Der Obernheimer Gemeinderat macht sich auf in den Wald des Ortes. Förster Frieder Siegl erklärt den Teilnehmern an mehreren Stationen, was gerade im Wald ansteht.
Pünktlich um 18 Uhr fielen die ersten Tropfen am Eschentalparkplatz in Obernheim. Dorthin hatte die Gemeinde zum Waldbegang geladen. Dieses Mal ging es ins Gebiet „Tann“ mit den Themen Holzernte, Schlag- und Jungbestandspflege sowie Wegeunterhaltung und Bewirtschaftung im Hang. Bürgermeister Alexander Hofer nahm das schlechte Wetter mit Humor: „Wir haben den Regen für unseren Waldbegang gepachtet, so wie jedes Jahr“, scherzte er. Für Förster Frieder Siegl war es sein erster Waldbegang in Obernheim, da er gerade den noch im Sabbatjahr verweilenden Klaus Dreher vertritt.
Dann ging es auch schon los in die Tiefen des Obernheimer Waldes. Siegl hatte einen 2,5 Kilometer langen Rundweg vorbereitet. Man habe allein hier im Gebiet „Tann“ mehr als 3000 Festmeter Holz gemacht, damit Geld verdient, aber eben auch investiert. Die blanken Zahlen schon vorweg: Eingenommen hat man mit dem Holzverkauf 370.000 Euro, für die Aufbereitung und sonstige Investitionen flossen 200.000 Euro, was am Ende einen Gewinn von 170.000 Euro ergibt. „Der Holzpreis ist aktuell gut und bleibt hoffentlich so“, erklärte Siegl zum Ergebnis. Der Wald verspreche hohe Einnahmen, es seien aber auch hohe Investitionen notwendig.
Dohlen und Wege gerichtet
Die Kosten für die Holzaufbereitung sind nicht gerade gering, weil eben der Aufwand groß ist. Teilweise habe man die Durchforstung im Kombi-Verfahren erledigt, also im Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine. „Im Hang ist die Bewirtschaftung deutlich schwieriger, da die Erschließung aufwendiger ist“, erklärte der Forstexperte. Die großen Vollernter seien dann irgendwann auch technisch limitiert, sei es wegen der Breite oder wegen der Länge des Greifarms – genau deshalb das Kombi-Verfahren, bei dem die Waldarbeiter mit der Motorsäge dem Vollernter zuarbeiten, die Bäume so fällen, dass sie nah an die Rückegassen fallen oder eben mittels Seilwinde hergezogen werden können. Gerade in Hanglagen wie hier im „Tann“ sei das die bevorzugte Variante bei der Holzernte. Trotzdem lag man bei Kosten von 42 Euro pro Festmeter. Weil aber die Rahmenbedingungen – Stichwort Holzpreis – gepasst hätten, habe man gut 1000 Festmeter mehr eingeschlagen als ursprünglich geplant, reagiere auf aktuelle Entwicklungen.
Eine Station weiter (Siegl machte etwas Dampf, weil es zwischenzeitlich bedrohlich dunkel wurde, donnerte und regnete) ging es um die Wegeunterhaltung. Die sei nötig, weil zwei Jahre in Folge Holz in diesem Waldabschnitt geerntet worden sei. Die Wege waren dementsprechend lädiert von den schweren Lastwagen. Auch Dohlen wurden und werden gerichtet, da sonst die Wege unterspült werden, was zu noch mehr Schäden führe. „Wir machen die Wegeunterhaltung regelmäßig. Das ist günstiger, als wenn wir einen Weg komplett instandsetzen müssen“, erklärte der Forstmann. Noch während der Holzernte-Saison musste man rund 300 Tonnen groben Schotter in die Waldwege einbringen, um die Befahrbarkeit zu sichern. Kostepunkt für solch eine Maßnahme: 9500 Euro. Bei größeren Arbeiten seien dann auch Bagger im Einsatz – allein im „Tann“ hat die Wegeinstandsetzung im Vorjahr 43.000 Euro gekostet.
Pflege der Jungbestände
Zwei Stationen folgten noch auf der Route. Zwischendurch entdeckte die Gruppe immer wieder Feuersalamander auf dem Weg. Es bildeten sich Trauben mit gezückten Kameras, um die seltenen Tiere zu fotografieren. Beim Obernheimer Waldbegang bekam man direkt sieben Stück zu Gesicht. Nicht sieben, sondern zwei – und auch nicht Feuersalamander, sondern Hektar war die nächste Einheit, die Frieder Siegl in petto hatte. So viel Jungbestandspflege wurde nämlich betrieben. Dabei gehe es um „eine Lenkung des Waldes“, indem gewünschte Bäume gezielt freigeschnitten werden, damit diese mehr Platz zum Wachsen bekommen. Mal entscheide man sich für einen Nadel- statt für einen Laubbaum, mal umgekehrt, das hänge vom Standort ab. Auf insgesamt 38 Hektar haben die Forstleute Schlagpflege betrieben. Hierbei wird nach der Holzernte die darunter liegende Vegetation, die durch das Fällen in Mitleidenschaft gezogen worden ist, vollends gekappt. Der Grund: „Ich will natürlich hochwertiges Holz und keines, das krumm wächst“, so der Förster.
Ein Blick in die Zukunft durfte nicht fehlen: Holz gebe es zwar noch genug in Obernheim, doch die Zugänglichkeit werde nicht einfacher, gerade durch die Hanglage und darin vorhandene Felsen. „Ab 50 bis 60 Prozent Steigung ist es aus mit der Maschine“, so Siegl. Muss alles von Hand geerntet werden, steigen auch die Kosten – das sei irgendwann dann eine Abwägungssache, denn: „Nicht jeder Vorrat ist wirtschaftlich nutzbar.“ Genutzt wird das Obernheimer Holz aktuell für Bauholz, Hackschnitzel und auch die Zellstoffindustrie, schloss der Förster mit der Beantwortung einer finalen Frage den Waldbegang ab. Pünktlich setzte dann auch wieder der Regen ein, was alle Beteiligten zur schnellen Flucht ins Gasthaus „Krone“ veranlasste. Dort gab es zum Ausklang den ein oder anderen Teller Wurstsalat.