Bis zu 80 Fallschirmspringer mit ihrer Ausrüstung kann der Airbus 400M transportieren. Foto: Stein

Recht kurzfristig war der Demonstrationsflug eines Airbus über dem Waldhof angekündigt worden. Dennoch sind mehrere 100 Zuschauer dorthin gekommen und haben einen eigenen Eindruck von der zu erwartenden Geräuschentwicklung gewonnen.

Geislingen/Rosenfeld - Der Mittwochnachmittag ist kühl und windig. Graue Wolken hängen tief über der Hochfläche zwischen Waldhof und Häsenbühl. Am Himmel über den bisher landwirtschaftlich genutzten Äckern und Feldern sollen sich eventuell bereits im kommenden Jahr die ersten Fallschirme des Kommandos Spezialkräfte (KSK) öffnen.

"Die ganzen Bäume müssen weg"

Vom alten Wasserturm zur Staatsdomäne Waldhof zieht sich eine malerische Allee. "Die ganzen Bäume müssen weg?", ist eine Frau erschrocken. "Ja, und der Radweg", weiß ihr Bekannte: Wenn das KSK-Übungsgelände vom Plan zur Realität wird, werden die Bäume gefällt, damit die Fallschirmspringer sicher landen können – und der Wasserturm abgerissen.

Auf der Allee haben sich gegen 14.30 Uhr mehrere Hundert Zuschauer verteilt, die auf das Eintreffen des Bundeswehrflugzeugs warten. Etliche sind auf Fahrrädern gekommen, einige sogar her gewandert: Menschen im Ruhestandsalter, Familien mit kleinen Kindern, Kommunalpolitiker und einige Fotografen mit großen Teleobjektiven.

Gute Fotogelegenheit, unerfreulicher Anlass

Einer dieser "Spotter" ist Siegmar Riede aus Ratshausen. Er freut sich über diese Gelegenheit, den Airbus 400M zu fotografieren. Nicht aber über den Anlass, aus dem die Maschine im Zollernalbkreis erwartet wird.

Ihm geht es wie vielen Menschen aus der Region, die an diesem Nachmittag zum Waldhof gekommen sind: Eine schöne Naherholungsgegend werde plattgemacht und die Umgebung werde unter Fluglärm leiden, guter Ackerboden gehe verloren, die Tierhaltung in der Umgebung sei gefährdet – das sind auch die wesentlichen Argumente der "Bürgerinitiative Waldhof" gegen das KSK-Absetzgelände, die viele der Zuschauer kennen und wiedergeben.

Drei KSK-Soldaten beantworten Bürgerfragen

In einer schnell wachsenden Menschentraube stehen drei Männer in Tarnanzügen mit purpurnen Baretten neben einem olivbraunen Geländewagen mit Y-Kennzeichen. Sie sind das Team, das die Bundeswehr zu dem Überflug geschickt hat, um am Boden Fragen interessierter Bürger zu beantworten.

Die Menschen aus Geislingen, Rosenfeld, Dormettingen, Balingen und anderen Gemeinden sind neugierig. Die Soldaten antworten geduldig. Der Ton ist von beiden Seiten freundlich, sachlich und bleibt auch so. Dass das Übungsgelände auf die Fläche am Waldhof soll, habe nicht das KSK gewünscht, sagt Oberleutnant Gregor Weber, das sei eine politische Entscheidung: "Mit dem Absetzgelände bei Renningen waren wir zufrieden." Doch dort will ja Bosch bauen.

Vier Übungssprünge je Soldat pro Jahr notwendig

Weber ist ein kräftiger Mann, der viel lächelt und den Zuhörern aus eigener Erfahrung anschaulich erklärt, warum die Fallschirmsprünge nötig sind und wie sie ablaufen. Ein KSK-Soldat muss jedes Jahr mindestens vier Übungssprünge absolvieren, damit er seine Lizenz behält; dafür wird die M28 "Skytruck" eingesetzt, die an einem optimalen Übungstag bis zu zehn Mal aufsteigt und Fallschirme absetzt.

Außerdem übt die Spezialeinheit auch den taktischen Absprung aus dem Airbus; der 400M ist das größte und lauteste Flugzeug, das vom KSK benutzt wird. Deshalb wolle man heute die "Lärmbelastung abbilden", die dabei entsteht, sagt der Presseoffizier.

Anflug in 400 Metern Höhe

Dann ist es kurz vor 15 Uhr: "Da kommt er", entdeckt der erste Beobachter den Airbus. In 400 Metern Höhe schwebt das Transportflugzeug von Norden her ein.

Erst ist es kaum zu hören, dann wird das dunkle, tiefe Brummen der langsam laufenden Motoren lauter. Die gegen die Wolken scharf umrissene Silhouette des Flugzeugs zieht über die lange Reihe der Zuschauer hinweg. Kameras klicken, Smartphones sind in den Himmel gerichtet. "Springen könnten wir heute nicht", sagt Oberleutnant Weber: Der Wind wäre zu stark.

Zehn Kilometer Wendekreis

Innerhalb von zwei Minuten verschwindet der Airbus in Richtung Leidringen hinterm Horizont. Zehn Kilometer beträgt sein Wendekreis. Er fliegt in der Ferne eine weite Kurve und kehrt nach einigen Minuten zurück.

Lauter als ein auf der nahen Kreisstraße vorbeifahrender Laster wird sein Geräusch nicht. Am Boden kann man auch beim direkten Überflug gut miteinander sprechen.

Zum Artikel: Testflug zu KSK-Gelände - Airbus der Luftwaffe kommt Rottweil ganz nah

Hühner flüchten in den Stall

Das sei zu erwarten gewesen, sagen die Mitglieder der "Bürgerinitiative Waldhof": Eine stärkere Lärmbelastung erwarten sie durch den Einsatz der kleineren, zweimotorigen "Skytruck".

Weniger gelassen als die Menschen reagieren manche Tiere auf die schwere Transportmaschine: Auf dem Steinefurthof flüchten die Hühner in den Stall, auf einer Koppel bei der Wolfsgrube gehen Pferde durch.

Dinkelbrot für den Presseoffizier

Nach einer guten Stunde dreht der Airbus nach Norden und macht sich auf den Rückflug nach Stuttgart. Während die Maschine entschwindet, reichen Tobias Hölle und Tobias Vötsch, die Vorsitzenden der Bürgerinitiative, dem Presseoffizier Weber noch ein Dinkelbrot, das er mit in die Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw nehmen darf: Er solle es sich schmecken lassen, denn es sei aus dem womöglich letzten Getreide gebacken, das auf den Feldern am Waldhof geerntet worden ist.