Gab es das schon mal, dass ein Gewitter das Elternfest im Waldheim Tailfingen zweigeteilt hat? Falls nicht, dann ist die Premiere wenigstens geglückt.
Albstadt braucht nicht bange zu sein vor der Zeit, wenn die Waldheim-Kinder selbst zu den Erwachsenen gehören und dann das Leben in der Stadt organisieren, wie Oberbürgermeister Roland Tralmer beim Elternfest der zweiten Freizeit in Tailfingen angekündigt hat. Denn am Mittwoch hatten sie Gelegenheit, ihre Flexibilität und Spontanität ebenso zu beweisen wie ihre Disziplin und ihr Können.
Ein Gewitter teilte das Fest in zwei Teile, und während die Eltern Kaffee und Kuchen im Trockenen genossen, waren die Kinder flink in ihren Gruppenräumen, um nach dem Schauer mit ungebremstem Elan ihre Darbietungen fortzusetzen, moderiert von den Leitern Florian Faiss und Svenja Gonser.
Das Thema war dasselbe wie bei der ersten Freizeit: „Klein – aber wichtig“, und nicht nur Tralmer und Pfarrer Gottfried Engele staunten Bauklötze, wie toll die Kinder es umgesetzt haben. Nach einem Limbo-Wettbewerb der Gruppen drei und zehn präsentierte Gruppe neun Alltagsgegenstände und Tiere, die klein, aber wichtig seien: Bienen, Steckdosen, Schlüssel und natürlich Knöpfe: Für das demonstrative Verlieren einer viel zu weiten Hose erntete ein Knirps Sonderapplaus vom Publikum, das trotz wiedrigen Wetters ein großes war.
Auf die Freude, die kleine Dinge machen, konzentrierte sich Gruppe acht, stellte Bienen, Würmer, Ameisen und kleine Hunde ins Rampenlicht, schwärmte von Eis und kleinen Sternen. Nur eines muss auch für sie groß sein: das Herz.
Im „Wer bin ich?“-Quiz durften die Zuschauer raten, was die Kinder der Gruppe sieben beschrieben – alles kleine und wichtige Dinge wie Samen, Bienen und Schrauben. Die meisten Lacher ernteten sie für die Frage, wer klein ist und gut kocht: Ein Eskimo, eine Oma oder ein Italiener? Letzterer natürlich.
Empathie lernen gehört zu den Nebeneffekten
Die kleinen Alligatoren von Gruppe sechs befreiten die großen Artgenossen aus einem Netz, obwohl diese sie vorher beschimpft hatten – Empathie zu lernen gehört im Waldheim zu den positiven Nebeneffekten und ist ebenso fester Bestandteil der Freizeiten wie die Musik: „Durch den Monsun“, „Bella Napoli“, „Major Tom“, „Ich fühl mich Disko“, „Tanz für mich“ und „Skandal im Sperrbezirk“ servierte die Gruppe fünf mit so viel Schwung, dass Eltern, Großeltern und Geschwister im Publikum begeistert mitsangen und klatschten.
Biologieunterricht mit Spaßfaktor
Eine Lehrstunde in Biologie verpackte Gruppe vier danach unterhaltsam und klärte über die nützliche Funktion kleiner Tiere auf – etwa der Fische, die Algen und Stechmücken dezimierten, Mäuse, die den Boden auflockerten, Marienkäfer, deren Leibgericht die für Pflanzen schädlichen Blattläuse seien und die deshalb auch „Blattlauslöwen“ genannt würden. Höhepunkt und Abschluss der drolligen Show waren die Theaterszenen der Gruppe zwei: Toll kostümiert erzählten sie die Geschichte der Witwe, die im Tempel nur kleine Münzen in den Opferkorb werfen kann, während die Reichen viel spenden und dafür gefeiert werden. Jesus – strohblond – aber wusste, wie viel größer das Opfer der armen Witwe im Vergleich zu dem der Reichen ist und dass der Wert eines Geschenkes nicht in seiner Größe liege.
„Wir geben Geld dazu – obwohl wir keines haben“
Das passte doch zu den Worten von Oberbürgermeister Roland Tralmer: Weil die Stadt das Waldheim „für unglaublich wichtig hält, unterstützt sie es und gibt immer Geld dazu – obwohl wir keines haben“, sagte er mit Blick auf die Haushaltslage.
Den Kindern rief er zu: „Man braucht nicht groß sein oder OB, um wichtig zu sein.“ Schon Herbert Grönemeyer habe gesungen: „Kinder an die Macht!“, und viele Probleme „wären schneller gelöst, wenn das so wäre“. Aber im Waldheim seien die Kinder an der Macht – und sie seien die Wichtigsten, fügte Pfarrer Gottfried Engele hinzu. Das habe schon Jesus erkannt. „An ihnen sollten sich die Erwachsenen ein Beispiel nehmen!“ Als Zeichen dafür hatte er für alle ein gold-glitzerndes Herz-Tattoo mitgebracht.
Schokolade hingegen – für jedes Jahr eine Tafel – überreichten Svenja Gonser und Florian Faiss danach den Jubilaren unter den Mitarbeitern: Sophie Dopslaff ist zum zehnten Mal dabei, Anna Wiest, Alina Rohrbach, Lukas Grochowski und Vincent-Niclas Baumann zum fünften Mal. Sie sind nicht mehr klein – aber wichtig.
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