Kinder spielen auf dem Spielplatz des Waldheims Heslach. Foto: Moritz

Helfer verpflichten sich erstmals schriftlich, die Teilnehmer vor Missbrauch zu schützen.

Stuttgart - Kinder, die Kinder missbrauchen - ein solcher Fall wurde jetzt auch im Kreis Böblingen bekannt. Zwei Schüler haben 2009 versucht, im Schullandheim einen Mitschüler zu vergewaltigen.

Helfer, die in diesem Sommer in einem Stuttgarter Waldheim arbeiten, verpflichten sich erstmals schriftlich, die Teilnehmer vor Missbrauch zu schützen. In der Ehrenerklärung der katholischen Einrichtungen heißt es, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter Kinder vor "körperlichem und seelischem Schaden" bewahren, auf "Anzeichen von Kindeswohlgefährdung" achten und sich gegebenenfalls aktiv gegen einen Täter stellen.

Eine ähnliche Selbstverpflichtung wird den freiwilligen Helfern der evangelischen Waldheime vorgelegt. "Die meisten Ehrenamtlichen haben die Erklärung unterschrieben beziehungsweise zur Kenntnis genommen", sagt Jörg Schulze-Gronemeyer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Kinderstadtranderholung in Stuttgart.

Versuchte Vergewaltigung im Schullandheim

Hintergrund für die Selbstverpflichting sind die jüngsten Vorfälle bei einer Jugendfreizeit auf Ameland. Auf der holländischen Nordseeinsel sollen Anfang Juli mehrere Kinder von Jugendlichen gequält und sexuell misshandelt worden sein. "Viele Helfer sind verunsichert", sagt Pfarrer Christian Hermes von der Kirchengemeinde St. Elisabeth. "Die Thematik ist vielen Ehrenamtlichen sehr fremd."

Einen ähnlichen Fall wie auf Ameland gab es im Herbst 2009 im Schwarzwald: Beim Schullandheim einer Hauptschule aus Holzgerlingen im Kreis Böblingen versuchten zwei 14 und 15 Jahre alte Schüler, einen 14-jährigen Mitschüler zu vergewaltigen. Ein dritter Schüler filmte den Übergriff mit dem Handy. Die Täter wurden im Juli 2010 vor Gericht gestellt. Der Haupttäter wurde zu einer Haftstrafe von zehn Monaten zur Bewährung verurteilt.

Polizei, Staatsanwaltschaft, Behörden und die Schule hatten den Fall bisher nicht öffentlich gemacht. Der Rektor betont, dass man den Vorfall schulintern "intensiv aufgearbeitet" habe. Die Schüler hätten inzwischen durch ein Gewaltpräventionsprojekt auch mehr Zivilcourage gelernt.