Herzig, wie stolz die sechsjährige Johanna auf ihren Papa ist. Foto: Schwarzwälder Bote

Religion: Toni Babic tritt Stelle als Diakon in katholischer Seelsorgeeinheit Waldachtal/Pfalzgrafenweiler an / Für offenes Miteiander

Toni Babic hat sich als neuer ständiger Diakon an diesem Wochenende in drei Gottesdiensten in den Kirchen in Lützenhardt, Pfalzgrafenweiler und Salzstetten vorgestellt. Der 36-jährige zweifache Familienvater aus Haiterbach wird zukünftig diakonische Aufgaben in der katholischen Seelsorgeeinheit Waldachtal/Pfalzgrafenweiler übernehmen.

Waldachtal/Pfalzgrafenweiler. Pfarrer Anton Romer dämpft allzu große Erwartungen, denn: "Unser neuer Diakon wird nur vier bis fünf Stunden pro Woche hier tätig sein können, weil er Diakon im Zivilberuf ist." Hauptberuflich arbeitet er als Schichtleiter im Dreischicht-Betrieb beim Beschläge-Spezialisten Häfele in Nagold.

Bundesweit großes Medien-Interesse erweckte seine außergewöhnliche Wandlung vom VfB-Ultra zum Diakon, vom fanatischen Fußballfan zum christlichen diakonischen Dienst. Natürlich koste es Mut und Überwindung, von unserem Glauben zu erzählen, meinte der neue pastorale Mitarbeiter in seinen Predigten an seinen ersten Einsatzorten. "Ich habe mich von meinem Leben mit Partys und der Anbetung des Fußballgottes zu dem einzig wahren Gott bekehrt." Seine wichtigste Aufgabe sei es jetzt, die Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu den Menschen zu bringen. Er wählte sich den heiligen Franziskus zum Vorbild. Nach dem Willen Gottes zu suchen, sei nicht immer einfach. Babic: "Gegen den Strom zu schwimmen ist immer anstrengender!" Bei allem Unverständnis anderer: Christen dürften sich nicht aus der Bahn werfen lassen. Der neugeweihte Diakon wandte sich an die Katholiken in der Seelsorgeeinheit Waldachtal/Pfalzgrafenweiler: "Ich wünsche, dass wir offen miteinander umgehen!" Man solle gut kommunizieren und Probleme ansprechen.

Mit Beifallklatschen begrüßten die Gläubigen der Seelsorgeeinheit ihren neuen Diakon. Pfarrer Anton Romer hieß seinen Mitzelebranten herzlich willkommen. Seine Aufgaben im liturgischen Bereich seien Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und Wortgottesfeiern. "Die wichtigste Aufgabe eines Diakons ist jedoch, dass er für die Menschen da ist und das in allen Lebenssituationen", betonte Romer. Vor allem werde er in Alten- und Pflegeheimen, in Kranken- und Reha-Häusern, bei Krankenkommunionen, bei Geburtstagsbesuchen, bei Diensten für Senioren und bei Kindern und Jugendlichen tätig sein.

Auch in Altheim, Grünmettstetten, Talheim und Bittelbronn wird er unterstützen

Da Pfarrer Romer seit Pfingsten zusätzlich die Aufgabe des Administrators (Leitender Pfarrer) in der Seelsorgeeinheit Steinachtal übernommen hat, wird ihn Diakon Babic in Altheim, Grünmettstetten, Talheim und Bittelbronn unterstützen. Vorwiegend soll er dort Taufen und Trauungen übernehmen. Bedingt durch seinen Dreischicht-Beruf wird er nur wenige Beerdigungen übernehmen können.

Nadja Babic, seine Ehefrau, trug die Lesung und die Fürbitten vor. Die 33-Jährige ist katholische Lektorin der Seelsorgeeinheit in Nagold. Bei den Vorstellungsgottesdiensten dabei waren auch die beiden Kinder Josip (12) und Johanna (6). Als Mitzelebrant im ersten Vorstellungsgottesdienst in der St. Martins-Kirche fungierte Diakon Erik Thouet, Ausbildungsleiter für Diakone in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Auch Babics Spiritual, Diakon Ulrich Körner, nahm an der Feier teil. Ein ständiger Diakon, so "Berufe der Kirche" von der Diözese, soll die Schwachen und Notleidenden im Blick haben. Der Diakon wirkt in der Liturgie und im Dienst der Verkündigung mit. Der Diakon bringt seinen Glauben in den Berufsalltag ein und lebt ihn dort. Außerhalb seiner beruflichen Tätigkeit wirkt er als Diakon in der Seelsorge der Kirchengemeinde mit.

Beim Premieren-Gottesdienst in Pfalzgrafenweiler fand Kirchengemeinderätin Christina Wobig für die katholische St. Martin-Kirchengemeinde herzliche Begrüßungsworte für den neuen Mitarbeiter und überreichte Willkommensgeschenke an seine Familie. Erstmals trug Diakon Toni Babic Mantelalbe und Stolen, die liturgischen Weihegeschenke der Martins-Gemeinde. Wobig verlas einen Brief von Diözesanbischof Gebhard Fürst. "Durch seinen Dienst am Nächsten soll der Diakon in amtlicher Vollmacht und Sendung den Bedürftigen an Leib und Seele die Liebe Christi bezeugen", hebt der Oberhirte hervor. Das Zweite Vatikanische Konzil habe das Amt des Ständigen Diakons in der katholischen Kirche erneuert. Die Diözese hat diese Möglichkeit seit 1968 gerne aufgegriffen. So könne Toni Babic als "Diakon im Zivilberuf" nunmehr in der Seelsorgeeinheit Waldachtal/Pfalzgrafenweiler tätig sein.

Eine musikalische Note gaben dem Premiere-Gottesdienst des Neuen die Gesangssolistinnen Dorothea Schaber und Christina Wobig, begleitet von Piotr Rogosz an der Orgel. Kurios: Die Vornamen passen in der hiesigen Seelsorgeeinheit wie der Deckel auf den Topf: Anton und Toni. Romer und Babic arbeiten als Seelsorger zusammen, unterstützt von Gemeindereferentin Ellen Schlenker, die altershalber gegen Jahresende 2021 ihren Dienst beendet, und Diakon i.R. Wilhelm Pöndl. Im Gespräch mit unserer Zeitung fügte der in Deutschland geborene Diakon Toni Babic mit kroatischen Wurzeln aus Bosnien-Herzegowina an: "In Deutschland bin ich Kroate, in Kroatien werde ich als Deutscher gesehen. In der Kirche sind wir aber alle gleich."

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