher keine Rechtssicherheit für solche Fälle gibt. Der Personal-Chef: "In unserer Kirche gibt es verschiedenen Ansätze, dass sich etwas an der Grundordnung ändert. Unsere Diözese ist aktiv dabei. Ich bin frohen Mutes, dass da eine Veränderung passieren wird."

Moderatorin Preunkert hakt nach. Winterholer: "Im Juli soll bereits ein Vorschlag in der Sitzung der Diözese eingebracht werden. Ich bin zuversichtlich, das da zeitnah etwas passiert."

Doch haben dann Menschen wie Elias Ungermann eine Chance in der katholischen Kirche? Er ist Trans-Mann, derzeit Heilerziehungspfleger, wie er auf der Waldhorn-Bühne erzählt: "Die Berufung, die Gott mir schenkt, ist es Seelsorger und Verkünder zu sein. Die katholische Kirche ist meine Heimat." Deshalb will er Diakon werden.

Ansprechpartner in Diözese für queere Mitarbeiter geplant

Doch derzeit hat er wohl keine Chance. Trans-Mann Untermann sagt: "Ändern kann sich nur etwas, wenn wir im Gespräch bleiben. Die Hoffnung aufgeben ist das letzte, was wir tun dürfen." Er warnt vor "plakativen Aktionen": "Es war schon immer so, dass das, was in der Bibel steht, nicht umsetzbar ist. Damit haben wir uns als Gläubige schon immer auseinandergesetzt und gefragt: ›Was will Gott mir damit in unserer individuellen Situation sagen?‹ Jede allgemeine Interpretation führt dazu, dass man sich über Gott stellt."

Armin Noppenberger ist da kritischer. Der Pfarrer: "Es wird hier keinen Günther Schabowski-Effekt wie beim Öffnen der Mauer geben. Es ist leider unvermeidlich, dass es theologische Klarheit gibt. Die abwertende Tendenz gegenüber Sexualität in der Kirchenlehre muss aufhören. Die Tradition der heimlichen Diskriminierung muss beendet werden. Je früher, desto besser."

Personal-Chef Winterholer: "Wir können uns das nicht leisten, solche Leute zu verlieren." In der Diözese soll jetzt eine Stelle eingerichtet werden als Ansprechpartner für queere Mitarbeiter.

In evangelischer Kirche ist es teilweise auch nicht besser

In der evangelischen Kirche ist es aber teilweise auch nicht besser, obwohl hier queere offiziell arbeiten dürfen. Eine Zuhörerin, selbst homosexuell: "Ich wohne auf den Fildern, im ›Pietkong‹. Als ich im Hauskreis erzählt habe, dass ich mit einer Frau verheiratet bin, gingen die Münder runter. Die Reaktion: ›Wir müssen erst mal unter uns sprechen, ob Du bleiben darfst.‹"

Claudia Dreier: "Als ich in der evangelischen Landeskirche gearbeitet habe, wurde teilweise für meine in Sünde geborenen Kinder gebetet." Alles in allem also immer noch kein leichtes Thema.