Seit einer Woche kämpfen in Griechenland Tausende Feuerwehrleute und Helfer gegen Feuerstürme. Riesige Flächen sind bereits verbrannt. Fachleute prophezeien dem Land häufigere Hitzewellen. Auch in Italien, Russland und der Türkei brennen Wälder.
Athen/Rom - Die Tatoiou-Straße, die sich von Varibobi im Norden Athens die Hänge des Parnes-Massivs hinaufschlängelt, führt in eine Mondlandschaft: abgebrannte Wälder, so weit der Blick reicht. Baumgerippe ragen in den Himmel, ein Ascheteppich bedeckt den Boden. Immer wieder sieht man verkohlte Tierkadaver und ausgeglühte Autowracks.
Bis auf einige wenige Brandnester sind in dieser Gegend die Flammen zwar gelöscht. Aber immer noch liegt beißender Rauchgeruch in der Luft. Die Feuerwehren sind noch nicht abgerückt. Vielerorts warten Löschfahrzeuge, falls die Feuer wieder aufflammen sollten.
Nur wenige grüne Inseln sind übrig
Ein Löschhubschrauber kreist über dem Brandgebiet. Die Piloten halten Ausschau nach Brandnestern, die der Wind jederzeit wieder anfachen könnte. Am Boden patrouillieren Feuerwehrleute und Soldaten. Nur wenige grüne Inseln sind geblieben, wo das Feuer nicht gewütet hat. Von vielen Gebäuden stehen nur noch die rußgeschwärzten Mauern.
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Am Ortsrand von Ano Varibobi stochert ein Mann mit einem Feuerhaken in den verkohlten Resten seiner Schreinerwerkstatt. „Alles verbrannt“, sagt er mutlos, „alles verloren – in einer Nacht.“ Die Gegend an den südlichen Ausläufern des Parnes, eines der drei Hausberge von Athen, war dicht bewaldet. Die Namen der Orte erzählen davon: Polydendri, was so viel heißt wie „viele Bäume“, Drosopigi, die „erfrischende Quelle“, oder Drosia, die „Kühle“. Diese Ortsnamen klingen jetzt wie Hohn. Dass sie hier von Feuerstürmen heimgesucht würden, haben die Bewohner wohl nicht erwartet. Oder sie haben die Gefahr verdrängt.
Lebensrettendes Alarmsystem
Bisher hat ein Mensch in den Feuerkatastrophen sein Leben verloren. Dass es nicht mehr Opfer gab, ist vor allem dem griechischen Alarmsystem zu verdanken. Man verlässt sich nicht auf Sirenen. Alarmmeldungen werden über SMS und mit unüberhörbaren akustischen Signalen auf die Mobiltelefone verschickt.
So können die Menschen lokal gezielt vor drohenden Gefahren gewarnt und zur Evakuierung aufgefordert werden. Die Menschen bekommen auch präzise Angaben über sichere Fluchtrouten. Touristenorte und Ferieninseln sind von den Bränden in Griechenland bisher nicht direkt betroffen.
Während heißer Sommer gibt es in den Waldgebieten um Athen immer mal wieder Brände. Aber so verheerend wie jetzt wüteten die Feuer noch nie. „50 000 Hektar sind schon verbrannt“, sagt Efthymios Lekkas, Professor für Geologie und Katastrophenmanagement in Athen. Über die Ursachen gibt es bisher nur Spekulationen.
Viele Feuer dürften auf Unachtsamkeit zurückzuführen sein. Aber auch die jüngste Hitzewelle trägt dazu bei: „Der August wird wohl ein Albtraum“, warnt Lekkas. Die extremen Temperaturen könnten zu weiteren „explosionsartigen Bränden“ führen. Überhaupt könne es künftig häufiger zu Hitzewellen kommen.
Riesige Feuerfronten auf Euböa
Während sich die Lage bei Athen am Sonntag entspannte, gab es andernorts noch keine Entwarnung. Auf der Insel Euböa tobten zwei riesige Feuerfronten. „Heute ist der schlimmste Tag“, berichtete Giannis Kotzias, Bürgermeister der Hafenstadt Istiaia. „Wo bleiben die Löschflugzeuge?“, fragte der Politiker in einem Telefoninterview im Radio.
42 Dörfer wurden bereits evakuiert. Tausende von Menschen wurden von Fischerbooten, Fähren und Schiffen der Küstenwache aufgenommen, weil es keine anderen Fluchtwege mehr gibt. Auf der Halbinsel Peloponnes waren die Brände am Sonntag ebenfalls nicht unter Kontrolle.
Inzwischen ist die internationale Hilfe angelaufen. Auch Deutschland schickt Einsatzkräfte. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte: „Derzeit bereiten sich Feuerwehrkräfte aus NRW, Hessen sowie das Technische Hilfswerk darauf vor, sich zügig nach Griechenland zu begeben.“
Atomforschungszentrum in Gefahr
Auch die Türkei und Russland leiden derzeit unter beispiellosen Waldbränden. In Sibirien nähern sich Feuer dem nationalen Atomforschungszentrum. 3,5 Millionen Hektar Wald stehen in Flammen. In Italien drohen mit der bevorstehenden Hitzewelle ebenfalls weitere Brände. „Die Temperaturen, die uns in den kommenden Tagen erwarten, erfordern höchste Aufmerksamkeit“, mahnte der Chef der Zivilschutzbehörde, Fabrizio Curcio, am Sonntag in Rom.
Die vergangenen Tage bezeichnete er als „dramatisch“. Besonders heiß dürfte es am Mittwoch werden. Die Zivilschutzbehörde rechnete mit bis zu 45 Grad auf den Ferieninseln Sizilien und Sardinien. Besonders von den Feuern betroffen sind zudem Kalabrien und Apulien.