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Waldachtal Wut steigert sich mit der Zahl ihrer Briefe

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Autorin Simone Hirth (35) aus Lützenhardt hat wieder einen ersten Preis gewonnen. Foto: Gotter Foto: Schwarzwälder Bote

Ins Rampenlicht rückt wieder die aus dem Waldachtal-Luftkurort Lützenhardt stammende Literatin Simone Hirth: Sie ist mit dem "1. Österreichischen Literaturpreis für Erzählungen – Worte bewegen" ausgezeichnet worden.

Waldachtal-Lützenhardt. Die in Niederösterreich lebende freischaffende Autorin hat den mit 4000 Euro dotierten Hauptpreis erhalten. Schauspieler Klaus Maria Brandauer las ihren Siegertext "Der Fettfleck" dieser Tage bei der Literatur-Matinee im Stieglerhaus in St. Stefan ob Stainz in der Steiermark. Eigens für diesen Wettbewerb hat die 35-Jährige diese Erzählung geschrieben.

310 Einsendungen erreichten die hochkarätig besetzte Jury nach der Ausschreibung im Frühjahr. Initiator Gerwig Epkes (Gründer der SWR-Bestenliste) hat die Einsendungen gesichtet und gemeinsam mit den Jurorinnen Nicola Steiner (Moderatorin des "Literaturclubs" im Schweizer Fernsehen) und Daniela Strigl (Universität Wien) eine Shortlist von 15 Texten erstellt. Ein Highlight: Klaus Maria Brandauer lieh dem Siegertext "Der Fettfleck" von Hirth seine Stimme. Der Schauspieler ließ die vor den Trümmern ihrer Ehe stehende Ich-Erzählerin gleichsam holographisch im Raum erstehen. "Die Bedrohlichkeit, die dieser Text entwickelt, ist so subtil, wie die Grenzen zwischen verbaler und physischer Gewaltanwendung fließend sind", heißt es in der Jurybegründung zum Siegertext. Insgesamt zeigte sich die Jury unter Leitung von Gerwig Epkes beeindruckt von der durchweg hohen Qualität der Einsendungen.

Die ausgezeichneten Texte von Hirth und weitere Shortlist-Erzählungen von Claudia Bitter, Ulrike Haidacher, Elisabeth Schmidauer und Irmi Wyskovsky liegen ab sofort in der Anthologie "Worte bewegen" im Braumüller Verlag vor. "In dieser Zeit der Bebilderung durch soziale Medien, die unsere Fantasie immer weniger fordern, einer ansteigenden gesellschaftlichen Uniformität, ist Literatur ein Überlebensmittel", schreibt Stieglerhaus-Initiator August Schmölzer im Vorwort zum Buch. "Literatur ist ein wichtiger kultureller Beitrag für eine pluralistische, verantwortungsbewusste, humane Gesellschaft."

Zum Inhalt ihres Brief-Romans "Das Loch": "Lieber Frosch! Lieber Jesus! Liebe Madonna" So beginnen die Briefe einer Mutter, die zu schreiben versucht, aber kaum noch dazu kommt. Seit sie ein Kind hat, fühlt sie sich isoliert und in alten Rollenmustern gefangen. Sie hat viele Fragen: nicht nur zum Muttersein und zur Ehe, sondern auch zur Welt und den Dingen, wie sie sind. Hat sich Jesus schon mal Gedanken übers Kinderkriegen gemacht? Und wie verbringt eigentlich Mohamed den Weltfrauentag? Sie schreibt an Schneewittchen, an Ulrike Meinhof, an ihren Schwiegervater und Sohn. Je mehr Briefe sie schreibt, desto wütender wird sie auf die Rollenverteilung, auf die Religion und Politik.

Eigener Blick auf die Welt

Der mittlerweile 35-Jährigen gelingt es in ihrem neuen Roman, tief in die festgefahrenen Strukturen der Gesellschaft einzudringen. Dabei überzeugt sie einmal mehr mit ihrem ganz eigenen und neugierigen Blick auf die Welt und schafft den Spagat zwischen Wut und Optimismus. Ihre Erkenntnis: "Die Dinge müssen eben nicht so bleiben, wie sie sind." Zitat aus dem 272 Seiten-Aufrüttel-Buch: "Versteh mich nicht falsch. Ich wollte Mutter werden, ich bin gern Mutter. Aber ich bin auch wütend, seit ich Mutter bin. Ich bin auf sehr vieles sehr wütend. Zum Beispiel auf den heutigen sogenannten Weltfrauentag, an dem ich hier sitze, allein mit dem Kind." Ein Hilfeschrei an die Außenwelt?

Mit der ersten öffentlichen Präsentation ihres neuen Romanes mit dem Titel "Das Loch" erschloss sich für die aus Waldachtal stammende Autorin im März in ihrer Wahl-Heimat Kirchstetten im Wiener Wald rein zufällig ein neues literarisches Terrain. Ihr Hausarzt, der mit dem zuständigen Essay-Produzenten Michael Lissek vom SWR befreundet ist, konnte den Kontakt zum Rundfunk einfädeln. Mit schrägem Humor hat die Mutter eines Sohnes ihren Brief-Roman verfasst. Die Fachpresse, Ursula Ebel vom Literaturhaus Wien, meint zu der mitreißenden Reise in die Gedankenwelt einer Frau und jungen Mutter: "Simone Hirth schmettert einem in ›Das Loch‹ Sätze mit viel Verve und Wut entgegen, die nicht nur an einem imaginären Frosch adressiert sind, sondern auch einen Frosch im Hals der Leserinnen und Leser erzeugt." Und Günter Kaindlstorfer von Ö1 (ORF) las aus dem Protokoll einer Überforderung heraus: "Das satirisch abgefederte Lamento einer jungen Mutter, die sich emotional nicht nur von ihrem Mann, sondern auch von der Gesellschaft insgesamt im Stich gelassen fühlt."

Im Rundfunk zu hören

Hirth lässt künftig auch im Rundfunk von sich hören. Sie wird nun auch Textbeiträge für die SWR-2-Sendung "Essay" liefern. Der erste Rundfunkbeitrag ist inzwischen produziert und wird unter dem Titel "Die besten Jahre" am Montag, 21. September, um 23:03 Uhr in der Sendereihe "Essay" des Kultursenders gesendet. Weitere Produktionen in dieser Sendereihe sind noch für dieses Jahr geplant. Üblicherweise, darauf machen Simones Eltern Edgar und Ines Hirth aufmerksam, stehen sämtliche "Essay"-Beiträge nach Sendung noch für 30 Tage als Podcast zum Download zur Verfügung. Übrigens: Corona-Pandemie-bedingt produzierte die Waldachtaler Autorin auch Lesebeiträge für die ORF-Radiothek (Online-Radio).

Inzwischen arbeitet Hirth bereits an ihrem nächsten Roman. Es wird spannend: "Titel und Thema sind noch geheim", sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Darüber hinaus bereitet sie Gedichte und Prosa-Miniaturen auf, die zukünftig vom Haymon-Verlag Innsbruck gestaltet und veröffentlicht werden. Zu diesem neuen Verlag wechselte ihre bisherige Lektorin, die in Wien ein Büro unterhält. Gedichte und Prosa-Miniaturen gelten als heimliche Vorliebe in ihrem literarischen Repertoire. Die Literatur-Fans und Hirth-Freunde freuen sich auf eine baldige Autoren-Lesung in ihrer Heimatgemeinde Waldachtal.

Die Text-Sammlung mit dem Sieger-Text von Simone Hirth ist in Buch-Form erhältlich: Stieglerhaus (Hg.): Worte bewegen. Erzählungen. Mit Texten von Simone Hirth und weiteren Autoren. Braumüller Verlag: Wien 2020. 128 Seiten. 18 Euro. ISBN 978-3-99108-146-3 Und der Roman "Das Loch. Brief-Roman von Simone Hirth", Gebundene Ausgabe : 272 Seiten, ISBN-10: 3218012090, ISBN-13: 978-3218012096, Kremayr & Scheriau Verlag, 1. Auflage (4. Februar 2020)

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