Revierleiter Franz Maier im „Hallenbestand“ Foto: Karina Eyrich

Was haben so genannte Chinesenbärte mit dem Stadtwald zu tun? Das Rätsel wurde beim Waldbegang des Meßstetter Gemeinderates gelöst.

Sie ist die Hoffnungsträgerin der Forstleute in Zeiten der Klima-Krise: die Douglasie. Dass sie eigentlich aus Nordamerika stammt und sehr klimaresistent sei, hat Frieder Siegl, neuer Revierförster in Obernheim, den Meßstetter Gemeinderäten bei ihrem Waldbegang im Stadtwald erklärt.

 

Woran auch forstliche Laien sie gut von anderen Nadelbaumarten unterscheiden können, wusste er ebenfalls: „Die Fichte sticht, die Tanne nicht!“ Letztere habe trotzdem etwas festere Nadeln, aber die Douglasie habe ganz weiche. „Sie braucht länger zum Anwachsen – aber nach fünf Jahren schießt sie weg“, erklärte er mit Blick auf das Höhenwachstum inmitten eines Waldbestandes mit Douglasien.

Dichte Kronen bilden ein Hallendach

Siegls Kollege Franz Maier widmete sich hingegen einem der bekanntesten Laubbäume, der Buche – und wurde dabei direkt poetisch: „Der Buchenwald trägt den Himmel, heißt es“, berichtete Maier schmunzelnd mit Blick nach oben zu den dichten Kronen der hohen Bäumen, die wenig Licht durchließen. Bei dem Waldbild, das die Stadträte auf steilem und schmalem Weg erreicht hatten, spreche man von einem sogenannten Hallenbestand, gleiche das Kronendach doch der Decke einer Halle.

„Die Buche wird auch als die Mutter des Waldes bezeichnet“, erklärte Maier, „denn sie verjüngt sich sehr gut und sollte dicht aufwachsen.“ Warum? „Steht sie frei, wachsen ihr viele Äste wie einem Apfelbaum“, erklärte der Revierförster. Die aber sind bekanntlich in der Holzvermarktung nicht besonders beliebt – nicht aus optischen Gründen, wie Revierleiter Thomas Holl hinzufügte, sondern weil das Stammholz dort, wo ein Ast herauswachse, nicht so fest sei wie an astfreien Stellen.

Zur Halbzeit ist schon mehr als die Hälfte geschafft

1600 Festmeter Buchenholz will die Stadt Meßstetten im zehn Jahre dauernden Forsteinrichtungszeitraum einschlagen lassen, und zur Halbzeit seien schon 900 Festmeter geschafft, betonte Maier. Für das Stammholz erziele die Stadt derzeit einen Preis von 120 bis 125 Euro pro Festmeter.

Sogar für Eisenbahnschienen hat sie getaugt

Warum die Buche der Fichte in punkto Ertrag trotzdem nicht das Wasser reichen kann, erklärten die Revierleiter auch: Die brauche fast doppelt so lang zum Wachsen. Dafür sei das Holz so fest, dass es früher sogar zum Bau von Eisenbahnschienen verwendet worden sei.

So sehen die so genannten „Chinesenbärte“ am Buchenstamm aus. Foto: Karina Eyrich

Das Problem bei der Buche: Ab 1500 Metern Höhe – genau genommen schon ab 1000 Metern, Meßstettens Höhe – werde es ihr zu kalt, und ab einem Alter von 120 Jahren könne sie rotkernig werden. „Holz mit rotem Kern wollte früher niemand“, erklärte Maier, denn mit der Zeit sei es nicht mehr schön anzusehen gewesen. Heute jedoch gebe es Verfahren, um das Rot zu erhalten, und das wiederum sehe sehr schön aus.

Aber was hat es mit den „Chinesenbärten“ auf sich, auf die Maier ebenfalls hinwies? Sie entstehen dort, wo einmal Äste waren. Woher der Name genau kommt? Das wurde beim Waldbegang nicht im Detail erörtert.