Auf dem Waldheim Tailfingen verbringen die Kinder ihre Nachmittage – vormittags werden sie schulisch gefördert. Foto: Roth

Das Projekt "Waldheim macht Schule" soll Lernlücken schließen und psychische Folgen der Pandemie für Grundschüler mildern. Individuelle Förderung, aber auch Spiel und Spaß stehen auf dem Programm – eine Ferienfreizeit ist es indes nicht.

Aktuelle Informationen zur Corona-Lage in unserem Newsblog

Albstadt-Tailfingen - Nach mehr als einem Jahr Coronavirus-Pandemie und dem damit verbundenen Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht kämpfen die Schüler zunehmend mit den psychischen Belastungen der Lockdowns. Der verpasste Unterrichtsstoff kommt hinzu, was insbesondere für Grundschüler, die keine Erfahrungen im Umgang mit einer Krise haben, zu langfristigen Schäden führen kann.

Das evangelische Familienzentrum Tailfingen möchte beiden Arten von Defiziten den Kampf ansagen und veranstaltet vom 31. Mai bis zum 2. Juni das Projekt "Waldheim macht Schule" für Grundschüler.

Anmeldung nach Empfehlung der Lehrer

Was bedeutet das konkret für die Kinder? Die Klassenlehrer der Tailfinger Grundschulen empfehlen dem Organisationsteam um Johannes Hartmann, geschäftsführender Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Tailfingen, und Diakonin Birgit Blech sowie Tanja Daus, Leiterin des Familienzentrums, Kinder mit schulischem Förderbedarf. Mit der Empfehlung der Lehrer können die Eltern ihre Kinder für das Förderprogramm anmelden.

"Nicht jeder konnte im Homeschooling mit dem Unterrichtstempo schritthalten. Diese Kinder sprechen wir an", so Hartmann. Die Lehrer, die die Bedürfnisse und Rückstände der Grundschüler am besten kennen, entwerfen Check-Listen mit Themen, bei denen die Kinder am meisten Förderbedarf haben. "So können Rückstände der Schüler individuell aufgeholt werden." Ob Lesen oder Einmaleins: Freiwillige Lehrkräfte, zumeist Oberstufenschüler oder pensionierte Lehrer, arbeiten mit den Kindern vier Stunden am Tag – von acht bis zwölf Uhr – in der Luther- oder Langenwandschule.

Bewährtes Team betreut Schüler

Gepaukt wird bis zur Mittagspause genug – die seelische Entspannung in der Natur darf nicht zu kurz kommen. Zum Mittagessen auf dem Tailfinger Waldheim – von freiwilligen Kochteams in der Waldheimküche zubereitet – werden die Kinder von ihren Betreuern an der Schule abgeholt und gehen dann gemeinsam zu Fuß zur Freizeitstätte. Nach der Mahlzeit dürfen sich die Grundschüler bis vier Uhr nachmittags rund um das Waldheim austoben.

Mitarbeiter der Waldheimfreizeiten begleiten die Mittage mit Bastel- und Spielangeboten. Birgit Bech, Organisatorin der Sommerferienfreizeit auf dem Waldheim, kann auf ihr bewährtes Team zurückgreifen.

Aus Infektionsschutzgründen und damit nicht der Eindruck eines Ferienlagers für alle entstehe, ist eine Anmeldung auf Eigeninitiative der Eltern nicht möglich. 30 Kinder bekommen die Möglichkeit auf eine individuelle Förderung in den Pfingstferien.

Weil nach wie vor das Coronavirus den Alltag bestimmt, sind Kleingruppen mit fünf bis sieben Kindern vorgesehen, die sich während des Projektes nicht mischen. "Damit reduzieren wir das Ansteckungsrisiko", erklärt Hartmann das Hygienekonzept. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 500 Euro und zusätzliche Raumkosten, die von der evangelischen Kirchengemeinde Tailfingen getragen werden. "Spenden sind natürlich herzlich willkommen."

Der runde Tisch hat sich bereits formiert

Dass die Lage der Grundschüler in der Pandemie Handlungsbedarf erfordere, sieht auch die Stadtverwaltung. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates haben die Freien Wähler die Förderung der Schüler bereits angestoßen: Jetzt hat sich ein "Runder Tisch" unter dem Motto "Albstadt hilft" gebildet. Gemeiderats-Fraktionen, Stadtverwaltung und verschiedene Institutionen unter der Federführung von Oberbürgermeister Klaus Konzelmann sind in der Planung weiterer Aktionen, die dem Projekt "Waldheim macht Schule" ähnlich sind.

Viel Arbeit, die auf die Initiative zukommt: "Wir müssen zusammenhalten. Ich selbst sehe als Religionslehrer, wie die Lage in den Grundschulen ist", erläutert Johannes Hartmann. "In so kurzer Zeit ein solches Projekt zu stemmen ist natürlich herausfordernd."

Damit der Kraftakt erleichtert wird, sind die Veranstalter weiter auf der Suche nach freiwilligen Lehrkräften. "Egal ob Lehramtsanwärter, Pensionär oder aktiver Lehrer: Alle sind willkommen und dürfen sich bei uns melden", bittet Hartmann um Unterstützung. Nur gemeinsam könne die Misere, die die Pandemie hinterlässt, unterbunden werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: