Der Waldfriedhof in Schwenningen ist alt, schön, aber auch groß. Vor allem verfügt er aber über weite Wege den Berg hinauf, die für manche Friedhofsbesucher ein Hindernis darstellen könnten. Ein Schwenninger fordert deshalb Abhilfe – die Idee: Golfkarts könnten Friedhofsbesucher zu den Gräbern transportieren. Was ist dran an der Sache?
Eine friedliche Stille liegt über dem Waldfriedhof in Schwenningen. Vereinzelt trifft man auf Friedhofsbesucher, die sich um die Gräber ihrer Liebsten kümmern, ansonsten bläst nur ein seichter Wind durch die Bäume des Waldfriedhofs und bringt diese zum rascheln.
Laut der Stadt zähle der Waldfriedhof derzeit rund 9000 Gräber, verteilt auf 20 verschiedene Grabarten auf 12,6 Hektar. 12,6 Hektar, die durch die Steigung vom unteren Teil des Friedhofes zum oberen wohl nicht für jeden so gut bezwingbar sind, sollte man der Einschätzung und den Erzählungen des CDA-Kreisvorsitzenden Gottfried Schmidts Glauben schenken.
An diesem Vormittag hat die Redaktion gemeinsam mit ihm nämlich eine besondere Mission. „Stellen Sie sich vor, sie sind jetzt 95 Jahre alt mit einem Rollator und kommen mit dem Bus zum Waldfriedhof, um Ihren verstorbenen Mann zu besuchen, der am unteren Teil des Friedhofes begraben ist“, schmunzelt Schmidt bei der gemeinsamen Begehung des Waldfriedhofs. Versetzt man sich in diese Lage, wird das Dilemma nämlich schnell klar: Für ältere Herrschaften, oder auch jüngere mit Gehbeeinträchtigungen, wird die Topographie des Waldfriedhofes mit seiner Steigung schnell zum Hindernis. Und die Bushaltestelle, die gibt es halt nur oben.
Der Friedhof muss für jeden zugänglich sein
Mit dem Wunsch, Mitbürgern den Besuch des Grabes am unteren Teil des Waldfriedhofes zu erleichtern, wandte sich Gottfried Schmidt an die Redaktion. „Der Weg zu den Gräbern geht von der Bushaltestelle bergab – und ist daher nicht das eigentliche Problem. Das riesengroße und oftmals unüberwindliche Problem kommt erst, wenn man sich auf den Weg zurück zum Bus macht. Für den langgezogenen, steilen Weg nach oben zur Bushaltestelle, langt einmal kurz auf dem Rollator ausruhen bei weitem nicht“, formuliert er das Problem aus. „Es kann und darf nicht sein, dass ältere, aber auch jüngere gesundheitlich angeschlagene Personen die Gräber ihrer Angehörigen nicht besuchen können, weil sich diese im unteren Teil vom Waldfriedhof befinden“, bekräftigt er.
Zwei Vorschläge sollen Problem lösen
Um dem entgegenzuwirken hat der engagierte Schwenninger zwei Vorschläge: Der erste Vorschlag wäre eine Rufbusverbindung zum unteren Eingang des Waldfriedhofes einzurichten, für einen normalen Linienbusverkehr sei der Weg durch das Gunnental nämlich zu ungeeignet, vermutet Schmidt.
Der zweite Vorschlag: Golfkarts, die zu festgelegten Zeiten Friedhofsbesucher vom oberen Teil zum unteren Teil fahren und so den Weg zu den Gräbern und zurück zum Bus zu erleichtern. Doch nach Angaben der Stadt seien beide Ideen problematisch – und wohl unmöglich.
Thematik sei „bereits mehrfach geprüft worden“
Wie ein Pressesprecher der Stadt, Patrick Ganter, versichert, sei die „Thematik in der Vergangenheit bereits mehrfach geprüft worden“, immerhin sei die „Wegestruktur des Waldfriedhofes vor fast 100 Jahren entsprechend der vorhandenen Topographie angelegt worden, mit ebenen Bereichen und auch mit Hanglagen.“
Die Idee damals sei es gewesen, mit dem Waldfriedhof einen Ort der Ruhe im Gegensatz zur damals aufstrebenden Industrie in Schwenningen zu schaffen. „Der Waldcharakter der Anlage wird auch heute noch von vielen Friedhofsbesuchern besonders geschätzt“, so Patrick Ganter.
Pendel-Verkehr auf Friedhof sei „nicht möglich“
Zur Idee der Erreichbarkeit der Gräber sagt er aber: „Die heutige Idee der Erreichbarkeit der Gräber mittels Befahrung ist verständlich, doch schwer umsetzbar.“
Feste Zeiten für Pendel-Verkehr auf dem Friedhof seien schon aus Gründen der Bestattungstermine nicht möglich, wie Patrick Ganter weiter ausführt. „Im Zeitraum von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr finden Bestattungen statt. Das bedeutet, dass der Trauerzug mit Verstorbenem und Angehörigen von der Trauerfeierhalle auf dem Hauptweg zum jeweiligen Grab läuft, zu ganz unterschiedlichen Zeiten. Somit wäre kein Fahrplan zum Gräberbesuch möglich“, schreibt Ganter.
Nach Beobachtungen von Gottfried Schmidt allerdings, komme es öfter vor, dass einige Mitglieder des Trauerzuges von der Trauerfeierhalle gar nicht mit zur eigentlichen Bestattung kommen. „Die warten dann hier oben, weil der Weg zu steil und zu weit ist“, erzählt er beim gemeinsamen Spaziergang über den Friedhof.
Auch für die Bus-Idee gibt es eine Absage
Und auch der Idee mit dem Rufbus wird eine Absage erteilt: „Durch das Gunnental führt aufgrund der vorhandenen Infrastruktur keine Buslinie, so dass hier auch kein Rufbus eingesetzt werden kann. Die Strecke ist tatsächlich für einen Linienbus ungeeignet. Der Rufbus ist jedoch ein normaler Linienbus, der nach telefonischer Vorbestellungen einen im Fahrplan vermerkten Kurs abfährt. Der Rufbus darf daher nicht einem PKW verwechselt werden, der zum ÖPNV-Tarif frei im Straßennetz fährt“, so Patrick Ganter.
Doch was Patrick Ganter auf Anfrage der Redaktion auch bestätigt: „Nach den Gräbern in Eingangsnähe besteht auf allen Friedhöfen große Nachfrage“, sagt jedoch auch, dass „bei dem Beratungsgespräch in der Friedhofsverwaltung vor Ort die Optionen besprochen und besonders für Beeinträchtigte Personen Grabstätten mit guter Erreichbarkeit und oft in Eingangsnähe vergeben werden.“