Dieter Hopf (von links), Karl-Heinz Ackermann und Bernd Reich sorgen mit ihrer Arbeit für Sicherheit am Straßenrand. Foto: Schneider

Der Klimawandel sorgt dafür, dass immer mehr Bäume absterben. Deshalb braucht es Verkehrssicherungshiebe. Doch bei manchen Autofahrern stoßen die Maßnahmen auf wenig Gegenliebe. Förster Karlheinz Mertes erzählt, was alles passieren kann.

„Das ist ein tolles Team“, erklärt Förster Karlheinz Mertes. Das Team, das sind Dieter Hopf, Karl-Heinz Ackermann und Bernd Reich.

 

Seit Ende April sind sie zwischen der Abzweigung Keltenstraße (K 5512) und Schillerhöhe am Werk, um schadhafte Bäume zu entfernen. Diese könnten sonst auf die Straße und darauf fahrende Autos stürzen.

Gefahr bei Windstille

Mertes deutet auf den Hang oberhalb der Straße. „Die Fichten werden die nächste Waldgeneration nicht überleben“, kommentiert das Aussehen einiger Nadelbäume.

Aber auch andere Arten hätten Schwierigkeiten. Die Robinie sei mediterranes Klima eigentlich gewohnt und somit gut für den Klimawandel gerüstet. „Auf den Muschelkalkhängen faulen ihre Wurzeln ab, so dass sie bei Windstille einfach umfällt“, weist er auf die Gefahr für Passanten hin.

Hackschnitzel und Totholz

Um dem zu begegnen, fällt das Team um Forstwirtschaftsmeister Hopf die gefährdeten Bäume am Hang und transportieren das Schadholz zu einem großen Haufen an der Abzweigung.

„Aus dem Holz werden Hackschnitzel gemacht“, erläutert Mertes die weitere Verwendung. Die Stämme, die man nicht aus dem Hang entnehmen kann, bleiben als Totholz und somit als Lebensraum für Kleinlebewesen liegen.

Team deeskaliert

Um einen reibungslosen Arbeitsablauf sowie die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten, ist ein eindeutiges Schild an der Kreuzung aufgestellt: Durchfahrtverbot für Fahrzeuge aller Art. Einzig nahewohnende Anlieger, der Schulbus und der Lieferverkehr einer Firma dürfen die Straße nutzen.

„Ein Autofahrer ist sogar aus seinem Wagen gestiegen und wollte mich verprügeln“, erinnert sich der Förster an Reaktionen, wenn er auf das Schild hinweist. Doch da seine Kollegen gleich zur Stelle gewesen wären, sei die Situation nicht eskaliert.

Viele Schimpfwörter

Schließlich bestehe Lebensgefahr, wenn ein Baumstamm auf die Straße oder ein Autodach stürze. Und andererseits sei die ausgeschilderte Umleitung über die Keltenstraße nur wenige Minuten länger.

Der Haufen ausgelichteten Holzes, vor dem Förster Karlheinz Mertes steht, wird mit jeder Fuhre größer. Foto: Schneider

„Man bekommt schon viele Schimpfwörter an den Kopf geworfen“, bestätigt Hopf das teils aggressive Verhalten mancher Autofahrer. Doch auch Fahrrad- oder Rollerfahrer würden sich nicht an die Verkehrszeichen halten.

Die Schäden steigen

Allerdings habe es auch positive Momente gegeben. „Ein Lkw-Fahrer brachte uns drei Packungen Eistee“, blickt er auf einen äußert warmen Arbeitstag zurück.

Laut der Statistik sind im Stadtwald Sulz deutliche Schäden durch Sturm oder Dürre bemerkbar. Beliefen sich 2022 die Sturmschäden auf 342 Festmeter, waren es im Folgejahr 1839.

Vergleichbares ist bei Schadholz durch Insekten oder Dürre zu beobachten. Waren es 2022 hier 2170 Festmeter, stieg die Menge 2023 auf 3921. Der Waldzustandsbericht 2023 geht von 44 Prozent deutlich geschädigter Waldflächen in ganz Baden-Württemberg aus.

Mehr Mischwald

Unter den Laubbäumen sind vor allem Buchen vom Trockenstress betroffen, so dass 60 Prozent der Buchenflächen als deutliche geschädigt gelten.

Um dem Klimawandel zu begegnen, braucht es trockenheitstolerante Laubbäume und einen Mischwald, um das Risiko von Trockenschäden zu streuen.

Dass dies mit der Fichte nicht zu machen ist, verdeutlicht Mertes. „Hier ist eine komplette Aufforstung abgestorben“, blickt er auf den Hang.